German Beer & Homemade Spatzen

Hi there!

„Have you been to German Park yet? No? You got to go to a German Picnic there!“ Wie oft gab es das in den letzten zwei Jahren zu hören, sobald klar war, dass wir aus dem Land des Biers‘ und der Weißwurst kommen.

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Gestern sollte es endlich soweit sein, auch wenn das Wetter so gar nicht nach einem lauschigem Biergarten-Abend aussah. Der Veranstalter hatte allerdings schon früh das Motto „Rain or Shine“ ausgegeben und so machten wir uns zur Abendbrotzeit (hach, schönes deutsches Wort … obwohl an dieser Stelle „Brotzeit“ besser gepasst hätte) auf den Weg an den nördlichen Rand von Ann Arbor. Genauer gesagt: dorthin, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. Hier, mitten im grünen Off, veranstaltet der „German Park Recreational Club“ seit über 75 Jahren drei Mal im Jahr ein German Picnic mit „traditional German music and dance“, „authentic German food“ und natürlich jeder Menge „imported German beer“.

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Während Schneewalzer und andere Klassiker der deutschen Volksmusik (nein, „Atemlos“ habe ich nicht gehört, puuh) über Biertische und Pavillon schallen, wird das Bier am liebsten aus sogenannten „Buckets“ getrunken. Das sind Plastikdosen (könnte auch Kleber aus dem Baumarkt drin sein) mit Deckel drauf und Trinktülle. Diese außergewöhnlichen Trinkgefässe werden anschließend als Art „Trophäen“ auf den Tischen zu einem Turm gestapelt. Erinnert ein wenig an Trinkgelage von Verbindungen. Was auf Mallorca das Handtuch ist, ist hier das Tischtuch. Der Platz am Biertisch wird mit selbigen für später kommende Freunde  gesichert. Das war heute ob des wenig verheißungsvollen Wetters nicht notwendig. Bei gutem Wetter sorgen aber rund 3000 Besucher für lange Schlangen am Eingang, an der Bierbude und in der „Deutschen Küche“. Hausgemachter Kartoffelsalat, Sauerkraut, Spatzen mit Sauce (die vegetarische Variante ;-), Landjäger, Weißwurst, Pretzel und Strudel werden hier von freundlichen Damen in Club T-Shirts serviert. Ich habe mich nicht getraut, nach Rievkooche mit Apfelmus zu fragen. Aber lecker war es trotzdem!

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Sprechen Sie Deutsch? Wir hatten erwartet, viele Muttersprachler zu treffen. Aber kaum ein „Prost“ oder „Maaaahlzeit“ war zwischen Weißbier und Weißwurst zu hören. Ob’s am Wetter lag? Dabei wird in Ann Arbor oft deutsch gesprochen. Von den rund 7 Millionen deutschen Einwanderern (mehr als aus jedem anderen Land), die seit dem 18. Jahrhundert in die USA kamen, ließ sich die Mehrheit in den Staaten des Mittleren Westens (Finger auf die Landkarte: neben Michigan formen die Staaten Minnesota, Iowa, Wisconsin, Illinois, Indiana und Ohio, Kansas, Missouri, North- und South Dakota und Nebraska „the Midwest“). Deutsch wäre sogar um ein Haar die Amtssprache der USA geworden.

In Ann Arbor weisen viele ältere deutsche Steinkirchen mit Friedhöfen, historische Backsteingebäude mit deutschen Aufschriften in Downtown, der „German Day“ der University of Michigan, der deutsche Weihnachtsmarkt „Kindlefest“ auf eine reiche deutsche Geschichte hin. In „Frankenmuth“, Michigan, wird deutsche Tradition sogar von einem ganzen Ort clever vermarket. „Michigan’s little Bavaria“, so der Slogan, wirkt wie die Filmkulisse eines bayerischen Heimatfilms. In der „Bavarian Inn Lodge“ werden die Schnitzel in Dirndl und Lederhosen serviert, in Oma’s Kaffee gibt es Schwarzwälder Kirschtorte, im Herbst wird Oktoberfest gefeiert … jedes deutsche Klischée wird hier bedient. Wie das German Picnic auch für Kölner ein großer Spaß!

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Mit einem beschwingten „Prost“ beende ich dann mal die kleine Deutschstunde. Auf dem Weg zum Parkplatz wollte uns der  fantastische Sonnenuntergang wohl auf den bevorstehenden großen amerikanischen Feiertag einstimmen: den 4th of July, Unabhängigkeitstag. OK, we got it: schwarz-rot-gold rein, Stars & Stripes raus!

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Where music lives

Hi there!

Sommeranfang! Und das „Ann Arbor Summer Festival“ ist in full swing. In der kleinen Stadt Ann Arbor kann man aber zu jeder Jahreszeit, fast täglich irgendwo Musik live erleben. Hier ist das legendäre „Blind Pig“ zuhause, wo schon Jimi Hendrix, John Lennon, The MC5 oder Iggy Pop (der übrigens aus Ann Arbor stammt) aufgetreten sind. „The Ark“ ist ebenfalls eine Institution, hier gibt es an über 300 Abenden Folk-Music vom Feinsten.

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Im Mai findet in der gleichnamigen Neighborhood das charmante „Water Hill Music Festival“ statt.  Ein ganz besonderes Musik-Event, bei dem einen Sonntag lang über 70 Musikgruppen kostenlos in privaten Vorgärten, auf Veranden, Garagen und in Gärten auftreten. Nachbarn machen Musik für Nachbarn. Ein Bandmitglied muss  mindestens in der Nachbarschaft wohnen. Die Atmosphäre war super entspannt, die Bands trugen originelle Namen wie „Fiddler on the Lawn“ oder „Front Porch Swing“.

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Und nun läuft seit Mitte des Monats das ganz große Musik-Event. Beim Ann Arbor Summer Festival bespielen drei Wochen lang all abendlich verschiedene Bands kostenlos die Outdoor-Bühnen auf dem Unicampus Downtown. Die 140 Konzerte und Veranstaltungen locken seit 32 Jahren jeden Sommer über 80.000 Festival-Besucher ins Herz von Ann Arbor und feiern mit Künstlern aus der ganzen Welt die größte Party der Stadt. Einige Top-Acts finden in einer Konzerthalle statt. Diese Hauptbühne wurde Freitagabend mit den „Indigo Girls“ eröffnet.

Wooohoooo … wir hatten Karten, und durften das legendäre Folk Rock Duo mit einem beeindruckenden Konzert erleben. Fantastische Stimmen, gehaltvolle Texte, tolle Arrangements, sehr viel Professionalität – und doch war die Atmosphäre sehr persönlich. 32 verschiedene Gitarren hatte das seit fast 30 Jahren gemeinsam auftretende Duo am Start. Sie gelten als Ikonen der amerikanischen Lesben- und Schwulenbewegung und setzen sich gegen Rassendiskriminierung, für die Rechte von Native Americans und die Abschaffung der Todesstrafe in den USA ein. Einige der Themen fanden auch gestern Abend ein Ventil, und so hallt über die wunderbaren Musik hinaus noch so manches mehr nach.

Celebrate your summer!

 

Tuut, tuuuut!! Chicago the Beautiful

„She is always a novelty, for she is never be the Chicago you saw when you passed through the last time.“

Mark Twain

Hi there,

school’s out for summer! Für 12 lange Wochen. Wooohoooo! Und schon ist bei uns die Bed & Breakfast Saison eröffnet. Gleich Freitagabend habe ich Freunde aus Deutschland am kleinen Bahnhof von Ann Arbor abgeholt. Sie waren mit dem Zug aus Chicago angereist. Da wurde ich gleich wieder an unsere beiden Touren in die Windy City und das besondere Erlebnis, per amtrak Zug durch einen Teil des sonst so Auto dominierten Landes zu fahren, erinnert.

Für ICE–verwöhnte Reisende (okaaaay, da läuft auch nicht immer alles rund ;-)) ist Zugfahren in den USA eine kleine Reise in die Vergangenheit. Enge Bahnsteige, alte Züge, keine reservierten Sitzplätze, ein dubioses post-it Zettelsystem der Schaffner, um die Endstationen ihrer Passagiere im Blick zu behalten. Alle paar Minuten ertönt ein kräftiges Tuut Tuuuuuut, verursacht vom Zughorn, das per Gesetz wie in alten Zeiten an jeder Kreuzung ertönen muss. Die Kreuzungen und die davon abgehenden Straßen, auf die man bei der gemütlichen Fahrt über land einen kurzen Blick erhascht, wirken oft wie Filmkulissen aus vergangenen Zeiten. Geschichten, die vom Leben an der Bahnlinie erzählen. Irgendwie schön kitschig. Vor allem dann, wenn Landschaft und kleine Städte während des Sonnenuntergangs gemächlich an einem vorüber ziehen.

Wir haben Chicago zu unterschiedlichen Jahreszeiten erlebt:

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Chicago, die Erste: Thanksgiving 2013. Kalt, windig, wenig grün, dafür aber viel blauer Himmel.

Und fantastische Ausblicke von den beiden bekanntesten Aussichtsplattformen der Stadt, dem „Willis Tower“ (still better known as  „Sears Tower“)  und dem „John Hancock Tower“ (seit dieses Gebäude etwa in der 7. Klasse in meinem Englischbuch erwähnt wurde, wollte ich da unbedingt mal hoch!). Aufwärmen im „Art Institute of Chicago“, ein „must see“ für Art Lovers. Große Namen, große Kunst, große Vielfalt! Große Artenvielfalt präsentiert das berühmte „Shedd Aquarium“ in einem wunderschönen Bau, der im Stil der klassischen griechischen Architektur erbaut wurde. Thanksgiving läutet in den USA die Christmas Season ein. Neben vielen Lichterketten in den Straßen Chicagos findet mitten in der Stadt seit fast 20 Jahren ein deutscher Weihnachtsmarkt (Christkindlmarket) statt. Fast wie zuhause … es gibt Nürnberger Glühwein und kölsche Reibekuchen (potatoe pancakes) mit Apfelmus. Herrlich!

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Die Innenstadt von Chicago ist klug angelegt. Zwischen Häuserschluchten und Lake Michigan erstreckt sich ein breiter Grünstreifen mit diversen Parks und viel Kunst im öffentlichen Raum. Überdimensionale Kunstwerke wie „The Bean“, in der sich die umliegenden Gebäude auf faszinierende Art widerspiegeln oder der „Crown Fountain“,  eine riesige Videoprojektion, die Gesichter der breiten, sozialen Vielfalt Chicagos zeigt, sind Beispiele dafür.

Chicago, die Zweite: Memorial Day Weekend Ende Mai 2015. Angenehm warm, wunderbar grün und unglaublich bunt.

Absolutes Highlight (neben dem Erkunden hipper urbaner Quartiere wie Lincoln Park, Olde Town, Wicker Park, dem sehr lohnenswerten Besuch des „Museum of Contemporary Art“, ausgedehnten Spaziergängen durch die grünen Lungen und entlang des Ufers am Lake Michigan) war die River Cruise der „Chicago Architecture Foundation“. Entlang des Chicago River lassen über 50 architektonische Glanzlichter unterschiedlicher Bauzeiten die Geschichte Chicagos lebendig werden.

Einer der bekannten Architekten ist der Deutsche Mies van der Rohe, der 1938, einige Jahre nach der Schließung des Bauhauses, in die USA emigrierte und dort Leiter des späteren „Illinois Institute of Technology“ wurde. Als Vertreter der Moderne („Less is more“) hat er zahlreiche beeindruckende Gebäude in Chicago gebaut. Viel Stahl, viel Glas prägen seinen Baustil. Darunter einige große Hochhaus-Wohnanlagen, von denen die beiden Apartmenthäuser am Lake Shore Drive seine berühmtesten sind. 

Seine größte Wohnanlage, der Lafayette Park, befindet sich übrigens in Detroit. It’s on my list … dazu (und zu vielen anderen Ecken und Geschichten der Motor City) dann bald mehr. Have a safe and fun summer! 

 

Michigan – The Great Lakes State

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Hi there!

Erst mal was zur Orientierung. Dank Internet TV informieren uns Marietta, Klaus, Gundula & Co. auch regelmässig im amerikanischen Wohnzimmer über das Weltgeschehen. Nach einigen Wochen „heute journal“ gucken gab es beim Hintergrundbild eines Abends plötzlich ein großes „Wow, guck mal“. Mitten in der riesigen hellblauen Landfläche der USA hatten wir die großen dunkelblauen Stellen entdeckt – die Großen Seen. Seit wir im „Great Lakes State“ Michigan wohnen, hat Wasser eine neue Dimension angenommen. Die fünf Großen Seen verdienen ihren Namen nämlich tatsächlich. Lake Michigan, Lake Huron, Lake Erie, Lake Ontario und Lake Superior vereinen über 20 % des weltweiten Süßwasser-Vorkommens auf sich. Michigan verfügt über 3,126 Meilen Küstenlinie, der zweitlängsten in den USA, nach Alaska. Gefühlt sind die Großen Seen weite Meere – halt nur „unsalted“.

So, und jetzt genau hingeschaut: links vom Blitzschatten sind sie zu sehen, die Großen Seen von Amerika. Das, was mittendrin hellblau wie ein linker Fäustling (Michigan wird auch „Mitten-State“ genannt) aussieht, ist die „Lower Peninsula“ von Michigan. Am unteren Ende des Daumens links wohne ich mit meiner Familie. In Ann Arbor, Michigan, rund 60 Kilometer westlich von Detroit. Ich bin ganz schön „Smitten with the Mitten“ („smitten“ musste ich auch nachschlagen 😉 … „hingerissen sein von“), mit Lake Michigan sowieso.