The day after.

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Hi there!

Wer hätte gedacht, dass ich heute schon wieder einen Blogbeitrag schreibe. Aber ich kann nicht anders. Nach dem ich meine Hoffnungen am „Election Day“ so hoch gehangen hatte, bin ich umso entsetzter darüber, dass es nicht gereicht hat, die Glasdecke zu durchbrechen. Stattdessen hat sich Amerika für einen Präsidenten entschieden, der mir und vielen anderen die pure Angst einjagt. Ein trauriger Tag für Amerika, ein trauriger Tag für die ganze Welt. Ein trauriger Tag für Eltern, die ihren Kindern erklären müssen, wie das sein kann. Wie ein Mann, der so wenig als Vorbild taugt, in das höchste Amt der Welt aufsteigen kann. Heute Nachmittag erreichte uns eine Mail der Superintendantin des Ann Arbor Public School Distrikts, in der sie versichert, dass sich der gesamte Schuldistrikt seiner verantwortungsvollen Rolle in einem Umfeld mit vielen unterschiedlichen Nationen und Religionen nach dieser Wahl bewusst sei. Jeder Schüler und jede Familie sei in der Ann Arbor Schulgemeinde willkommen. Erschreckend, dass ein solcher Hinweis am Tag nach einer US-Wahl notwendig zu sein scheint.

Nach einer langen Fernseh-Nacht, die irgendwann auf das Unfassbare zusteuerte, wollte ich mich heute morgen mit Sport ablenken. Viele von uns ließen ihren Tränen freien Lauf, als die Kursleiterin ihre Gedanken zum „After-Election-Blues“ formulierte. Am Ende wurde es eine therapeutische Kursstunde, nach der ich mich ein wenig leichter fühlte.

Trotzdem frage ich mich schon den ganzen Tag, was vom Gefühl her schlimmer war/ist: 9/11 oder das hier. Meine Stimmungslage heute fühlt sich jedenfalls ganz ähnlich an. Besorgt, ängstlich, beunruhigt, irgendwie beklemmend. Bitte versteht das nicht falsch: ich vergleiche hier keineswegs diese beiden Ereignisse miteinander, nur meine Gefühlslage. Es ist das beherrschende Thema hier, egal wo man hinkommt. Manche sagen: „Lass uns nicht über die letzten 24 sprechen“. Andere äußern klar ihr Unwohlsein darüber, jetzt in einem Land zu leben, in dem rund die Hälfte der Menschen Rassismus, Sexismus, Homophobia und so manches mehr offenbar vollkommen in Ordnung finden. Und alle hoffen irgendwie, morgen aufzuwachen, als wäre alles nur ein böser Traum gewesen.

Das wird nicht passieren. Und so können wir wohl nur versuchen, unsere positive und hoffnungsvolle Grundhaltung wiederzufinden. Und uns entsprechend unserer Möglichkeiten für Einheit, Toleranz, Respekt, Offenheit und Frieden einzusetzen. Im Swing State Michigan, in Deutschland und überall auf der Welt. Einmal mehr ist mir klar geworden, wie wenig selbstverständlich es ist, in einem freien, demokratischen, weltoffenen Umfeld zu leben.

Hang in there! Let’s keep our spirits up and our hopes high! Tomorrow is a new day.

 

Election Day!

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Hi there!

Um es mal mit den Worten meiner Lieblings-Komikerin Cordula Stratmann zu sagen: „Det wird knapp, is aber zu schaffen.“

Während Cordula es in dieser wunderbaren Nummer nur zum Flughafen Tegel schaffen muss, braucht Hillary die Stimmen von 270 Wahlmännern und -frauen, um ins Weiße Haus einzuziehen. Die US-Bürger wählen ihren Präsidenten und Vizepräsidenten nicht direkt. Sie bestimmen „nur“ die Wahlmänner/-frauen in ihrem Bundesstaat, die dann Präsident und Vize wählen. 538 (FiveThirtyEight) sogenannte „Electors“ bilden das „United States Electoral College“. Jeder Bundesstaat verfügt über so viele Wahlmänner/-frauen, wie er Vertreter in beiden Häusern des Kongresses zusammen hat. Bis auf Maine und Nebraska gilt in allen Staaten das Prinzip „The winner takes it all“, die einfache Mehrheit der Stimmen entscheidet. Details eines unglaublich komplizierten amerikanischen Wahlsystems.

Um überhaupt wählen zu dürfen, muss man sich registrieren lassen. Es gibt in den USA kein Meldesystem. In den letzten Wochen bis zum Ende der Registrierungsfrist für Michigan bin ich in der Stadt zig‘ mal von freiwilligen Wahlhelfern angesprochen worden, ob ich mich registrieren lassen wolle. Nach meinem Hinweis, dass ich kein US-Bürger sei und somit nicht wählen dürfe, gaben mir so einige die Aufforderung mit auf den Weg, aber mit meinen amerikanischen Freunden zu sprechen. Go out and vote! In den USA wählen seit 1972 nur rund die Hälfte aller Wahlberechtigten. Zum Vergleich: die niedrigste Wahlbeteiligung in Deutschland (seit 1949) gab es 2009 mit knapp 71%. Man darf gespannt sein, wie hoch die Wahlbeteiligung 2016 ausfallen wird. Nach einem Wahlkampf, den man hier so noch nie erlebt hat. Der vielen Amerikanern peinlich ist. Für den viele meinen, sich entschuldigen zu müssen. Der tiefe Gräben aufgerissen hat.

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Bin ich froh, wenn der ganze Wahl-Wahnsinn vorbei ist. So unerträglich die Berichterstattung auch geworden ist, sie hat mich doch täglich auf’s Neue magisch angezogen. Seit New Hampshire den Auftakt bei den Vorwahlen machte, verfolge ich den Wahlprozess. Habe unzählige Debatten und anschließende Analysen geschaut. Seit der Endspurt begonnen hat, bin ich super aufgeregt. Was mache ich bloß ab Mittwoch mit all‘ der freien Zeit? Endlich mal wieder meinen Lieblingssender „Home & Garden TV“ gucken? Weihnachtskarten schreiben? 😉 Heute stand mein Vormittag aber erst mal wieder im Zeichen des Wahlkampfes. Präsident Obama war in Ann Arbor. Und ich live dabei. Wow. Gänsehaut-Feeling. Unter blauem Himmel, im blauen Hemd und begleitet von „Go Blue“ Rufen hat er im Baseball Stadium der University of Michigan um Michigan’s Stimmen für Hillary Clinton geworben.

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In der Schule meines Sohnes fand heute eine sogenannte „Mock up Election“ statt. Da hat Hillary mit 72% gewonnen. Die „Green Party“ kam auf Platz 2. Aber Ann Arbor ist halt nicht Amerika. Der republikanische Präsidentschaftskandidat dagegen wird als Anti-Beispiel eines guten Vorbildes gehandelt. „We do not want the Trump Effect at our school“ hieß es vor einigen Wochen in einer Schulversammlung, als das Thema Mobbing adressiert wurde. Wenn das nicht alarmierend ist.

Als Hillary Clinton 2008 die Kandidatur an Barack Obama verlor, und damals nicht die erste weibliche Präsidentschaftskandidatin der USA wurde, hat sie ihren Anhängern zugerufen: “Although we were not able to shatter that highest and hardest glass ceiling this time, thanks to you it has 18 million cracks in it, and the light is shining through like never before, filling us all with the hope and the sure knowledge that the path will be a little easier next time, and we are going to keep working to make it so, today keep with me and stand for me, we still have so much to do together, we made history, and lets make some more.”

Hillary Clinton mag für viele nicht die perfekte Kandidatin sein. Aber Amerika hat aus meiner Sicht keine Alternative in dieser historischen Wahl. Ich drücke jedenfalls ganz fest die Daumen, dass die Glasdecke heute durchbrochen wird.

„Det wird knapp, kannse aber schaffen.“