Mexiko

Mexiko – now & then

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Hi there!

Draußen fegt Wintersturm „Mateo“ und verwandet Michigan wieder in ein Winter Wonderland. „Wie schön“, „Wir wollen auch Schnee“ … ich höre Euch! Und wir haben ja auch viele traumhafte Tage hier. Aber die gibt es nicht ohne schaufeln, kalte Finger, eisigen Ostwind, Autoscheiben kratzen, … hatte ich „schaufeln“ erwähnt? Von letzterem machen wir gerade Pause. Die Schulen sind dicht und Mann arbeitet von zuhause.

Da träumt man schon mal gerne von warmen, sonnigen Kurzarm-Tagen. Wie kürzlich in Mexiko. Da sind wir im dichten Schneetreiben in Detroit abgehoben und 30 Grad später in Cancun gelandet. Ja, erwischt … wir sind „fremdgegangen“. Bis auf den Besuch der Niagarafälle (kanadische Seite) haben wir unsere „Reise-Pins“ ausschließlich in US-Bundesstaaten gesteckt. Aber wir wollten Sonne. Außerhalb Floridas und Kaliforniens. Außerdem fanden wir die Aussicht auf einen „trip down memory lane“ reizvoll. Vor genau 20 Jahren hatten wir die Halbinsel Yucatán schon einmal bereist. Was hat sich verändert, wo ist die Zeit vielleicht stehen geblieben? Zwei der Unterkünfte von damals gab es noch. Gebucht! Neu: Mietwagen und Reisekoffer statt Rucksack und Linienbus. 😉

Erste Station: Chichén Itzá – eine der großen Ausgrabungsstätten von Yucatán. 1894 erwirbt der amerikanische Diplomat Edward Thompson eine Hazienda aus der spanischen Kolonialzeit, auf deren Gelände die Maya-Stadt Chichén Itzá liegt. Er forscht hier, bis das Carnegie-Institut 1924 zusammen mit mexikanischen Regierungsstellen die Ausgrabungen fortsetzt. Als Edward Thompson 1935 stirbt, verkaufen seine Erben die Hazienda an eine yukatekische Familie, die hier bis heute zwei Hotels betreibt. Der Teil des Geländes, auf dem die wichtigsten Ruinen der ehemaligen Maya-Stadt liegen, wurden zwar schon lange zur archäologischen Stätte erklärt, aber erst im März 2010 an den Staat Yucatán verkauft.

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Die Bungalows der Hazienda, auf der wir übernachten, dienten Edward Thompson und seinen Archäologen während der Ausgrabungen als Unterkunft. Das fanden wir schon damals sehr besonders. Diesmal beziehen wir Quartier in „Edward Thompsons Guest House“. Und genauso fühlt man sich auch: als Privatgast, der inmitten eines grünen Dschungel-Gartens zu Besuch ist. Damals wie heute. Als wäre die Zeit stehen geblieben. Vor allem am frühen Morgen hat dieser Flecken Erde etwas magisches. Fröhliches Vögelgezwitscher, üppiges Grün, bunte Blüten, Ruinen-Relikte aus der Maya-Zeit. Die Hazienda ist immer noch im Familienbesitz und hat sich einem nachhaltigen Tourismus verschrieben. Im Restaurant gibt es Gemüse aus dem eigenen Biogarten, eine ökologische Wasseraufbereitung-Anlage sorgt für sauberes Wasser, Möbel werden vor Ort aus recycelten Materialien gebaut, es gibt Job-Programme für junge Menschen aus der Umgebung.

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In die archäologische Zone gelangt man durch einen „geheimen“ Eingang direkt vom Hotelgarten aus. Morgens wird ein junger Mitarbeiter zum Haupteingang geschickt, um Tickets für die Hotelgäste zu kaufen. Als der junge Mann im traditionellen Leinenhemd mit den Tickets in der einen Hand auf seinem Fahrrad um die Ecke flitzt, musste ich mich mal kurz kneifen. Entweder war das hier eine Filmkulisse (Traumschiff macht Landausflug) oder wir waren wirklich aus der Zeit gefallen. Das Gefühl hielt noch ein wenig an, denn mit einer Handvoll weiterer Hotelgäste spazierten wir anfangs fast alleine zwischen den beeindruckenden Ruinen auf dem weitläufigen Gelände herum.

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Zwischen den Mays Ruinen und unserer zweiten Station am Karibikstrand der Riviera Maya liegen zwei Autostunden Landstraße. Und schockierend viel Armut in den Dörfern, die wir passieren. Irgendwie waren wir naiverweise davon ausgegangen, dass sich hier in den letzten zwei Jahrzehnten mehr entwickelt hätte. Das sich die Lebensbedingungen der Menschen deutlich verbessert hätten, sich der Müll nicht an jeder Straßenecke stapeln würde, dass es mehr „gute“ Jobs geben würde, und weniger Menschen, die nur vom Verkauf billiger Souvenirs an Touristen leben müssten. Aber leider ist das nicht so. Nicht auf der Halbinsel Yucatán, wo der Tourismus eigentlich eine Menge Geld hinein spült. Vermutlich profitieren nur einige wenige von den Dollars und Euros der Touristen. Was ist zwischen Hochkultur (ich staune auch nach 20 Jahren darüber, was für ein architektonisches Meisterwerk die großen Pyramide von Chichén Itzá ist) und dem Bildungswesen von heute schief gelaufen? Ein Kellner in unserem kleinen Hotel am Strand gibt uns einen Teil der Antwort darauf. Er spricht mittelmässig Englisch und erzählt, dass er aus einem kleinen Dorf (nur eine Autostunde landeinwärts) stamme und seine Eltern nur „Maya“ sprechen. Er habe Glück gehabt und in der Schule Spanisch (die Amtssprache Mexikos!!!) gelernt, und ein wenig Englisch.

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Ach ja, wir sind dort angekommen, wo sich alles deutlich stärker verändert hat, als auf der verträumten Hazienda. In Tulum bzw. in der „Hotel-Zone“ Tulums, wie der Küstenabschnitt, der sich vom kleinen Städtchen Tulum ca. 10 km Richtung Süden bis zum Eingang des Naturreservats Sian Ka’an erstreckt, heute genannt wird. Hier ist fast nichts mehr wie bei unserem letzten Besuch. Wo es vor 20 Jahren nur eine Handvoll kleinerer Resorts und einige Tipis am Stand gab, reiht sich heute ein Boutique-Hotel ans andere. Leider konnte die Infrastruktur mit dem rasanten Wachstum nicht mithalten. Die Straße ist nur notdürftig ausgebaut, viel zu schmal für den nun herrschenden Verkehr. Es gibt keine Stromleitung. Was dazu führt, dass die meisten Hotels 24 Stunden lang Dieselgeneratoren betreiben. Es existiert keine Kanalisation und sehr offensichtlich auch kein funktionierendes Abfallsystem. Das alles spielt sich vor den Eingängen der als „eco-friendly“ beworbenen Boutique-Hotels, den Gesundheit suggerierenden „farm-to-table“ Restaurants und den grünen Spas ab. Tulum hat sich den Anstrich eines eco-chic Paradieses gegeben. Authentisch, nachhaltig, im Einklang mit der Natur will es sich abheben vom „all inclusive“ Pauschaltourismus der großen Hotels in Playa del Carmen und Cancun.

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Sicher, die Hotels sind allesamt relativ klein und sehr schön gestaltet. Meist jedoch zwei Tack zu schön, zu stylisch, zu gewollt, zu inszeniert. Aber irgendwie passt es zur illustren Gästeschar, die nicht über sich hinweg kommt. Walla-Walla Strandkleider, Mala-Ketten, jede Menge Hipster-Bärte. Dazu grüne Smoothiees und vegane Powerbowls zum Frühstück (aber bitte erst nach der Awakening Ceremony), Tribal Partys und Full Moon Sessions am Abend. Schicker Urlaubs-Lifestyle mit Yoga Vibes für Großstadt Hippies. Während sich auf der Straßenseite eine ökologischen Katastrophe abspielt und meerseitig das zweitgrößte Riff der Welt langsam ausbleicht.

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Wir lernen, dass unser Hotel heute eines der ältesten in der Hotel-Zone Tulums ist. Ein Fels in der Brandung mit dem treffenden Namen „versteckter Stein“. Einen deutschen Fliesenleger würde man verklagen, hier wirken die krumm und schief angebrachten Kacheln irgendwie charmant. Das Zimmer hat weder Kühlschrank noch TV, einen Föhn darf man nicht betreiben. Dafür wird der Laden ausschließlich mit Sonnen- und Windenergie (und Gas zum Kochen) betrieben. Kein lauter Generator, der Diesel-Abgase in die klare Luft bläst. Mädels: wind-geföhnt spart viel Zeit! Und tut gar nicht weh. Wer hätte das gedacht? Stylen war auch nicht nötig, denn es ging prima entspannt in der kleinen Bucht zu. Keine oooms, keine Erleuchtungs-Partys, kein Wellness Gesummsel … nur Flip Flops zwischen Zimmer, Strand und Restaurant. Dazu leckere Tacos, Margaritas, Meszcal und Sopa de Lima. Trotzdem bleibt das ungute Gefühl, dass so einiges nicht richtig läuft im karibischen Urlaubsparadies.

Darüber nachdenkend mache ich hier einen Punkt. Schwinge ein weiteres Mal die Schneeschaufel und hoffe darauf, dass Frau Holle es irgendwann heute gut sein lässt. Schließlich wollen wir noch ins Brauhaus. Das ein oder andere „Kölsch-style“ Bier mit unseren amerikanischen Freunden, die fünf Jahre in Köln gelebt und gefeiert haben, trinken. Morgen steigt dann an der Deutschen Schule eine Party. Alaaf!!! Nach Köln und in den Rest der Welt.

 

 

Countdown to Christmas …

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Ho ho ho – geschafft! Bald ist Bescherung! Habt alle einen wunderbaren Abend unterm‘ Baum … wir treffen uns hier im neuen Jahr wieder!
Merry, merry!

Grenzgänger

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Jeder hat ja so Orte, die er aus Romanen oder aus dem Fernsehen kennt, und die er gerne mal live sehen und erleben möchte. Bei mir waren das der Besuch von Coney Island (im Sommer 2014 abgehakt) und einmal von Kalifornien aus zu Fuß über die Grenze nach Tijuana, Mexiko gehen. Die Chance kam dann im letzten Winter, als wir in San Diego waren. Der letzte amerikanische Ort vor der Grenze heißt San Ysidro. Hier gibt es einen riesigen, bewachten Parkplatz für Grenzgänger wie uns. Auf der Brücke Richtung Grenze kamen uns schwer bewaffnete amerikanische Border Patrols entgegen, offenbar Schichtwechsel. Der Grenzübertritt nach Mexiko ist total unspektakulär. Man geht durch ein Drehkreuz und ist ohne Passkontrolle „drüben“.

Nach dem wir die ersten Straßenverkäufer und Taxifahrer hinter uns gelassen haben, werben unzählige Apotheken (cheap Viagra) und Zahnkliniken auf dem Weg ins Stadtzentrum um Kunden. Schnell ist klar: das hier ist eine andere Welt. Wir haben das schicke südkalifornische San Diego hinter uns gelassen und sind eingetaucht in die schmuddelige, ärmliche, laute, aber auch kunterbunte Welt der mexikanischen Grenzstadt Tijuana. Alle paar Meter werden uns Schmuck, Taschen und sonstige Souvenirs angeboten, am liebsten natürlich gegen US-Dollar. Die Avenida Revolución im Zentrum ist gesäumt von Restaurants, Spielhöllen und fliegenden Händlern. Man sieht aber auch viele Menschen, die auf etwas warten. Viele sind hier gestrandet, träumen von einem besseren Leben jenseits des Grenzzauns. Wir kaufen das ein oder andere Armband. An den Frida Kahlo Taschen kann ich auch nicht vorbei gehen. Es macht traurig, in vielen Gesichtern Hoffnungslosigkeit zu sehen, während man sich selbst wieder auf den Weg zurück ins wohlhabende Amerika machen kann.

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Für die Wiedereinreise in die USA heißt es Schlange stehen. Obwohl wir unsere Reispässe mit den gültigen Visas natürlich dabei haben, bin ich nervös. Und als wir dann nach gut einer Stunde vor dem Grenzbeamten stehen, versteht der es, meinen Herzschlag noch etwas zu beschleunigen. Zunächst möchte er, nachdem er unsere deutschen Pässe aufgeschlagen hat, eine Diskussion über die Flüchtlingspolitik Deutschlands anfangen. Das bekommen wir diplomatisch lächelnd aus dem Weg. Dann schaut er uns eindringlich an und sagt: „Oh, you are a US visa holder.“ Ach du Schreck, durften wir damit etwa nicht mal kurz nach Mexiko ausreisen? Im nächsten Augenblick knallt er aber seinen Stempel in den Paß und wünscht uns noch einen guten Tag. Welcome back to the US, puh!

Jetzt wissen wir ja, wie es geht … Hasta la vista!