from farm to table …

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… or to the White House.

Hi there!

„Agriculture is the most healthful, most useful and most noble employment of man.“

hat George Washington, einer der Gründerväter und erster Präsident der USA gesagt. Wenn er nicht gerade für die Unabhängigkeit kämpfte oder sein Land später regierte, baute er Tabak, Weizen und andere Getreidesorten an. Er war für seine Zeit sogar ungewöhnlich innovativ bei der Entwicklung neuer Anbaumethoden. Landwirtschaft, Präsidentschaft … in den letzten beiden Wochen waren das zwei spannende Gegenpole meiner amerikanischen Erfahrung. Vom harmonischen „farm to table dinner“ zum schrillen Kampf ums Weiße Haus. Und trotzdem gibt es einen interessanten Zusammenhang. Aber mal schön der Reihe nach.

Oooooom! Entspannter und beschwingter hätte der Ausklang des vorletzten Wochenendes nicht sein können. Nur wenige Meilen von unserer Vorstadtsiedlung entfernt (dort, wo die Straßen schon nicht mehr asphaltiert sind), liegt die „White Lotus Farm“. Ein 11 Hektar großes grünes, blühendes Paradies, das von einer buddhistischen Gemeinschaft betrieben wird. Sie bewirtschaftet die Farm, auf der saisonales Gemüse angebaut, Ziegenkäse hergestellt und Brot (best Baguette and Croissants in town!!) gebacken wird, nach biodynamischen Grundsätzen. Neben den Nutzbeeten wurden wunderschöne Gärten nach dem Vorbild europäischer und asiatischer Gärten angelegt. Sie sind nicht nur blühende Schönheiten, sondern haben auch eine praktische Funktion. Getreu dem Grundsatz des englischen Gartengurus und Pioneers der biologischen Landwirtschaft, Alan Chadwick, der in dem Nebeneinander von Nutz- und Ziergarten eine „ganzheitliche Umgebung für Fruchtbarkeit“ sah. Neben den Einflüssen aus Europa und Asien, werden auch alte, einheimische Apfelsorten angebaut. Die restaurierte Scheune, eine der letzten Original Scheunen in Michigan, die von der Lutherischen Glaubensgemeinschaft erbaut wurden, beherbergt heute Räume für Meditation und Yoga. Die Einkünfte der Farm unterstützen das spirituelle Leben der Gemeinschaft. Ein deutsches Mitglied erzählte uns, dass ein solcher Ort, wo Buddhismus ganz praktisch gelebt wird, sehr selten zu finden ist. Spanned war es, mehr über das Konzept der White Lotus Farm zu erfahren, deren Produkte ich schon länger auf dem Markt kaufe. Und das fünfgängige Dinner, das uns im Anschluss an eine Farm-Tour an zwei langen Tischen mitten auf der grünen Wiese serviert wurde, war ein kulinarischer Traum. Zubereitet hatte es der asiatische Chefkoch eines lokalen Restaurants. Bon Appétit & Oooooom!

Los ging’s mit lecker Blubberbrause aus Michigan, Farmbrot, Ziegenkäse und anderen köstlichen Kleinigkeiten. Trotz Porzellan und goldenem Besteck … ohne den guten alten Plastikcooler geht bei amerikanischen Outdoor Veranstaltungen nix. 😉

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Der Besitz und das Bewirtschaften von Land ist tief in der amerikanischen Kultur verankert. Sowohl bei den Ureinwohnern als auch bei den frühen europäischen Einwanderern, den Pilgrims, hat die Landwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Bildung und Entwicklung des Landes gespielt. Die Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika waren Farmer, ebenso eine ganze Reihe späterer Präsidenten. Nach George Washington war auch Thomas Jefferson ein experimentierfreudiger Farmer, der nach Feierabend mit unzähligen Frucht- und Gemüsearten experimentierte, u.a. mit für diese Zeit exotischen Sorten wie Kichererbsen und Kale. Abraham Lincoln wuchs auf einer Farm auf und nutzte seine „farm boy“ Kindheit, um seine bescheidenen Wurzeln zu demonstrieren. Theodore Roosevelt nannte sich selbst „Cowboy of Dakota“, er unterhielt eine Viehfarm, bevor er Präsident wurde. Harry S. Truman wuchs auf einer Farm in Missouri auf. Seine Mutter sagte später über ihn: „Auf der Farm hat Harry seinen gesunden Menschenverstand ausgebildet“. Lyndon B. Johnson, oft in Cowboy Boots und mit Stetson Hut zu sehen, wurde auf einer Ranch geboren, die er später selber führte. Während seiner Präsidentschaft lud er Staatsgäste dorthin ein, u.a. Bundeskanzler Konrad Adenauer. Der berühmteste „Farm-Präsident“ ist sicherlich Jimmy Carter. Er wuchs auf der Erdnussfarm seiner Eltern in Georgia auf. Ronald Reagan und George W. Bush nutzten ihre Farmen in Kalifornien und Texas, um dort mit Staatsgästen Gespräche in einer informellen Atmosphäre abseits von Washington D.C. zu führen. Einige der ehemaligen Präsidentschaftsfarmen werden heute vom „National Park Service“ bewirtschaftet und stehen Besuchern offen.

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Auch am Weißen Haus legten verschiedene First Ladies seit seiner Fertigstellung 1800 Gemüsegärten an. Eleanor Roosevelt pflanzte während des zweiten Weltkrieges den „White House Victory Garden“, um für Zeiten möglicher Lebensmittelknappheit für das Anlegen von Gärten bei der amerikanischen Bevölkerung zu werben. Hillary Clinton ließ einen Gemüsegarten auf dem Dach des Weißen Hauses anlegen und Michelle Obama erweitere die Gartenflächen erheblich, um Grundschulkindern die Vorzüge einer gesunden Ernährung nahe zu bringen. Farmen und Farmland sind für Amerikanern mehr als ein Ort für Landwirtschaft. Sie stehen für Tradition und harte Arbeit. Der Wunsch, Land zu besitzen und es zu bewirtschaften, scheint noch immer tief in den meisten Amerikanern verwurzelt zu sein.

Vom harmonischen „Oooom“ am Sonntagabend, ging es nahtlos über zu den lauten und schrillen Tönen des Präsidentschaftswahlkampfes. Der erreichte in den letzten beiden Wochen mit den Parteitagen der rivalisierenden Parteien seinen vorläufigen Höhepunkt. Puuh – anstrengend war das … jeden Abend vor der Glotze. Aber besondere Ereignisse bedürfen besonderer Maßnahmen. Jeweils von Montag bis Donnerstag: Reden, Reden, Reden. Einige davon sehr bewegend, viele mit enormen Pathos, dazu viel Lobhudelei, unglaubliche Inszenierungen, den ein oder anderen Skandal, wenig neue Inhalte. Und am Ende die obligatorischen Ballons (viele Ballons in rot, weiß, blau), die von den Arenen-Decken in Cleveland and Philadelphia auf die nun offiziell gekürten Präsidentschaftskandidaten und ihre Anhänger hinab schwebten. Das ist das Bild, das ich auch von der Berichterstattung in Deutschland von vergangenen US-Wahlkämpfen im Kopf hatte. Nun bin ich zum ersten und vermutlich zum letzten Mal während des langen Wahlkampfes im Land und finde es super spannend, das alles „vor Ort“ zu erleben. Auch wenn es, wie alle Amerikaner um mich herum nicht müde werden zu betonen, ein ungewöhnlicher, nicht typischer Wahlkampf ist. Wäre ich jetzt gar nicht drauf gekommen. Trotzdem habe ich so manches Detail besser verstanden, vom komplizierten Vorwahl-System über die Bedeutung von Super-Pacs, „the winner takes it all“-Staaten bis hin zu den Wahlmännern und -frauen. Nun geht der Wahlkampf in seine finale Phase. 45. Präsident(in) gesucht! Demokratin vs. Republikaner. Elefanten vs. Esel. Blau vs. rot. Am 8. November wissen wir mehr. Ein Dienstag übrigens. Weil ein Sonntag nicht geht, da steht der traditionelle Kirchenbesuch an. Und Montag ist Anreisetag zum Wahllokal. Mit der Kutsche kann das halt schon mal dauern.

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Ach je … ich könnte mich jetzt richtig in Schwung schreiben … und zum Beispiel hinterfragen, wie zeitgemäß das 2nd Amendment (Recht auf Selbstverteidigung) der vor rund 240 Jahren geschriebenen „Constitution“ noch ist, aber ich mache lieber einen Punkt und rufe zuversichtlich „Let’s go blue“!