52 days to go … a farewell forever

Hi there!

Wie so oft rücken manche Ereignisse die eigenen Befindlichkeiten in die richtige Perspektive. Während ich hier so manches Abschiedstränchen weine, haben Menschen Abschiede ganz anderer Art zu bewältigen. Seit Anfang Mai spukt einer der aktivsten Vulkane der Welt, der Kilauea auf Big Island, Hawaii, Lava aus seinem Krater und aus Erdspalten. Wie alle anderen Naturkatastrophen erleben wir diese Ereignisse quasi live über die verschiedensten Kanäle mit. Die betroffenen Menschen tun uns über die Entfernung leid. Kurze Zeit später überschatten jedoch meist die nächsten Katastrophen das Ereignis, und ohne eine persönliche Betroffenheit bleiben die Dinge sehr abstrakt. Anders, wenn man Ort oder Menschen persönlich kennt.

Von den Auswirkungen des Vulkanausbruchs war und ist hauptsächlich die Nachbarschaft „Leilani Estates“ in der Region Puna im Osten von Big Island betroffen. Und genau in dieser Neighborhood haben wir während unserer Hawaii Reise vor 2 Jahren einige Nächte in dem Bed & Breakfast „Hale Moana“ verbracht. Die deutsche Besitzerin wurde mit ihren zwei Kindern evakuiert und lebt seitdem in einer Ferienwohnung weit genug weg von Lavaflüssen und giftigen Dämpfen, die aus den aufbrechenden Erdspalten austreten. Bis zuletzt hatte die allein erziehende Mutter und ihre zwei Teenager gehofft, das ihr Haus verschont und sie irgendwann dorthin zurückkehren könnten. Diese Hoffnung wurde am vorletzten Montag zunichte gemacht. Das Haus fing aufgrund der entweichenden Methangase Feuer und brannte komplett nieder. Es war nicht wie erwartet die Lava, die auch mittlerweile die Straße erreicht hatte, wo bis vor kurzem das gemütliche Bed & Breakfast mit seinem herrlich grünen und exotisch blühenden Garten Gäste aus aller Welt empfing.

Sie habe noch Glück gehabt, sagt Petra, die aus ihrem persönlichen Paradies, das 20 Jahre lang ihr Zuhause war, vertrieben wurde. Sie konnte fast alle ihre persönlichen Dinge aus dem Haus retten, bevor das Feuer kam. Sie ist mit ihren Kindern an einem sicheren Ort, an dem sie vorerst bleiben kann.

Noch am 19. Mai hatte sie hoffnungsvoll den Rasen gemäht. Eine Woche später war sie wieder im Haus, um die noch verbleibenden Sachen zu holen. „It felt like it’s spirit und soul had left already, it was merely a shell. 12 hours later all was gone,“ schreibt sie in einem ihrer regelmäßigen Updates. Sie habe mit diesem Lebensabschnitt abgeschlossen und schaue nun, trotz aller Trauer über das Verlorene, nach vorne. Im Vertrauen darauf, dass sich neue Türen öffnen und neue Chancen ergeben werden. Wow. Ich bin sehr beeindruckt von dieser Stärke. Das Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse fällt mir ein. „… Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginn, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. …“

Wenn das mal nur so einfach wäre. Wir erinnern uns trotz der vielen Regenstunden dieser Tage besonders gerne an unseren Aufenthalt im „Hale Moana“. An die singenden Frösche im Garten, die persönliche Atmosphäre, die köstlichen Bananen-Pancakes zum Frühstück, die Gastfreundschaft der Familie, die wertvollen Tipps für die Erkundung der Region. Petra hat eine Crowdfunding Seite eingerichtet, über die sie viel Unterstützung von Freunden und Gästen erfährt.

„We will be ok“, schreibt sie voller Zuversicht in ihrem letzten Update. Der vielzitierte „Aloha Spirit“ ist ihr, die in der Region bleiben möchte, wohl nicht verloren gegangen. „Aloha“ sagt man auf Hawaii nicht nur zur Begrüßung, auch zum Abschied.