America the Beautiful !

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Hi there!

„We“ are back to school! Nach einem zusätzlichen Jahr Schonfrist war es diese Woche unvermeidlich: mein „kleiner“ Junge ist „off to Middle School“, oder „Junior High“, wie sie in anderen Staaten heißt. Vor genau 3 Jahren stieg ein 8-jähriger (der kaum ein Wort Englisch sprach) noch etwas verzagt zum ersten Mal in den großen gelben Schulbus. An diesem Dienstag Morgen brauste ein selbstbewusster 11-jähriger (English: fluently), dem ein Foto beim Einsteigen in den Bus zu uncool war, davon. Time flies! Hinter liegt ein heißer, schöner Sommer mit Besuchen von Familie und Freunden aus Deutschland, zwei langen Wochenenden am Lake Michigan (my happy place!) und einer Reise in den Westen der USA.

America the Beautiful! So ist es auf dem Jahrespass des „National Park Service“ zu lesen. Die Amerikaner neigen ja an vielen Stellen zu blumigen Worten und benutzen gerne Superlative. Aber in diesem Fall ist die Wirklichkeit noch viel schöner und großartiger, als es das kreativste Marketingversprechen ausdrücken könnte. Der am 25. August 1916 von Präsident Wilson gegründete „National Park Service“ schützt  seit 100 Jahren Amerikas‘ Naturwunder und das historische Erbe des Landes. Grund zum Feiern! 2016 gehören 413 Anlagen (59 Nationalparks, 354 Wälder, Monumente, Historische Gedenkstätten, Naturparks, Flüsse und Küstenstreifen) zu seinen Kronjuwelen und werden für zukünftige Generation bewahrt. Als die ersten weißen Pioniere in den Westen des Landes vordrangen, stießen sie auf atemberaubende, nie zuvor gesehene Landschaften. Einige dieser „Entdecker“ hatten glücklicherweise früh die Weitsicht, das diese einzigartigen Orte und spektakulären Wunder der Natur vor unkontrollierter Entwicklung in ihrer Gänze geschützt werden müssen. Außerdem sollten sie für jeden, der sich daran erfreuen wollte, zugänglich sein. Happy Birthday – was für eine weise, vorausschauende Idee!

44 Jahre bevor die staatliche Organisation „National Park Service“ die Aufgabe übernahm, diese Orte zu managen, wurde 1872 im damaligen Wyoming Territory bereits der „Yellowstone National Park“ von President Grant zum ersten Nationalpark der USA erklärt. Der älteste Park ist ein geologisches Wunderland mit unvergleichlichen Schätzen. Was für eine einmalige Show, die Mutter Natur dort präsentiert. Da fühlt man sich plötzlich ganz klein und möchte sich demütig verbeugen.

„No matter what brought you to Yellowstone – wildlife, geysers, scenery. It’s the volcano that effects everything you see.“

Der Yellowstone National Park ist nicht nur der älteste Nationalpark der USA, er ist auch der explosivste. Ein sogenannter „Supervulkan“, der sich auf einer Kontinentalplatte befindet. Besonders sein letzter massiver Ausbruch vor rund 600.000 Jahren hat seine heutige Landschaft massgeblich geprägt, und einen Krater hinterlassen, der sich über ein Viertel der Parkfläche erstreckt. Seine tief unter der Erde liegenden Magmakammern sind verantwortlich für die mehr als 10.000 geothermischen Phänomene, die uns über der Erde beeindrucken. Sprühende Geysire, rauchende „fumeroles“, blubbernde heiße Mineralquellen in allen Regenbogenfarben. Blue Star Springs, Beauty Pool, Morning Glory Pool, Excelsior Geysir, Sunday Geysir, Artist Paint Pot, Crackling Lake, Jupiter’s Cycle, Hurricane Vent … was sich liest wie werbewirksame Namen für Wellness-Anwendungen sind faszinierende geothermische Phänomene. Sie haben mir so manches „wow“ entlockt und ich konnte mich kaum satt sehen an den tollen, teils psychodelischen Farben und bizarren Formen. Besonders am frühen Morgen, wenn sich der Frühnebel über die dampfenden Stellen erhob, erscheinen Teile des Parks wie mystische Märchenlandschaften.

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Überhaupt lautete das Motto: The early bird catches (ok: sees ;-)) the bear! Und: Yes! Wir haben einen Bären gesehen. Sogar zwei. Ein großer Grizzly mit frischer Bisonbeute im Yellowstone Park und einen kleinen Schwarzbären im Grand Teton National Park. Glück gehabt. Wie bei einem Geysir, der nur alle 4 – 5 Tage seine Wasserfontänen in die Höhe spritzt, waren wir zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Geysir-App half da wenig, kein Netz, fast nirgends im Park. Auch mal schön! Ohne Zeitplan und immer präsent sind die weiten, offenen Landschaften, eine reiche Tierwelt (neben Kollege Grizzly und Schwarzbär grast hier die weltweit größte, wilde Büffelherde, Elche, Antilopen, Wölfe), malerische Flusstäler, tiefe Schluchten, steile Wasserfälle, dichte Wälder, unzählige fantastische Wanderwege, erhabene Bergketten, weite Seen und der spektakuläre Grand Canyon of the Yellowstone. Dessen gelbe Felswände gaben dem Yellowstone River seinen Namen. Es ist die unglaubliche Vielfalt dieses riesigen Lebensraumes, die Yellowstone so einmalig unter den Nationalparks macht.

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Thank you Mother Nature! And thank you John Muir! Der schottische Einwanderer und Naturalist setzte sich neben einigen anderen früh für den Erhalt der unberührten Gebiete ein, und gilt heute als Gründervater der amerikanischen Nationalparks. Er hatte den Mut, sich für den Schutz der Natur um ihrer selbst willen einzusetzen. Eine radikale Idee in einer einer Zeit, in der europäische Siedler die Wildnis Nordamerikas für ein neues Leben nutzbar machen wollten.

„Keep close to nature’s heart and break clear away once in a while. Climb a mountain or spend a week in the woods. Wash you spirit clean.“ John Muir

Und auch wenn der schlummernde Vulkan im Yellowstone Park irgendwann erwachen könnte („He may erupt again.“ steht schlicht auf einer Tafel in im Visitor Center des Canyon Village), ich würde jederzeit wieder in diese fantastische magische Naturwelt eintauchen. 

Unsere Reise führte uns anschließend in den ebenfalls wunderschönen „Grand Teton National Park“. Hier dominiert mit der Grand Teton Bergkette eine fantastische Bergwelt mit Gletschern und Seen. Fast ein wenig wie in den Alpen, wenn da nicht auch die weiten freien Flächen vor einem unendlichen Himmel wären. Große Teile des heutigen Parklandes wurden übrigens von dem New Yorker Geschäftsmann und Naturliebhaber Franklin D. Rockefeller erworben, der sie später dem National Park Service stiftete. Die charmante ehemalige Wildweststadt Jackson war Ausgangspunkt für unsere Erkundungen und Wanderungen im Grand Teton National Park. Verdammt viel Natur für ein Stadtmädchen 😉 Letzte Station: Salt Lake City im Mormonenstaat Utah. Hui … darüber muss ich dann mal gesondert berichten. Wenn ich mir all‘ die Broschüren, die mir von den freundlichen unaufdringlich-aufdringlichen Mormonen-Anwerbern in die Hände gedrückt wurden, zu Gemüte geführt habe.

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