10 days to go … Climate change is real


Hi there!

Der kleine Shuttle-Bus, der uns zum „Exit Glacier“ bringt, stoppt kurz. „Hier hätten wir im Jahre 1815 vor einer Wand aus Eis gestanden“, erklärt unsere Fahrerin. Das erste Jahres-Schild, das den Rückgang des Gletschers seit Ende der kleinen Eiszeit vor über 200 Jahren markiert. Ab einer kleinen Ranger-Station geht es zu Fuß weiter. Weitere Jahreszahlen-Schilder stehen als stumme Zeugen entlang des Weges bis zum Gletscher-Rand. In den letzten 15 Jahren schrumpfte des Exit Gletscher fast doppelt so schnell, als in über 100 Jahren zuvor zusammen. Der Klimawandel trägt dazu bei, dass auch die anderen Gletscher Alaskas immer schneller abschmelzen. Traurige Rekorde.

Der Exit Glacier wird vom „Harding Icefield“, dem größten der letzten vier Eisfelder der USA, gespeist. Seinen Namen erhielt er, weil er bei der ersten aufgezeichneten Überquerung des Harding Eisfeldes 1968 als Ausgang diente. Das 780 Quadratkilometer große Eisfeld liegt wie eine gigantische Decke aus Schnee und Eis über 40 Gletschern, die von dem Eisfeld in alle Richtungen abgehen und von ihm genährt werden. „Jeden Winter fällt zwar neuer Schnee auf das Feld. Aber leider schmilzt das Eis aufgrund der steigenden Temperaturen schneller, als der Schnee Nachschub liefern kann,“ erklärt uns der Park-Ranger.

Im Sommer 2015 besuchte Barack Obama die Region auf der Kenai Halbinsel und ließ sich auch zu den Gletschern im Kenai Fjord fahren. „Das ist spektakulär. Das müssen wir für unsere Enkel erhalten“, sagte er anläßlich seines Besuches. Das scheint Lichtjahre her. Erst im letzten Jahr ist die aktuelle US-Regierung aus dem Pariser Klimaschutz-Abkommen ausgestiegen. Gesetze zum Umweltschutz wurden aufgeweicht oder abgeschafft. Das „Der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen“-Geschrei versucht lauthals die eindeutigen Warnungen von Klimaforschern zu übertönen. Auch der Park-Ranger wird deutlich, nennt Fakten und Ursachen für die offensichtlichen Veränderungen. „The only good news is: we caused it, but we can do something against it. We can reduce our individual ecological footprints“, sagt er und nennt ein paar einfache Beispiele: „Use more often public transportation, travel with a refillable water bottle, carry your reusable bags to the store, and … vote for the right people.“ YES!!!

Zum ersten Mal Gletscher so hautnah zu erleben, gehörte zu den eindrucksvollsten Erlebnissen unserer Reise. Neben dem Exit Glacier (einer der wenigen, die man überhaupt zu Fuß erreichen kann) haben wir sogenannte Tidewater-Gletscher im Kenai Fjord und im Prince William Sound gesehen. Das Wetter war an diesem Tag noch nicht mal schön. Trotzdem stockte mir fast der Atem, als wir uns dem ersten großen Gletscher im Prince William Sound näherten. Die unwirklichen Farben (die bei bewölktem Wetter besonders intensiv erscheinen, wie uns eine alaskanische Fotografin aufklärte), die fantastischen Formen der Eisblöcke, die dramatische Art, wie er sich der Gletscher groß und mächtig direkt vor unseren Augen ins Wasser „ergießt“. Wir haben diese Tour mit einem kleinen Boot gemacht. Eine ganze Weile dümpelten wir in den ruhigen Gewässern vor dem „Surprise Glacier“ und lauschten andächtig dem Knacken des Eises. Mehrfach durften wir das spektakuläre Schauspiel eines kalbenden Gletschers erleben. Wahnsinn, wenn hunderte von Jahren alte Eis mit einem Krachen ins Wasser stürzt.

So fantastisch diese Wunder von Mutter Natur auch sind, so schockierend ist es, mit eigenen Augen ihre offensichtliche Zerstörung zu sehen. Da der Klimawandel nur global wirksam bekämpft werden kann, macht es einen umso wütender, dass viele wesentliche Entscheidungsträger so wenig achtsam mit unserem blauen Planeten umgehen.