Ann Arbor

Back to school

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Hi there!

Back to school. So knapp sind wir noch nie in den amerikanischen „back to school“ Wahnsinn hinein katapultiert worden. Nach fast fünf Wochen Deutschland sind wir erst am Tag vor dem Start ins neue Schuljahr zurückgekommen. Und gleich überwältigt von allem, was neu ist und sofort erledigt werden will. Im neuen Look präsentiert sich „Powerschool“. Ihr erinnert euch … die App, die jede Bewegung des Kindes stalker-mässig auf die Handys der Eltern schickt. Trotz dieser digitalen Fortschrittlichkeit müssen aber immer noch stapelweise Papiere ausgefüllt werden. Jeder Lehrer kommt mit einem eigenen Pamphlet (Syllabus genannt), das neben Unterrichtsprogramm und Materialliste auch Bewertungskriterien und einen Verhaltenskodex für die jeweilige Klasse beinhaltet. Durchlesen, mit Kind besprechen, unterschreiben – für JEDES Fach. Nö … gibt natürlich keine Überschneidungen.

Gefühlte hundert Male habe ich dieser Tage Adresse und Telefonnummern niedergeschrieben. Und das bei einem Einzelkind!! Formulare zum Gesundheitsstatus, Labor-Sicherheit, Anmeldung zum Sportprogramm, zum Picture Day (klar, findet gleich am 2. Schultag statt … argh, haben wir denn noch ein sauberes Hemd?), zur Klassenfahrt. Die ging übrigens heute morgen los. Jetzt denkt Ihr sicher, der Termin wird ja wohl vor den Ferien bekannt gewesen sein. Ha! Langfristige Planung wird vollkommen überbewertet, das machen nur Deutsche so. Gleich am 3. Schultag Elternabend … im Schnelldurchgang durch alle Klassen des Kindes, wo der/die Lehrer/in praktisch das präsentiert, was wir in Papierform eh‘ schon durchgelesen haben. Auch so eine interessante amerikanische Eigenart – alles so oft wie möglich wiederholen. Beim Arzt muss man auch jedes Mal die gleichen Formulare ausfüllen und bekommt bei einem Besuch mindestens zwei Mal von unterschiedlichen Personen die gleichen Fragen gestellt. Stellt sich mir immer die Frage: trauen die dem Patienten oder ihrem eigenen System nicht?

Trotzdem war es überaus erfrischend, die neuen Lehrer persönlich kennen zu lernen. Denn eines muss man ihnen hier lassen: alle lehren offenbar aus Leidenschaft, sind hoch motiviert, super freundlich und wollen das Beste aus den Kids herausholen. Also wollen wir brav alle gewünschten Materialien einkaufen. Aber was ist bei „Target“ los? Der Laden, der normalerweise alles kann. In der riesigen „Back to school“ Ecke sind bereits in der ersten Schulwoche die Halloween Artikel eingezogen. In den regulären Schreibwaren-Gängen sehen die Regale nach DDR Mangelwirtschaft aus. Unglaublich. Oder ein weiterer Beweis für meine Theorie, dass die „seasons“, an denen entlang sich das amerikanische Leben orientiert, von cleveren Marketingspezialisten ausgeklügelt wurde, um den Konsum immer wieder auf Neue anzuheizen. Das sitze ich aus. Mir kommt vor Oktober kein Kürbis ins Haus!

Dafür liebe ich den beginnenden Herbst hier, der immer noch viele Tage mit sommerlichen Temperaturen und laue Abende mit sich bringt. Außerdem steht diese Zeit wie keine andere für unseren Start in Michigan vor vier Jahren. So ist es bestimmt kein Zufall, dass ich in der Septembersonne (so denn ich vor lauter Zettel ausfüllen, Materiallisten abarbeiten, Lehrer-Emails lesen, Klassenfahrt-Tasche packen dazu komme) den gerade frisch erschienenen 6. Band der Bretagne Krimi Serie um Commissaire Dupin lese, und dabei viel an unser erstes Jahr hier denken muss. Als mein 8-jähriger zum ersten Mal in den Schulbus stieg, habe ich Band 1 gelesen. Nun steht diese Buchreihe wie keine andere für unseren Start hier. Nur, dass ich jetzt öfter zur Lesebrille greifen muss. 😉 Ich lese übrigens am liebsten in meiner Muttersprache, auch wenn ich zwischendurch mal englische Titel einstreue. Genauso wie ich auf dem Flug nach Deutschland die Filme lieber in deutscher Sprache schaue. Auf dem Flug hierher in Englisch. Verrückt.

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Als wir letzen Montag in Detroit landeten, war mein erster Gedanke: das ist wohl der letzte touch down als Michigan Resident, bevor wir im nächsten Sommer zurück nach Deutschland ziehen. Ja, Köln ist unsere Heimat, aber Ann Arbor ist es auch geworden. Nach Hause kommen – das ist derzeit hier, denn in Köln fühlt es sich trotz aller wunderbaren Begegnungen mit Familie und Freunden provisorisch an, nach Übergang. Weil bei einem Heimaturlaub immer klar ist, dass wir nicht bleiben. Wie wird es dann sein, wenn wir tatsächlich bleiben? Ich habe diese Frage schon im letzten Jahr hier gestellt, nun wird sie drängender. Und ich merke immer mehr, welch‘ großen Respekt ich vor dem Zurückkommen habe. Denn wir kommen nicht aus einem längeren Urlaub zurück, sondern aus einem anderen Leben. Ein Leben, dass wir auch lieb gewonnen haben. Ein Leben, in dem wir die kleine Stadt Ann Arbor und den „Great Lakes“ Staat Michigan zu unserer zweiten Heimat gemacht haben. Ein Leben, in dem sich anfänglich flüchtige Begegnungen zu echten Freundschaften entwickelt haben. Auch wenn immer klar war, dass unsere Zeit hier endlich ist. Aber es wird mit jedem Jahr auch ein wenig schwerer, die Zelte hier abzubrechen. Einen Umstand, den ich noch vor zwei Jahren gehörig unterschätzt habe. Yes, liebe Silke … I hear you! 😉

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Ich habe eine Liste gemacht. Mit all‘ den Dingen, die ich noch sehen und erleben möchte. Viele kleine, unspektakuläre Sachen sind das, einige größere. Einen Haken konnte ich bereits setzen. Letzte Woche waren wir endlich bei einer Probe der „Michigan Marching Band“. Der Musikkorps der University of Michigan, der während der College-Football-Saison (und auch bei anderen Sportarten) die Stimmung im Stadion anheizt. Let’s go blue! Diese Woche geht es in die legendäre Studentenbar „Dominick’s“, wo die hausgemachte Sangria in Mason Jars serviert wird und köstlich sein soll – nächster Haken. Sonntag dann eine Ruinen-Tour durch die größte Industrieruine Detroits, die ehemalige Packard Plant. Eine Gelegenheit, auf die ich lange gewartet habe. Es gibt noch so furchtbar viele Geschichten aus dem Land des unbegrenzten Wahnsinns zu erzählen …

Aber ich werde sie auch genießen, die verbleibende Zeit hier in Michigan. Besonders jetzt, wenn der Herbst überall ausgiebig gefeiert wird – mit frisch gepressten Apple Cider, Donuts, Apple picking, Heuwagen-Fahrten, Herbst-Barbecues, Mais-Labyrinthen und ab Oktober auch Pumpkin Picking.

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Cheers! Auf einen intensiven, bunten und fröhlichen Herbst!

 

home for thanksgiving

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Hi there,

dieses Jahr haben wir zum amerikanischen Familien-Feiertag Thanksgiving mal das gemacht, was alle Amerikaner machen – wir sind nach Hause gereist. Zwar gab es in Deutschland keinen Truthahn, dafür aber andere lang vermisste Leckereien. Allen voran Gans mit Rotkohl und Klößchen. Ach, was hatte ich mich darauf gefreut. Und Feldsalat. Der wird hier einfach nicht angebaut. Auch zu Kasseler mit Sauerkraut und Kartoffelpüree (mashed potatoes können die Amis allerdings auch meist richtig gut) habe ich mich hinreißen lassen. Fehlten eigentlich nur noch Reibekuchen mit Apfelmus. Dafür hatte Glühwein Konjunktur und ich habe mich vom Lichter- und Sternenglanz auf den Kölner Weihnachtsmärkten verzaubern lassen. Ach, was viel schön!

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Ich war sehr gespannt, wie so ein kurzer, irgendwie spontan eingeschobener Heimaturlaub sich anfühlen würde. Es war extrem anstrengend und intensiv, aber auch wunderschön! Als wir Sonntag wieder im Flieger nach Detroit saßen, kam es mir fast vor, als hätte ich das alles nur geträumt. Mein Elfjähriger fragte mich dann irgendwann über dem Atlantik: „Mama, wie fand’s du es?“ Da fiel mir nur spontan die Zeile eines meiner BAP Lieblingslieder (Jradaduss) ein: „Et woor schoen, et woor joot, ahm Eng e bessje ze kort …“ (für Nicht-Kölner: „Es war schön, es war gut, am Ende ein wenig zu kurz“). Ob er BAP kenne, frage ich überflüssigerweise. „Was denkst du denn. Ich bin doch ein kölscher‘ Jung“. Na denn.

Seit das möglicherweise letzte Jahr für uns hier in Michigan angebrochen ist, werde ich bei einigen Sachen sehr wehmütig. Das fing am Ende des Sommers an, als ich am letzten Pool-Tag bis zum Ende blieb. Gleich am nächsten Tag folgte ein vielleicht letztes Mal „Back to school“, die möglicherweise letzte Michigan Football Saison hatte begonnen (nicht das ich ein Riesenfan dieses Sports bin, aber an Spieltagen herrscht eine ganz besondere Atmosphäre in der Stadt), die Blätter färbten sich eventuell ein letztes Mal so irre intensiv bunt, wie ich es bisher nicht kannte, Halloween, Christmas, … Ach herrje, wie wird es werden, das Zurückkehren in die eigentliche Heimat? Ich habe mich entschieden, nicht mehr zu viel darüber nachzudenken. „Go with the flow“ oder so ähnlich. Nicht im Sinne von passiv „treiben lassen“, vielmehr aktiv das gestalten und bewusst erleben, was sich ergibt. Ohne Fünfjahresplan. Ohne zwischen den beiden Welten diesseits und jenseits des Atlantiks hin- und hergerissen zu sein.

Genug herum philosophiert, zurück in die reale Ann Arbor Welt. It’s beginning to look a lot like Christmas. Als wir abgereisten, standen noch die Kürbisse vor den Türen und das ein oder andere Gruselelement war noch von Halloween übrig geblieben. Szenenwechsel: alles ist erleuchtet und blinkende Rehe und überdimensionale Blow-up Santas haben wieder das Terrain in unserer Hood übernommen. Da müssen wir noch dringend nachrüsten. Außerdem wird es Zeit, wieder ein paar Späße mit „Elf on the shelf“ zu treiben. Die lustige Elfe ist hier in vielen Familien eine vorweihnachtliche Tradition. Eine Art Adventskalender. Über Nacht kommt sie vom Nordpol zurück und sucht sich jeweils einen neuen Platz im Haus. Nach dem Aufwachen laufen die Kinder aufgeregt durch alle Zimmer und suchen nach dem rot-weißen Püppchen. Gefunden, darf sie nicht berührt werden, sonst verliert sie ihren Zauber. Tagsüber beobachtet sie, ob die Kids „naughty or nice“ sind und gibt Santa am Nordpol dann allabendlich Rapport.

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Mein kölscher Junge glaubt zwar nicht mehr an Santa, aber die Elfe wird trotzdem allmorgendlich erwartet. Wie war das mit dem Glauben an den Weihnachtsmann? „Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen,“ schreibt der Kolumnist der „New York Sun“, Francis P. Church, der achtjährigen Virginia aus New York. Sie hatte sich 1897 mit der Frage „Gibt es einen Weihnachtsmann?“ an die Tageszeitung gewandt. Der Briefwechsel wurde über ein halbes Jahrhundert – bis zur Einstellung der „Sun“ 1950 jedes Jahr zur Weihnachtszeit auf der Titelseite abgedruckt. Später hat die Welt am Sonntag diese Tradition übernommen. In diesem Sinne: feel the christmas spirit! Ach ja, und den Truthahn gibt es bei uns zur Bescherung.

Stundenplan war gestern

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Hi there!

Der gute alte Stundenplan … ich habe ihn geliebt. Er lag im Schreibwarenladen aus, es gab ihn in der Apotheke oder bei der Bank. Erst mal alle mitnehmen, dann für ein Design entscheiden. So habe ich das jedenfalls zu meiner Schulzeit gemacht. Und später gab es Eigenkreationen, damit sie ins entsprechende Mäppchen passten. Ach, nicht zu vergessen meine Snoopy Kalenderbücher, die ich eine zeitlang als Hausausgabenbücher genutzt habe. Die gesammelten Werke vergangener Schultage schlummern immer noch in irgendeiner Kiste in Köln.

Ein amerikanischer Middle Schooler braucht keinen old school Stundenplan. Abgesehen davon, dass hier jeder Tag gleich abläuft, ist das gesamte Leben des Schulkindes online einsehbar. „Power School“ heißt das Zauberwort. Den Begriff hatte ich wohl als Randnotiz auf dem Info-Abend vor den großen Ferien notiert, über dessen Tragweite war ich mir jedoch im Juni noch nicht bewusst. Als die Zugangsdaten dann kurz vor Schulstart einflogen, war ich noch im Ferienmodus. Zurück im Ann Arbor Public School Gebiet habe ich mich dann gleich mal eingeloggt. Aha: Tagesablauf, Noten, Hausaufgaben, Cafeteria-Guthaben, Anwesenheit .. alles online 24/7 einsehbar. So weit, so gut. Neue Verwunderung entstand, als mir eine befreundete Mutter einen Screenshot ihres Kindes schickte, um zu schauen, ob die Jungs gemeinsame Kurse haben. Mmmmh, das sah ganz anders aus, als auf meiner PC-Ansicht. „Ja, hast du dir denn die App noch nicht aufs‘ smart phone geladen?“ die überraschte Info auf meine offenbar naive Nachfrage. Puuh, hatte ich etwa noch vor Schulbeginn den Anschluss an die schöne neue digitale Schulwelt verpasst? Nachsitzen! Nostalgie hin- oder her, die Power School App befindet sich nun auch auf meine ersten phone-Seite. Jederzeit bereit für das nächste Update.

Toll!! Jetzt kann ich beim Warten an der Supermarktkasse, beim Friseur, beim Lunch oder grad‘ mal an der roten Ampel checken, was so in der Schule läuft. Hat Kind auch die Englisch Hausaufgaben rechtzeitig abgegeben? Wieviele Punkte gab es im Spanisch-Test? Wie steht es mit der Beteiligung in World History? Ah, den Extra-Bonus in Mathe eingeheimst, sehr schön! Ups, zu spät zu Science erschienen? Waaas??? Im Unterricht dazwischen gequatscht? Das ideale Tool für alle Helikopter Moms and Dads, die ihre Kreise am liebsten auch im Klassenzimmer und auf den Fluren ziehen würden. Ich persönlich möchte das alles gar nicht im Stundentakt wissen! Ich bin auch keine (Achtung neuer Begriff! Und ich schwöre: das habe ich mir nicht ausgedacht!!) „Pop-Up-Mom“. So bezeichnen sich Mütter, die immer mal wieder unangemeldet im Klassenraum ihrer Kinder auftauchen (und noch mächtig stolz darauf sind), um nach dem Rechten sehen. Liebe Schüler der 80er: jetzt stellt euch mal vor, eure Muttis wären einfach so im Klassenraum erschienen. Ihr hättet doch gedacht, euer Haus wäre abgebrannt oder der Opa gestorben.

Die wirklich wichtigen Informationen kommen übrigens noch mit der guten alten Email. Zum Beispiel, dass ein Schüler eine Waffe auf dem Schulcampus gesehen haben will und darauf hin unter riesigem Sicherheits-Brimborium sämtliche Spinde, Rucksäcke und Klassenräume durchsucht wurden. Ein paar Stunden später am gleichen Tag erhielt ich dann noch einen Anruf, der mich (zusätzlich zum Vermerk in Power School und via Stimme vom Band) über das Zuspätkommen meines Schülers in einem Kurs informierte. Bei meinem Rückruf habe ich freundlich aber bestimmt deutlich gemacht, was mich wirklich beunruhigt. Yikes! Welcome to Middle School.2016! Und einen wehmütigen Gruß an die guten alten Schultage mit handgeschriebenen Stundenplänen!

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from farm to table …

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… or to the White House.

Hi there!

„Agriculture is the most healthful, most useful and most noble employment of man.“

hat George Washington, einer der Gründerväter und erster Präsident der USA gesagt. Wenn er nicht gerade für die Unabhängigkeit kämpfte oder sein Land später regierte, baute er Tabak, Weizen und andere Getreidesorten an. Er war für seine Zeit sogar ungewöhnlich innovativ bei der Entwicklung neuer Anbaumethoden. Landwirtschaft, Präsidentschaft … in den letzten beiden Wochen waren das zwei spannende Gegenpole meiner amerikanischen Erfahrung. Vom harmonischen „farm to table dinner“ zum schrillen Kampf ums Weiße Haus. Und trotzdem gibt es einen interessanten Zusammenhang. Aber mal schön der Reihe nach.

Oooooom! Entspannter und beschwingter hätte der Ausklang des vorletzten Wochenendes nicht sein können. Nur wenige Meilen von unserer Vorstadtsiedlung entfernt (dort, wo die Straßen schon nicht mehr asphaltiert sind), liegt die „White Lotus Farm“. Ein 11 Hektar großes grünes, blühendes Paradies, das von einer buddhistischen Gemeinschaft betrieben wird. Sie bewirtschaftet die Farm, auf der saisonales Gemüse angebaut, Ziegenkäse hergestellt und Brot (best Baguette and Croissants in town!!) gebacken wird, nach biodynamischen Grundsätzen. Neben den Nutzbeeten wurden wunderschöne Gärten nach dem Vorbild europäischer und asiatischer Gärten angelegt. Sie sind nicht nur blühende Schönheiten, sondern haben auch eine praktische Funktion. Getreu dem Grundsatz des englischen Gartengurus und Pioneers der biologischen Landwirtschaft, Alan Chadwick, der in dem Nebeneinander von Nutz- und Ziergarten eine „ganzheitliche Umgebung für Fruchtbarkeit“ sah. Neben den Einflüssen aus Europa und Asien, werden auch alte, einheimische Apfelsorten angebaut. Die restaurierte Scheune, eine der letzten Original Scheunen in Michigan, die von der Lutherischen Glaubensgemeinschaft erbaut wurden, beherbergt heute Räume für Meditation und Yoga. Die Einkünfte der Farm unterstützen das spirituelle Leben der Gemeinschaft. Ein deutsches Mitglied erzählte uns, dass ein solcher Ort, wo Buddhismus ganz praktisch gelebt wird, sehr selten zu finden ist. Spanned war es, mehr über das Konzept der White Lotus Farm zu erfahren, deren Produkte ich schon länger auf dem Markt kaufe. Und das fünfgängige Dinner, das uns im Anschluss an eine Farm-Tour an zwei langen Tischen mitten auf der grünen Wiese serviert wurde, war ein kulinarischer Traum. Zubereitet hatte es der asiatische Chefkoch eines lokalen Restaurants. Bon Appétit & Oooooom!

Los ging’s mit lecker Blubberbrause aus Michigan, Farmbrot, Ziegenkäse und anderen köstlichen Kleinigkeiten. Trotz Porzellan und goldenem Besteck … ohne den guten alten Plastikcooler geht bei amerikanischen Outdoor Veranstaltungen nix. 😉

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Der Besitz und das Bewirtschaften von Land ist tief in der amerikanischen Kultur verankert. Sowohl bei den Ureinwohnern als auch bei den frühen europäischen Einwanderern, den Pilgrims, hat die Landwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Bildung und Entwicklung des Landes gespielt. Die Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika waren Farmer, ebenso eine ganze Reihe späterer Präsidenten. Nach George Washington war auch Thomas Jefferson ein experimentierfreudiger Farmer, der nach Feierabend mit unzähligen Frucht- und Gemüsearten experimentierte, u.a. mit für diese Zeit exotischen Sorten wie Kichererbsen und Kale. Abraham Lincoln wuchs auf einer Farm auf und nutzte seine „farm boy“ Kindheit, um seine bescheidenen Wurzeln zu demonstrieren. Theodore Roosevelt nannte sich selbst „Cowboy of Dakota“, er unterhielt eine Viehfarm, bevor er Präsident wurde. Harry S. Truman wuchs auf einer Farm in Missouri auf. Seine Mutter sagte später über ihn: „Auf der Farm hat Harry seinen gesunden Menschenverstand ausgebildet“. Lyndon B. Johnson, oft in Cowboy Boots und mit Stetson Hut zu sehen, wurde auf einer Ranch geboren, die er später selber führte. Während seiner Präsidentschaft lud er Staatsgäste dorthin ein, u.a. Bundeskanzler Konrad Adenauer. Der berühmteste „Farm-Präsident“ ist sicherlich Jimmy Carter. Er wuchs auf der Erdnussfarm seiner Eltern in Georgia auf. Ronald Reagan und George W. Bush nutzten ihre Farmen in Kalifornien und Texas, um dort mit Staatsgästen Gespräche in einer informellen Atmosphäre abseits von Washington D.C. zu führen. Einige der ehemaligen Präsidentschaftsfarmen werden heute vom „National Park Service“ bewirtschaftet und stehen Besuchern offen.

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Auch am Weißen Haus legten verschiedene First Ladies seit seiner Fertigstellung 1800 Gemüsegärten an. Eleanor Roosevelt pflanzte während des zweiten Weltkrieges den „White House Victory Garden“, um für Zeiten möglicher Lebensmittelknappheit für das Anlegen von Gärten bei der amerikanischen Bevölkerung zu werben. Hillary Clinton ließ einen Gemüsegarten auf dem Dach des Weißen Hauses anlegen und Michelle Obama erweitere die Gartenflächen erheblich, um Grundschulkindern die Vorzüge einer gesunden Ernährung nahe zu bringen. Farmen und Farmland sind für Amerikanern mehr als ein Ort für Landwirtschaft. Sie stehen für Tradition und harte Arbeit. Der Wunsch, Land zu besitzen und es zu bewirtschaften, scheint noch immer tief in den meisten Amerikanern verwurzelt zu sein.

Vom harmonischen „Oooom“ am Sonntagabend, ging es nahtlos über zu den lauten und schrillen Tönen des Präsidentschaftswahlkampfes. Der erreichte in den letzten beiden Wochen mit den Parteitagen der rivalisierenden Parteien seinen vorläufigen Höhepunkt. Puuh – anstrengend war das … jeden Abend vor der Glotze. Aber besondere Ereignisse bedürfen besonderer Maßnahmen. Jeweils von Montag bis Donnerstag: Reden, Reden, Reden. Einige davon sehr bewegend, viele mit enormen Pathos, dazu viel Lobhudelei, unglaubliche Inszenierungen, den ein oder anderen Skandal, wenig neue Inhalte. Und am Ende die obligatorischen Ballons (viele Ballons in rot, weiß, blau), die von den Arenen-Decken in Cleveland and Philadelphia auf die nun offiziell gekürten Präsidentschaftskandidaten und ihre Anhänger hinab schwebten. Das ist das Bild, das ich auch von der Berichterstattung in Deutschland von vergangenen US-Wahlkämpfen im Kopf hatte. Nun bin ich zum ersten und vermutlich zum letzten Mal während des langen Wahlkampfes im Land und finde es super spannend, das alles „vor Ort“ zu erleben. Auch wenn es, wie alle Amerikaner um mich herum nicht müde werden zu betonen, ein ungewöhnlicher, nicht typischer Wahlkampf ist. Wäre ich jetzt gar nicht drauf gekommen. Trotzdem habe ich so manches Detail besser verstanden, vom komplizierten Vorwahl-System über die Bedeutung von Super-Pacs, „the winner takes it all“-Staaten bis hin zu den Wahlmännern und -frauen. Nun geht der Wahlkampf in seine finale Phase. 45. Präsident(in) gesucht! Demokratin vs. Republikaner. Elefanten vs. Esel. Blau vs. rot. Am 8. November wissen wir mehr. Ein Dienstag übrigens. Weil ein Sonntag nicht geht, da steht der traditionelle Kirchenbesuch an. Und Montag ist Anreisetag zum Wahllokal. Mit der Kutsche kann das halt schon mal dauern.

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Ach je … ich könnte mich jetzt richtig in Schwung schreiben … und zum Beispiel hinterfragen, wie zeitgemäß das 2nd Amendment (Recht auf Selbstverteidigung) der vor rund 240 Jahren geschriebenen „Constitution“ noch ist, aber ich mache lieber einen Punkt und rufe zuversichtlich „Let’s go blue“!

 

Ann Arbor – how are you?

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„When I arrived in 1934, at the bottom of the Depression, I fell in love with the place, as groggy as I was from the bus ride, because I was out of the warehouse at last and at least formally part of a beautiful town, the college town of Ann Arbor.“ (Arthur Miller)

Hi there!

Wie versprochen: Ann Arbor! Für den Schriftsteller Arthur Miller, der als Student der University of Michigan einige Jahre in Ann Arbor lebte, war es Liebe auf den ersten Blick. Für mich eher eine auf den zweiten oder dritten Blick. Letzte Woche vor genau drei Jahren fand meine erste Begegnung mit Ann Arbor statt, und es sah erst mal nicht danach aus, als würden wir beide gute Freunde werden. Es war heiß und schwül. Ich mochte das Hotel nicht. Die Klimaanlage war furchtbar laut. Ein Zimmerwechsel machte es nur unwesentlich besser. Also erst mal nach Downtown, soll ja so hübsch sein. An diesem Ankunftstag hätte es mir die malerischste Innenstadt wohl nicht recht machen können. Neun Stunden Flug, Jetlag, Hitze. Fast so schlimm wie Hunger, Pippi, Durst. Und „on top“ die permanente Frage: „How. are. you. doing?“. Schlecht!! Ich sah mein Leben gerade für ein paar Jahre im „fast forward“ Mode an mir vorüber rasen. Meinen 8-Jährigen vom Kind zum Teenager mutieren. Und plötzlich war ich mir alles andere als sicher, ob ich bei der „Mission Michigan“ noch mitmachen wollte. Ganz unglücklich nippte ich auf der belebten Main Street an meinem Getränk. Um uns herum tobte das Leben, Ann Arbor feierte den Sommer. Ein Setting, das ich heute ganz wunderbar finde. Aber an jenem ersten Michigan-Tag war ich kurz davor, dem nächsten, der mir ein „How are you“ entgegen schmetterte, an die Gurgel zu gehen. Umso größer war meine Überraschung, als ich mich einige Monate später „Fine. How are you?“ antworten hörte. Da war ich wohl angekommen. Im Land des zwanglosen Small Talks, in dem es den Fragenden nicht wirklich interessiert, wie es einem geht. Hauptsache, man hat mal drüber gesprochen. Die Steigerung von „how are you?“ ist übrigens „how is your day going so far?“. Gerne zwischen Schinken abschneiden und über die Theke reichen untergebracht. Meine gute Erziehung verbietet mir die Gegenfrage: „was zum Teufel geht dich das denn an?“.

How is Ann Arbor? Ann Arbor ist liberal und weltoffen. Ein bunter Mix verschiedener Kulturen und Nationalitäten. Politisch betrachtet ist Ann Arbor eine demokratische Insel im republikanischen Michigan. Eine Insel, hinter deren Stadtgrenzen erst die amerikanische Wirklichkeit zu beginnen scheint. Fallen in der Stadt die Bernie Sanders Plakate in den Vorgärten ins Auge, weht einige Meilen außerhalb, wo es gleich deutlich ländlicher zugeht, die ein oder andere Südstaaten Flagge. Ann Arbor ist grün, bunt, ein wenig Hippie, viel Yuppie. Die Kleinstadt Oase landet regelmässig auf den vorderen Plätzen, wenn es um Orte mit hoher Lebensqualität und Familienfreundlichkeit geht. Die Innenstadt ist ein gewachsenes Zentrum mit vielen schönen alten Backsteinhäusern, einer lebendigen Gastronomie- und Einzelhandelsszene. Einige Mikrobrauereien brauen hier leckere Biere, auch für verwöhnte deutsche Gaumen. In den Cafés sitzen Studenten mit ihren Laptops. Die kleine Stadt ist an vielen Ecken Großstadt. Und in vielerlei Hinsicht nicht Amerika.

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Gegründet wurde Ann Arbor 1824. Die beiden Gründer benannten Ann Arbor nach ihren Ehefrauen, die beide Ann hießen, und nach den Eichenbaum-Alleen, die auf ihrem neu erworbenen Land standen. Die vielen baumgesäumten Straßen in und rund um Downtown geben Ann Arbor heute den Beinamen „Tree Town“. Außerdem gibt es viele Parks und Grünflächen, Gärten und das bewaldete Ufer entlang des Huron River. Von den 120.000 Einwohnern („Ann Aborites“) sind rund 40.000 Studenten der University of Michigan. Downtown und der zentrale Campus entwickelten sich parallel, so dass es keine direkte Trennung zwischen der Innenstadt und dem Gelände der Universität gibt. Das macht Ann Arbor heute sehr jung und lebendig. Leute, die hier aufgewachsen sind oder schon sehr lange hier leben, nennen sich „townies“. Domino’s Pizza wurde hier gegründet, die Konzernzentrale befindet sich auch heute noch hier. Bob Seger und Iggy Pop wuchsen in Ann Arbor auf. Madonna hat an der University of Michigan studiert, heute ist ihre Tochter hier eingeschrieben. Ann Arbor hat den persönlichen Konsum von Marijuana legalisiert. Seit 1972 findet jeden April das „Hash Bash“ Festival auf dem Gelände der Uni statt. Google’s hoch profitables Programm „AdWords“ sitzt in Ann Arbor. Bei der lokalen Institution „Zingerman’s“, die weit über Ann Arbor für ihr unglaublich leckeren Sandwiches bekannt ist, hat schon President Obama 2014 ein Reuben Sandwich verspeist. Soweit ein paar Ann Arbor „(fun) facts“.

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Die kleine Stadt Ann Arbor und ich –  wir sind heute ganz dicke. Auch wenn es mir nach drei Jahren immer noch so manches Mal unwirklich erscheint, wenn kurz vor dem Abzweig in unsere Neighborhood das Schild „Ramp to Detroit“ in Sicht kommt. Heimatgefühl stellt sich dafür ein, wenn mich der junge Mann am Marktstand meines Vertrauens mit „wie geht es“ begrüsst, oder die Dame an der Supermarktkasse sich nach unserem letzten Urlaub erkundigt. Das ist dann etwas mehr als das allgegenwärtige „how are you“. Aber letztlich, da bin ich einer Telefonstimme voll auf den Leim gegangen, und habe auf die Standardfrage mit einem zwar knappen, aber gutgläubigen „good“ geantwortet. Nach einer unnatürlichen Pause ging das übliche Verkaufsgeblubber vom Band los … reingefallen!

I hope everybody is having a wonderful Sunday! And a fun and safe summer! Wherever you read this!

 

blooming beauties

Hi there!

Rolle rückwärts! Mir ist aufgefallen, dass ich im letzten Jahr (by the way: „brittamachtblau“ hat heute Geburtstag. Vor genau einem Jahr ist der Blog online gegangen. Darauf einen Cupcake!) viele Beiträge über Detroit gemacht habe. Damit bin ich auch noch nicht durch. Aber unser täglicher Lebensmittelpunkt ist Ann Arbor, hier hat unsere „Mission Michigan“ vor fast drei Jahren (wer hat da eigentlich an der Uhr gedreht?) begonnen. Ein prima Zeitpunkt, um den ein oder anderen Blick auf diese kleine, aber feine Midwest College-Stadt zu werfen.

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Zum Geburtstag gibt’s erst mal Blumen. Und zwar Peonies (Pfingstrosen) aus dem größten „Peony Garden“ Nordamerikas. Der befindet sich im „Nichols Arboretum“, ein zur University of Michigan gehörender herrlicher Park/Garten. Üppige Trauben in pink, fuchsia, zart rosa und schneeweiß bilden ein farbenfrohes Spektakel in den fast 30 bepflanzten Beeten. An diesem Wochenende steht der Garten fast in voller Blüte. Bis zu 10.000 Blüten an 800 Pflanzen erfreuen das Auge der vielen Blumenfreunde, die jedes Jahr im Frühling zu diesem phantastischen Garten Ann Arbors‘ pilgern. Von den mehr als 270 historischen Sorten aus dem 19en und frühen 20sten Jahrhundert kann man nur noch knapp die Hälfte kaufen. Pfingstrosen stammen ursprünglich aus China. Dort findet man sie auch häufig in der Kunst vor. Außerdem sind sie in Japan und Korea sehr beliebt. Über Europa gelangten sie nach Nordamerika. Eine großzügige Pflanzen-Spende alter Sorten von europäischen und nordamerikanischen Züchtern des Unternehmers Dr. W.E. Upjohn an die University of Michigan legte 1922 den Grundstein für den Peony Garden, der 1927 für die Öffentlichkeit zugänglich wurde. Soweit kurz ein paar Fakten … ich lass‘ nun die Blumen sprechen. Enjoy! 

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Ein Jahr Blog. 25 Beiträge. Viel Arbeit. Noch mehr Freude. Viele schöne Rückmeldungen über diverse Kanäle. Ich mach‘ dann mal weiter. 🙂
Ann Arbor und so … und wie das so war, als es 2013 „welcome to Michigan“ hieß … nicht immer nur rosarot … stay tuned!

 

Schöne neue mobile Welt

Hi there!

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Welcome to Mcity! Ampeln, Fussgängerüberwege, Bürgersteige, Straßenlaternen, Parkplätze, Fahrradwege, ja sogar Hydranten, Parkbänke und Briefkästen – alles scheint so, als würde man durch Downtown Ann Arbor schlendern. Aber im „Literati Bookstore“ werden keine Bücher verkauft, im Restaurant nebenan bleiben die Teller leer und die Brauerei schenkt auch kein leckeres Michigan Bier aus. Was wie eine Filmkulisse à la „The Truman Show“ wirkt, ist ein Forschungsgelände für autonomes und vernetztes Fahren im Norden von Ann Arbor. Letzte Woche war es zum ersten Mal für die Öffentlichkeit zugänglich.

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Mcity ist das weltweit erste Testgelände dieser Art. Eine sicherere Umgebung, in der das Verhalten von vernetzten, autonomen und fahrerlosen Fahrzeugen unter realen Bedingungen getestet werden kann. Die unterschiedlichsten Verkehrs-Szenarien lassen sich hier simulieren, um die Autos an ihre Grenzen zu führen. Sie sollen lernen, sich an die vorhandene Verkehrs-Infrastruktur mit ihren unterschiedlichsten Herausforderungen anzupassen. Wie reagiert ein Fahrzeug beispielsweise, wenn die Sicht eingeschränkt ist, ein Fussgänger oder Radfahrer unerwartet die Straße kreuzt, es plötzlich keine Fahrbahnbegrenzung mehr gibt.

Entwickelt und errichtet wurde Mcity im Juli 2015 vom „Mobility Transformation Center“ der University of Michigan. Das Center ist eine Kooperation der Uni mit dem Michigan Department of Transformation, Fahrzeugherstellern wie Ford, GM, Toyota und BMW sowie vieler weiterer Partnerfirmen, die die notwendige Technologie für „fahrerloses Fahren“ bereit stellen. Neben „little downtown Ann Arbor“ gibt es auf dem 130.000 Quadratmeter großen Testgelände Straßenabschnitte mit verschiedenen Oberflächen wie Asphalt, Beton, Stein oder Schotter, mehrspurige Straßen inklusive eines Highways, Rampen, Kreisel und Tunnel. Hindernisse, wie Baustellen, können variabel aufgebaut werden. Sogar einen mechanischer Fußgänger spaziert je nach Testsituation über die Straße.

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Sobald die Technologie in der kontrollierten Umgebung von Mcity getestet wurde, geht es auf die Straße. Bereits 3.000 vernetzte Fahrzeuge fahren auf den Straßen von Ann Arbor. Sie sind in der Lage, sowohl miteinander als auch mit der Infrastruktur – z.B. mit Ampeln – zu kommunizieren. 2020 sollen auf den öffentlichen Straßen im südöstlichen Teil von Michigan rund 30.000 vernetzte Fahrzeuge im Testbetrieb fahren.

„Southeast Michigan ist das Epicenter für Mobilität im 21. Jahrhundert“, sagt der Direktor des Mobility Transformation Centers, Peter Sweatman. Die autonome Mobilität werde die Sicherheit und Energieeffizienz im Straßenverkehr radikal verändern, verbessern. Ein „Game Changer“, wie die Amerikaner sagen. „Smart Mobility“ wird die übervollen Großstädte entlasten. Der autonom gesteuerte Verkehr soll für einen sicheren und effizienten Fluss von Menschen und Waren sorgen. Ziel ist es auch, einen Großteil der schweren Unfälle, die in den USA jährlich 33.000 Todesopfer fordern, zu vermeiden. Unaufmerksame Fahrer, deren Blick mehr auf dem Handydisplay als auf der Fahrbahn ist, werden dann der Vergangenheit angehören.

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Darüber hinaus arbeiten die Autobauer mit Hochdruck daran, die individuelle Mobilität mit anderen Verkehrssystemen wie dem öffentlichen Nahverkehr zu verknüpfen. Die Zukunft könnte also so aussehen: wir werden von einem per App bestellten Auto entspannt und fahrerlos bis an den Rand der Innenstadt fahren. Dort wird es uns absetzen, und sich auf den Weg zum nächsten Fahrgast machen. Wir steigen auf ein öffentliches Verkehrsmittel um, da die Innenstädte (wie heute schon in London) den Individualverkehr zukünftig weitgehend einschränken werden. Die Abfahrtszeit des autonomen Elektrobusses wurde uns bereits auf dem Display unseres vorher genutzten Fahrzeugs angezeigt. Vielleicht haben wir via App auch schon einen Cappuccino in unserem Lieblingscafé geordert, den wir vor der Shoppingtour genießen.

Schöne neue mobile Welt? Es klingt zum Teil noch ein wenig nach Science Fiction … aber die automobile Zukunft hat eindeutig begonnen. Nicht nur hier vor den Toren der Autostadt Detroit. 2025 sollen 20% aller Fahrzeuge in den USA fahrerlos unterwegs sein.

Gute Fahrt! Safe travels!

 

goodbye halloween! hello holiday season!

Hi there,

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Halloween war vorvorgestern! Unser drittes Grusel-Fest in Amerika, und wie schon in den Jahren zuvor passte das Wetter wieder bestens. Grrrrr! Aber auch wie schon so oft hier in Michigan, fährt es Rollercoaster mit uns. Seit Sonntagmorgen hat sich die Sonne wieder am Himmel erhoben, heute war es gefühlte 25 Grad warm. No kidding: kurze Hosen und T-Shirt im November. Natürlich gilt es auf der Hut zu sein: am nächsten Wochenende könnte ja der erste Schnell fallen. Das wäre dann wiederum passend zur seit Montag befohlenen Saison, der „Holiday-Season“. Erster Akt: Thanksgiving. Zweiter Akt: Christmas.

Die Transformation in den Geschäften erfolgte umgehend: schwarz-graue Halloween Reste ab in die letzte Ecke, 70 % off Schild dran. Rot-grün-weiße Weihnachtsartikel in Pool-Position. Eine weitere Ecke ist für Thanksgiving reserviert – alles in braun, orange-Tönen. Erntedank auf amerikanisch.

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Sonntag haben die Fenstermaler in Downtown mit ihrer Arbeit begonnen. Sie verpassen Ann Arbors‘ Schaufenstern jedes Jahr im November ein winterlich-weihnachtliches Fensterbild. Per Hand phantasievoll aufs‘ Glas gepinselt. Das sieht wunderschön und weniger kommerziell wie so vieles andere aus.

Auch die Supermärkte legen den Schalter um: Halloween Candy auf die Reste-Theke, Hochglanz-Holiday-Kataloge mit Truthahn & Co. raus.

Klar, auch in Deutschland sind Weihnachten und andere Festivitäten ein großes Geschäft. Ich erlebe das hier aber um ein vielfaches krasser. So manches unsinnige Produkte bringt das Saisongeschäft dabei in die Läden: Trick or Treater Klamotte und Halloween Candy für den Hund, weihnachtliche Leckerlis und Spielzeuge für Hund und Katze, die Weihnachtswindel fürs‘ Baby. Really??

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Um den Spuk vor dem 31.10. so richtig anzuheizen, gibt es einen relativ neuen Trend in Sachen Halloween: Haunted Attractions, Orte, an denen es spukt. Wir haben dieses Jahr einen „Haunted Hayride“ gemacht, eine nächtliche Ausfahrt auf einem Heuwagen durch das „Valley of the Lost“ … boooo! Das war vergleichsweise harmlos, da gibt es üble Sachen, wo einem tatsächlich das Gruseln gelehrt wird.

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Soweit noch schnell zu Halloween 2015. Ach ja
und noch was: trotzdem ich den Kölner Karneval vermisse, habe ih auch im dritten Jahr so gar keine Lust verspürt, mich zu verkleiden. Halloween liegt mir nicht im Blut. Und der ganze Wahnsinn drumherum wohl auch nicht so. Ich freue mich dann mal auf Glühwein, Cookies & Co. 🙂

 

Abends um 7 …

Hi there!

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Der September-Himmel hier in Michigan hatte sich mit meinem Blog abgesprochen: er war fast jeden Tag blau! Und so schön sommerlich warm, dass ich am liebsten 24/7 draußen gewesen wäre. Die Wetterstatistiker stehen schon mit „Hottest September in Michigan ever“ in den Startlöchern. Trotz herrlicher Tage und Abende bleiben aber viele Amerikaner innerhalb ihrer – meist klimatisierten – vier Wände. Auch im 3. Jahr finden wir das immer noch total komisch …

Deutschland, abends um 7 an einem warmen Sommerabend: Geschirrgeklapper, Gewusel, Gespräche, Kinderlachen. Das Leben spielt sich draußen ab, ob auf Balkonien, Terrasse oder im Garten. Und das vom ersten wärmeren Frühlingstag bis zum letzten Hurra des Sommers.

Amerika (Vorstadt), abends um 7, auch schön warm: kein Mensch, kein Laut, nirgends. Verlassene Terrassen, Gartenmöbel und Hollywoodschaukeln, die vergeblich auf Gäste (oder Pokerrunden … ;-)) warten. Oft steht auf dem großen Holzdeck (Standardfarbe: irgendwas zwischen Vollmilch und Prinz Harry-Rot), das offenbar im Bausatz mit jedem Haus geliefert wurde, aber auch nur ein XL-Grill – oder: gar nichts. Leer – den ganzen wunderschönen Sommer lang.

Erklärungsversuche: zu heiß, zu windig, zu viele Fliegen, kein Fernseher, draußen nur Kännchen? Gegrillt wird manchmal an der frischen Luft, gegessen aber garantiert drinnen. Tür zu, Klimaanlage an. Unser Deck ist hier in der Nachbarschaft weit und breit das einzige, auf dem regelmäßig gelebt und mit Geschirr geklappert wird. Jedenfalls solange kein Schnee liegt ;-). Wahrscheinlich finden unsere Nachbarn das total seltsam.

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Denn um uns herum schirmt man sich zusätzlich sommers wie winters, bei Tag und in der Nacht mächtig ab. Überall dichte Rollos oder schwere Gardinen. Der Amerikaner mag es nach unseren Beobachtungen offenbar gerne dunkel. Und das nicht nur im eigenen Heim. Ihm macht es auch nichts aus, in schummrigen Restaurants mit dunklen Holzvertäfelungen und schweren, dunklen Möbeln zu essen. Tageslicht wird von uns wohl total überbewertet. So manches Restaurant haben wir schon für geschlossen  gehalten. Hätte da nicht ein grelle Neonschriftzug „Open“ angezeigt.

Ein beliebter Indoor-Aufenthaltsort (egal wie herrlich es draußen sein mag) ist auch das Auto. Selbstverständlich bei laufendem Motor, um eine gleichmässige (tendenziell Kühlschrank) Temperatur zu gewährleisten. „Nicht aufregen, nur wundern“, hat man mir als Kind oft gesagt.

Na denn. Auf einen goldenen, hellen Oktober! Wo immer Ihr dies hier gerade lest.

 

Lunar Eclipse

Hi there!

Na, wer ist für den blutroten Supermond aufgestanden … oder gar wach geblieben? Da waren wir ja eindeutig im Vorteil, und konnten das beeindruckende Phänomen der totalen Mondfinsternis ab 22.11 Uhr am klaren Nachthimmel von Ann Arbor beobachten. Faszinierend (und irgendwie ein gutes Gefühl), dass am rund 6.500 Kilometer entfernten deutschen Himmel das gleiche Bild zu sehen ist.

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Good Night Michigan, good Morning Deutschland!