Countdown to Christmas …

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„I had come to a hotel downtown for a live auction of properties in Detroit. Starting bid was $500, less than the price of a decent television … We were a long way from „Yes we can.“ But there was one place people did. One place of except. That was Detroit.“

Anfang und Ende des Prologs im Buch „A $ 500 House in Detroit“. Der Autor Drew Philp hat sein Buch vor einigen Wochen in der Bibliothek Ann Arbor vorgestellt. Er hat mich tief beeindruckt (und natürlich mit signiertem Buch in der Tasche) zurückgelassen. Noch als Student der „University of Michigan“ hier in Ann Arbor hat er mit 23 Jahren seine komfortable Campus-Unterkunft gegen eine unbewohnbare Hausruine in Detroit getauscht. Ein seit Jahren verlassenes Haus, gefüllt mit Müll, ohne Fenster, Wasser, Strom oder dichtes Dach. Im Buch beschreibt Philp den schrittweisen Wiederaufbau, den er fast ausschließlich mit seinen eigenen Händen und der Hilfe von Familie und Freunden bewerkstelligt hat. Raum für Raum. Es erzählt davon, wie die Gemeinschaft im Stadtteil funktioniert, und wie er sich als neuer Nachbar eingebracht hat.

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Das Buch geht jedoch über seine persönliche Geschichte hinaus. Es beschreibt auch die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklung Detroits in den letzten zehn Jahren. Philp skizziert seine eigene Vision, wie die Zukunft in einer Stadt, in der Armut, eine hohe Kriminalität und die Rassenproblematik immer noch die drängendsten Themen sind, aussehen könnte. Und da spielen das persönliche Engagement jedes einzelnen Bewohners und die kleinen Lösungen die größten Rollen. Mit jedem wieder aufgebauten Haus, jedem urbanen Garten, jeder Bürgerinitiative wächst das neue Detroit ein Stückchen mehr.

„As we rebuild this ashen city, we’re deciding on an epic scale what we value as Americans in the 21st century. The American Dream is alive in Detroit, even if it flickers.“ Drew Philip

 

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Abschlag am Pazifik
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Ich habe ja mit Golf nicht viel am Hut, aber bei „Pebble Beach“ klingelt es auch bei mir. Hier wurden bereits fünf Mal die U.S. Open ausgetragen, 2019 werden sie ein weiteres Mal dort stattfinden. Pebble Beach mit seinen drei Golfplätzen liegt am berühmten 17-Mile Drive, der sich im Norden Kaliforniens um die Monterey Halbinsel schlängelt, zwischen den Städtchen Monterey und Carmel-by-the-Sea. So exklusiv, dass man erst mal 10 Dollar bezahlen muss, um diesen fast unverbauten Küstenabschnitt mit seinen gigantischen Villen, traumhaften Aussichten und eben fantastischen Golfplätzen befahren zu dürfen. Knorrige, vom Wind geformte Zypressen säumen überall die kurvige Küstenstraße. Die Greens sind zum Teil sehr klein, die Ausblicke über den pazifischen Ozean dafür spektakulär. Mich persönlich würde das ja total ablenken … genau wie die tierischen Mitspieler, die da am Start waren.

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In der Glückskeks-Bäckerei

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„Die Welt ist voll von kleinen Freuden. Die Kunst besteht nur darin, sie zu sehen.“ – Li Tai-Po

Beim Chinesen in Europa und in Amerika werden sie zum Abschluss des Essens gereicht: Fernöstliche Weisheiten auf kleinen Zetteln, eingebacken in knusprige Kekse. Dabei ist der Glückskeks gar keine chinesische Erfindung. Ein Japaner hat sie in San Francisco als Leckerei für seine Gäste im japanischen Teegarten des Golden Gate Parks kreiert. In Chinatown produziert die „Golden Gate Fortune Cookie Factory“ in einer kleinen Manufaktur seit 1962 Glückskekse, von Hand. Beim Betreten bekamen wir gleich einen frischen, noch warmen Keks gereicht. Yum – das war der beste Glückskeks, in den ich bisher gebissen habe. Die kleine Fabrik besteht nur aus einem Raum. So konnten wir sehen, wie die Kekse gebacken, gefaltet und mit Glücksbotschaften bestückt werden. Die Faltmaschine wurde auch in San Francisco entwickelt. Sehr cool: man kann in der Cookie Factory eigene Botschaften auf kleine Zettel schreiben, die dann von den fleißigen Damen in den Keks gefaltet werden. „Ein Tag ohne dich ist wie ein Glückskeks ohne Zettel“ … oder so 😉

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Disney in Detroit

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Fast komplett vom Großraums Detroit eingeschlossen, liegt die Stadt Hamtramck. Polnische Einwanderer kamen Anfang des 19. Jahrhunderts in die Stadt und fanden Arbeit in der Autofabrik der Dodge Brüder. Noch heute sind die polnische Bäckereien (sie liefern am Fat Tuesday die köstlichen „Paczkis“ kistenweise nach Ann Arbor) und Metzgereien über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Demographie hat sich jedoch verändert. Heute ist Hamtramck ein bunter Mix der Kulturen. Menschen aus Albanien, Bosnien, Armenien, dem Libanon, Jemen und  Bangladesh fanden hier eine neue Heimat.

Auch Dmytro Sylak kam als Einwanderer. Er wuchs in der Ukraine auf und immigrierte in den 1950er Jahren mit seiner Frau nach Hamtramck. 30 Jahre lang arbeitete er bei General Motors. Als er Mitte der 1980er Jahre in Rente ging und ein Hobby suchte, begann er, Teile seines Wohnhauses in eine Kunstinstallation zu verwanden. Über 30 Jahre ist das riesige Konstrukt organisch gewachsen. Sylak hat es ohne vorherigen Plan Stück für Stück mit selbst gefertigten und gefundenen Objekten errichtet und immer wieder verändert. Das ungewöhnliche Kunstobjekt sitzt zwischen den beiden Garagen des Hauses. Überall ragen bewegliche Skulpturen in die Luft, bewegen sich im Wind, leuchten teilweise im Dunklen auf. Die Garagen sind Galeriefläche für eine bunte Mischung aus amerikanischen Abbildungen und Erinnerungen an Szylak’s europäische Vergangenheit.  2015 verstarb der Künstler im Alter von 92 Jahren. Die Zukunft des Hamtramck Disneyland war zunächst ungewiss. Dann hat eine Gruppe von Bewohnern und Künstlern den Erhalt dieser ungewöhnlichen Outdoor-Installation übernommen. Als Dmytro Sylak noch lebte, gab er persönliche Touren durch seine farbenfrohe Phantasiewelt aus Mickey Mouse, Schaukelpferd, Reklameschildern und Spielzeugfiguren. 2006 hat das Modell Kate Moss hier sogar ein Foto-Shooting veranstaltet. Habt ihr Santa entdeckt?

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Wunderland in der Wüste

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Der wohl berühmteste Joshua Tree der Welt befindet sich auf der Rückseite des fünften Studioalbums der irischen Rockband U2. 1987 gab der Baum der Platte ihren Namen – „The Joshua Tree“. Zum 30-jährigen Jubiläum ziert die bizarre Form der „Josua Palmlilie“ wieder das Album, 2017 in glänzendem Gold.

Am „Joshua Tree National Park“ ging also für mich kein Weg vorbei auf unserer Reise durch den Südwesten Kaliforniens im letzten Winter. Auch wenn das Foto auf dem Cover gar nicht dort, wie ich zunächst annahm, sondern im 250 Meilen entfernten Death Valley, geschossen wurde. Hier fand der Fotograf Anton Corbijin einen einsamen Joshua Tree. Das ist ungewöhnlich, die Bäume stehen meist in Gruppen. Als die Mormonen die Mojave Wüste durchquerten, sahen sie in der eigenwilligen Form die Gestalt des Propheten Joshua, der seine Hände zum Gebet in den Himmel streckt und den Weg ins gelobte Land weist.

Der Joshua Tree National Park ist der ungewöhnlichste Nationalpark, den wir bisher bereist haben. Er verfügt über so gut wie keine Infrastruktur. Wer im Park übernachten möchte, muss campen. Dafür gibt es in dieser Wüsten-Wunderwelt wenig, was das Auge stören könnte. Die skurrilen baumhohen Juccapalmen und die karge felsige Landschaft erzeugen eine fast mystische Atmosphäre. Die ungewöhnlichen Felsformationen mit ihrer rauen Oberfläche ziehen Kletterer aus aller Welt an. Um die wie nicht von dieser Welt wirkende wunderliche Landschaft des Joshua Tree National Parks wirklich zu erleben, muss man Wanderungen abseits der Parkplätze unternehmen. Dann fühlt es sich an, als hätte man diesen herrlich entrückten Ort für sich alleine.

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Trotzdem es gegen einige Gesetze wie fehlende Geschäftslizenz und Gesundheitszeugnis oder gar Kinderarbeit verstösst, ist der Limonaden-Stand eine amerikanische Tradition in den Sommermonaten. Also mussten wir da auch in einem Sommer mitmachen. Frisch gepresste Limonade, hausgemachte Karamellbonbons und „Snow Cone Slushis“ gab es am Stand unseres Sohnes und seinem Freund von nebenan. Die Jungs haben ihr Geschäft weitgehend alleine organisiert. Schild gestalten, Stand aufbauen, Werbezettel in der Nachbarschaft verteilen, Zitronen pressen, Eis crushen … Just with a little help from marketing mom ;-). Die großangelegte Werbeaktion zeigte Wirkung. Das Geschäft boomte an diesem heißen Samstagnachmittag im August. 2 Stunden und 200 Dollar (!) später waren die Erfrischungsgetränke und süßen Sachen ausverkauft. Mit dem Erlös sind wir dann shoppen gegangen, Schulsachen für obdachlose Kinder. Lehrstunde in Sachen „how to build your first business“ erfolgreich absolviert.

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Schnief! Ach was herrlich … habe vor kurzem noch einmal „Sleepless in Seattle“ geschaut. Ihr wisst schon .. das Hausboot, Tom Hanks, Meg Ryan, das Empire State Building, und viel Wasser … in Form von Regen und Tränen. „It rains nine months a year in Seattle“, wird Meg Ryan alias Annie Reed in einer der vielen wunderbaren Szenen gewarnt. Aber sie ruft nur überschwänglich „I know, I know!“ und jagt weiter ihrem magischen Moment hinterher. 1993 kam die romantische Komödie in die Kinos und seitdem ist Seattle im Bundesstaat Washington in meinem Kopf und auf meiner Reiseliste. Natürlich auch weil sie uns Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden gab. Aber vor allem wegen DER Romantik-Komödie, die mir mit Mitte 20 auch so manche Tränen im Kinosaal abgerungen hat. 25 Jahre später liegt das Hausboot immer noch am Lake Union. In diesem Sommer unter blauem Himmel. Das 200 qm große Hausboot mit vier Schlafzimmern und einem unbezahlbaren Blick auf Downtown Seattle soll 2014 für 2 Millionen US-Dollar den Besitzer gewechselt haben.

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Freunde der Architektur!

Detroit überrascht oft mit Vierteln, die man so nicht erwarten würde. Östlich an Downtown angrenzend liegt gut versteckt in einer grünen, urbanen Oase der historische Distrikt „Lafayette Park“. Kein Geringerer als der in Aachen geborene und 1939 in die USA ausgewanderte Bauhaus Architekt „Ludwig Mies van der Rohe“ hat sie zwischen 1956 – 1959 gebaut. Sie ist die weltweit größte Wohnanlage van der Rohes und ein einmaliges Beispiel der Idee Bauhaus. Der Lafayette Park umfasst 186 Einfamilien-Häuser, 3 Apartmenthäuser, eine Schule, einige Einzelhandelsgeschäfte und eine Grünfläche. Das Viertel ist im „National Register of Historic Places“ gelistet und seit 2015 als „National Historic Landmark“ des United States National Park Service. Es soll Menschen geben, die aus Kalifornien nach Detroit ziehen, nur um in einem Mies van der Rohe Haus zu leben. In einigen Teilen der Stadt kann man noch Häuser ab 500 Dollar kaufen. Für eine Mies Einheit werden jedoch aktuell um eine halbe Million Dollar für ca. 140 Quadratmeter aufgerufen.

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Countdown to Christmas …

Wintery Light Box Ad

Hi there,

hier kommt der alternative Adventskalender … Worte und Bilder statt Schokolade 😉 Ich gebe zu, die Idee ist abgeschaut. Im letzten Dezember bin ich selber einem Blog-Adventskalender gefolgt und fand das sehr schön. Hinter den 24 „brittamachtblau-Türchen“ verbergen sich kleine (zu klein für große Geschichten, aber dennoch erwähnenswert, interessant, lustig oder nachdenklich genug für eine Notiz) Geschichten im Instagram-Stil – viel Bild, wenig Text. Ich freue mich, wenn Ihr Freude beim Öffnen habt … so zwischen Weihnachtsbäckerei, Bude dekorieren und Glühwein trinken.

Merry, merry!

Here we go: Törchen Nr. 1 …

Alternative Weihnachtsbäckerei aus Portland, Oregon. Diesen Sommer standen wir auch Schlange stehen für die besten Doughnuts (yes, that’s the original spelling!) der Welt. Lucky us … Voodoo Doughnut war gleich um die Ecke von unserem Hotel. Daher sah unser Frühstück am ersten Tag so aus: Voodoo Doll, Bacon Maple Bar, Portland Cream (diese drei Namen haben sich die Macher von Voodoo schützen lassen) und ein Dirty Snowball. Aber der Fan von frittierten Kohlenhydraten mit der Extraportion Zucker hat die Qual der Wahl. Mehr als 50 klebrige Köstlichkeiten gibt es. Good Things come in pink boxes … für Müsli und Avocado-Toast ist morgen ja auch noch Zeit.

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Packard – the next shift

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Hi there!

Polizeichef Captain Renault fährt in „Casablanca“ damit vor. In „Der Pate“ kommen gleich mehrere zum Einsatz. Präsident Roosevelt nutzte ihn als Dienstlimousine. Automobile der „Packard Motor Car Company“ zählten in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zum Feinsten, was die amerikanische Autoindustrie zu bieten hatte. Die ursprünglich aus Ohio stammenden Packard Brüder lassen sich 1904 am East Grand Boulevard nieder. Dort, wo zuvor deutsche Einwanderer ihre Farmen betrieben, entsteht die erste Autofabrik aus Stahlbeton. Auf 16 Hektar Land baut der legendäre Architekt Albert Kahn einen Komplex mit 325.000 Quadratmetern Gebäudeflächen. Die Packard Plant ist Teil des gewaltigen industriellen Aufschwungs im Mittleren Westen der USA und beschäftigt zu ihren Hochzeiten fast 40.000 Menschen. Der Zweite Weltkrieg bringt die Produktion zum Erliegen. Packard produziert während der Kriegsjahre Flugzeugmotoren für Rolls Royce. Nach Kriegsende passieren wieder luxuriöse Automobile die Werkstore. Jedoch kämpft das Unternehmen gegen die mächtige Konkurrenz der „Big Three“ Ford, General Motors und Chrysler. In einem Versuch, die Produktionskosten zu senken, fusioniert Packard 1954 mit dem kleineren Wettbewerber Studebaker. Das letzte reine Packard Model läuft 1956 am East Grand Boulevard vom Band. Die neue Unternehmensführung hat die Schließung der Packard Plant beschlossen. Über die nächsten 60 Jahre wird sie zur größten Industrieruine der Welt. 

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Teilbereiche der Fabrik werden in den folgenden Jahrzehnten zunächst durch verschiedene Firmen belegt, der Rest beginnt zu verfallen. Nach und nach ziehen Mieter aus, 2006 verlässt das letzte Unternehmen die Packard Plant. Das gigantische Areal ist nun endgültig dem Verfall ausgesetzt. Wo einst luxuriöse Fahrzeuge zusammengeschraubt wurden, riskieren nun „scraper“ (Metalldiebe) für schnellen Cash Gesundheit und Leben. Sie flexen Stahl und Eisen aus den Gebäuden heraus. Holz wird in ihren Häusern verfeuert. Eine tote Autofabrik wird demontiert, um das eigene Überleben zu sichern. Es brennt oft tagelang. Schmelzende Eisenträger sorgen für weitere Zerstörung. Andere nutzen die riesige Ruine zu ihrem Vergnügen und veranstalten in den Trümmern Paintball-Schlachten und Techno-Partys. Graffiti Künstler machen die Wände der ehemaligen Autofabrik zu ihrer Leinwand. Fotografen und Neugierige aus aller Welt sind fasziniert von der bizarren, desolaten Schönheit der Ruine. 2010 wird sogar ein Wandbild des anonymen britischen Künstlers Banksy entdeckt. Zahlreiche Filme wie Transformers und Batman vs Superman werden hier gedreht. Die Natur erobert sich im Laufe der Jahre große Teile zurück. Bäume wurzeln im Inneren und auf den Dächern, giftige Pilze sprießen aus den Holzböden.

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Auch mich hat die Packard Plant wie andere „lost places“ in Detroit immer wieder magisch angezogen. Ich war sprachlos ob der Größe und der Zerstörung des verlassenen Komplexes, der sich über fast einen Kilometer quer durch den Stadtteil zieht. Wir haben die Industrieruine gerne unserem Besuch aus Deutschland gezeigt. Um Vergangenheit und Gegenwart der Stadt zu verstehen. Die Packard Plant als Teil der glanzvollen industriellen Erfolgsgeschichte von Detroit, des Mittleren Westen, der gesamten USA. Gleichzeitig als trauriger Zeuge des beispiellosen Niedergangs der Stadt und einer ganzen Region. Lässt man sich darauf ein, kann man trotzdem nachfühlen, dass hier einmal geschäftiges Leben herrschte. Als tausende Mitarbeiter durch Werkstore und Bürotüren ein- und ausgingen und glänzende Karossen die Rampen verließen. Dann haben die Menschen den Ort verlassen. Das macht wohl einen großen Teil der Faszination aus. Was passiert, wenn Menschen Großartiges schaffen und es dann sich selbst und den Elementen überlassen.

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2013 schreibt die Stadt Detroit die Packard Plant zur Versteigerung aus. Trotz der massiven Zerstörung sind große Teile der Baustruktur noch sehr robust. „Wenn das die Zukunft repräsentiert, dann ist das hier „nichts“. Wir brauchen jemanden, der aus „nichts“ etwas macht“, sagt eine Bewohnerin aus der angrenzenden Nachbarschaft in der von „Detroit Free Press“ Fotograf Brian Kaufmann 2014 gedrehten Dokumentation „Packard: The Last Shift“. Der Entwickler und Investor Fernando Palazuelo aus Peru hat Großes mit der Packard Plant vor. Er ersteigert sie 2013 für 405.000 US Dollar. Sein Ziel: Den total heruntergekommene Komplex über einen Zeitraum von 10 – 15 Jahren und einem Budget von über 300 Million Dollar in einen lebendigen Stadtteil mit vielfältigen Möglichkeiten zu entwickeln. Es ist nicht das erste Revitualisierungs-Projekt, das Palazuelo mit seiner Firma „Arte Express“ anpackt. Seit 35 Jahren renoviert und entwickelt der gebürtige Spanier weltweit historische Bauten und Stadtteile. Seine Projekte aus der jüngsten Vergangenheit umfassen mehr als 100 Gebäude in den historischen Altstädten von Lima, Palma de Mallorca, Barcelona und Madrid. Und nun die Packard Plant, Detroit – das größte industrielle Modernisierungsprojekt in den USA.

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„Die Packard Plant ist nur noch eine Hülle. Ich glaube nicht, dass es Hoffnung für einen Wiederaufbau gibt. Auf der anderen Seite war sie Teil einer industriellen Revolution“, sagt Stadthistoriker Jim Balfour im Film. Sie wird es hoffentlich wieder. Teil einer neuen, anderen Erfolgsgeschichte für Detroit. Im Herbst 2019 soll der erste Gebäuderiegel bezugsfertig sein. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der „Packard Motor Car Company“ werden acht Unternehmen, u.a. eine Beratungsfirma, ein Ingenieurbüro, ein Barber-Shop, eine Galerie einziehen. In einem anderen Gebäude  wird ein Steakhaus mit Event-Räumen eröffnen. Ein Museum über die wechselvolle Geschichte der Packard Plant in geplant. Außerdem wird ein Trainingszentrum gegründet, in dem Menschen aus dem lokalen Umfeld für Jobs, die sich zukünftig hier ergeben, ausgebildet werden. Arte Express hat weiteres Land um die Packard Plant herum erworben, um die zukünftige Entwicklung des gesamten Viertels positiv mit zu gestalten. Sie haben aber auch das Versprechen abgegeben, niemanden aus seinem Haus „heraus zu kaufen“. Im Gegenteil: sie beziehen die Menschen mit ein, halten regelmäßige Treffen mit den Bewohnern der Nachbarschaft ab.

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Das gigantische Renovierungsprojekt ist unfassbar ehrgeizig. Die Original-Struktur soll so weit wie möglich erhalten bleiben. Möglichst viele vorhandene Materialien sollen Verwendung finden. Auch Graffitis sollen, wo immer es geht, in das neuen Konzept integriert werden. „Living around art“, dafür steht „Arte Express“. Allein die Aufräumarbeiten verschlingen Millionen. In den letzten vier Jahren wurden fast ausschließlich baufällige Teile niedergerissen, kontaminierte Erde gereinigt und unglaubliche Mengen an Trümmern beseitigt. Dabei helfen auch Menschen aus der angrenzenden Nachbarschaft, die von Arte Express eingestellt wurden. Die Suche nach Investoren und zukünftigen Mietern wie kleinen Manufakturen geht weiter. Man braucht eine enorme Vorstellungskraft und muss absurd optimistisch sein, um sich statt dieser Hülle voll mit Schrott einen dynamischen Stadtteil vorzustellen. Aber man möchte so gerne an eine positive Zukunft glauben. Eine, die auch Happy Endings für diejenigen hat, die die letzten Jahre und Jahrzehnte kaum Chancen im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld von Detroit hatten.