56 days to go … „Home state“ Texas

Hi there!

Als ich das erste Mal in die USA flog, war ich 18 Jahre alt, hatte gerade mein Abi in der Tasche und wollte „große weite Welt“ Luft schnuppern. Und so landete ich im Juni 1986 als Au-Pair in Houston, Texas. Damals wusste ich noch nicht, dass mich mit meiner Gastfamilie eine lebenslange Freundschaft verbinden würde. Meine Gastgeschwister waren bei meiner Ankunft 5, 7 und 10 Jahre alt. Heute haben sie eigene Familien und im Laufe der Jahre haben meine Gasteltern 8 Enkelkinder bekommen. Das achte und vermutlich letzte wurde Anfang diesen Jahres geboren.

Vor über 30 Jahren als junge Erwachsene hatte ich so manches Mal Heimweh, vor allem nach meiner Familie und meinen Freunden. Man konnte ja nicht mal eben per FaceTime anrufen oder schnell eine whats app versenden. Telefonieren war irre teuer. Bei 50 Dollar wöchentlichem Taschengeld überlegt man sich genau, was man in den wenigen teuren Telefonminuten sagen möchte. Zum Glück gab es R-Gespräche 😉 Und natürlich old school snail mail. Um die Mittagszeit, wenn ich das Postauto seine Runde machte, ging mein Blick sehnsüchtig zur Mailbox. Es war immer ein kleines Fest, wenn ein Brief, eine Postkarte oder gar ein kleines Päckchen an mich adressiert in der Box lag. Ich habe damals alle bunten Karten und Umschläge wie einen kleinen Schatz in einem liebevoll beklebten Schuhkarton gesammelt. Wahrscheinlich ein Grund, warum ich immer noch so gerne richtige Post bekomme und auch gerne welche verschicke. Vor einigen Jahren habe ich mit einer kanadischen Freundin eine Brieffreundschaft begonnen. So richtig mit Papier und Stift.

In diesem Jahr Houston habe ich nicht nur Englisch gelernt, sondern auch meine erste Erfahrungen mit dem American way of life gemacht. Das morgendliches Pancake flippen wurde genauso zur Routine wie das „überall mit dem Auto“ hinfahren und das ständige Frieren in Einkaufszentren oder Restaurants. Meine Beine habe ich zum ersten Mal in Houston rasiert, weil das bereits jedes amerikanische Mädchen so macht. Ich habe täglich Cola in Dosen getrunken, weil ich es cool fand. Dazu Unmengen Eistee (klar mit Unmengen Eis), bis mir klar wurde, dass mein schlechter Schlaf irgendetwas damit zu tun haben könnte. Ich bin staunend und mit großen Augen und nie nachlassender Begeisterung die Gänge der amerikanischen Drugstores und Targets abgelaufen. Wie Alice im Wunderland … Britta im Lone Star State. Ich konnte nicht fassen, wie viele Highways diese Stadt durchliefen. Oder, wieviel Land es gab. Meine Gastfamilie besitzt außerhalb von Houston eine Ranch. Als sie mich dorthin zum ersten Mal mitnahmen, war ich überwältigt. Ich dachte, das Dorf, in dem ich in Deutschland aufgewachsen bin, passt locker auf diese gigantische Fläche. Das war natürlich nicht so, aber gefühlt konnte ich kaum glauben, dass eine Familie so viel Land (mit einem Fluß drauf) einfach nur so besitzt. Schon, es gibt dort ein paar Kühe und ein Maisfeld, aber sie ernährt niemanden.

Die fünf Jahre Michigan haben uns vergleichsweise nah an Texas herangebracht, 3 Flugstunden von Detroit. Wir haben zwei Weihnachtsfeste mit der großen Familie dort gefeiert und verschiedene anderer Gelegenheiten zum Besuch genutzt. Meine Gasteltern haben uns einige Male in Michigan besucht. Unser vorerst letzter Besuch liegt keine vier Wochen zurück. Abschied nehmen war das. Zumindest bis auf weiteres. Besonders mit meiner Gastmutter und Gastschwester bin ich sehr eng. Auch unser Sohn fühlt sich in Houston zuhause. Mit fünf haben wir ihn zum ersten Mal mitgenommen. Im Kreise der Enkelkinder ist er der Cousin aus Deutschland. Ich bin dankbar für diese lange transatlantische Freundschaft. Und entsprechend tränenreich war der Abschied am Flughafen. Der erste von vielen weiteren, die folgen werden. I guess that’s part of the process.