Michigan

Keep calm and camp on

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Hi there, hello summer!

Sommerloch? Nein, nein, es geht ja schon weiter hier auf dem Blog … mit der Aufarbeitung unserer Westküsten-Reise, kleine Geschichten von Seattle bis San Francisco. Aber zunächst mein aktuellstes Erlebnis aus der Kategorie „amerikanische Sommer-Traditionen“. Lange bevor der letzte Schultag Mitte Juni naht, werden die drei Monate Ferien von amerikanischen Eltern verplant. Ein wenig Reisen vielleicht (aber nie über 10 Tage), Familienbesuche (großes Land, Familie oft weit verstreut) und – ganz wichtig: Sommercamps für den Nachwuchs.

Lagerfeuer, S’Mores (genau: geröstete Marschmallows zwischen Graham-Crackern und Schokolade – süß, klebrig, ungesund, aber saulecker), rustikale Hütten, Pfadfinder-Romantik … die Tradition der amerikanischen Sommercamps reicht ins vorletzte Jahrhundert zurück, als um 1870/80 die ersten Camps einen Gegenpol zum „modernen“ städtischen Leben bieten sollten. Was für „boys only“ mit zum Teil strengen Ritualen begann, um die heranwachsenden Jungs zu harten Männern zu machen, sind heute Spaß-Ferienlager für Jungs und Mädchen vom Kindergartenkind bis zum Teenager. Ein Gegenentwurf zum zunehmend komplexeren, Technik- und Medien orientierten Lebensstil unserer Zeit. Über 8000 Camps gibt es heute zwischen Ost- und Westküste. Viele davon mit langer Tradition, oft verbrachten schon die Eltern oder gar Großeltern ihre Sommer dort. Die Grundideen sind geblieben: Raus in die Natur! In eine rustikale Umgebung, abseits der Routinen und Ablenkungen unseres modernen, hektischen Alltags. Weg von Mama und Papa, eine Zeit lang nur auf seine eigenen Instinkte und Fähigkeiten vertrauen. Eine geschützte Umgebung, in der man Selbstbewusstsein, Teamgeist, Durchsetzungsvermögen, Unabhängigkeit üben kann. In der man neue Freundschaften schließt und sich mehr um seine Camp-Buddies persönlich, als um seinen letzten Snapchat-Post kümmert. Kein Handy, kein iPad, keine Spielekonsole. Nichts, was ablenkt … zurück geworfen auf sich selbst und die Gemeinschaft der Gruppe. Mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten der Mit-Camper umgehen. Konflikte konstruktiv lösen lernen … eine Fähigkeit, die heute vielleicht wichtiger als so manche Eins in Mathe ist.

Amerikanische Eltern trauen ihren Kindern nach meinen Beoachtungen oft zu wenig zu. Stattdessen organisieren sie das komplette Leben ihrer Sprößlinge für sie, beschäftigen und bespaßen sie rund um die Uhr. Jeder Pinselstrich ist „awesome“. Bloß keine Kritik, kein böses Wort. In dieser weichgespülten Welt wachsen die Kinder oft wenig selbständig heran, unfähig eigene Entscheidungen zu treffen oder mit Kritik umzugehen. Adressiere ich hier in meiner eher direkten (deutschen) Art Kritik an einer Dienstleitung, wird entsetzt gezuckt, der Manager gerufen oder sofort eine Wiedergutmachung angeboten. In jedem Falle fühlt sich die Person immer direkt persönlich angegriffen. Der Amerikaner an sich kritisiert eigentlich nicht … everything is awesome, everything is cool, jederzeit. Ende des gesellschaftskulturellen Exkurses. Zurück zum Camper-Leben.

Diesen Sommer sind wir (bzw. unser 12-jähriger) nämlich mit einer Woche live dabei. Oha! Große Aufregung – auf Seiten des Campers und der Camp-Eltern (genauer gesagt bei der Camp-Mom ;-)) Es gibt Packlisten („what to pack“ / „what not to pack“) abzuarbeiten, bevor wir mit einer schweren Kiste und einer extra Tasche für Schlafsack und Co. Richtung Norden starten. Dahin, wo es immer grüner wird, die Nadelbaum-Dichte zunimmt und es viel weites Land gibt. „In the middle of nowhere“ bekommt mal wieder eine neue Bedeutung.

Kurz vor Ziel biegt die Hauptstraße auf einen Schotterweg ab und dann direkt hinein in den Wald. Die einfahrenden Autos werden von jubelnden, singenden und tanzenden Camp-Betreuern begrüßt. Ups, sind wir hier richtig? Oder vielleicht doch in Disneyland? „Welcome to Camp“, „Welcome to your best week of the summer“ wird uns entgegengerufen, Hände abgeklatscht. Only in America: Stau im Wald. Dort, wo sich den Rest des Jahres eher Maus und Feldhase Gute Nacht sagen, brummt es in den Sommerwochen, besonders an den Sonntagen. It’s Opening Day!

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Alles ist so perfekt organisiert, als würde man für eine Kreuzfahrt oder in ein All Inclusive Resort einchecken. Erste Station: Gepäck abladen (Rucksack selber tragen war gestern). Weiter, Auto parken. Dann zur Registrierung und Medikamenten-Abgabe. Hier teilt sich der Camper Strom zunächst: with/without medication. Der Läuse-Check ist dann wieder für alle. Keine Laus gefunden, ab in die bereit stehende Tram. Fühle mich wie der Tourist, der ich nie sein will. „Und hier rechts ist das ehemalige Haupthaus der Fischaufzuchtstation“, „Zur linken einer unserer Klettertürme“, „Nun halten wir am Trappers Outpost … steigt jemand hier aus?“ … Ok, dann weiter zu den norwegischen Cabins, ins Pioneer Village, zu den Wigwams, ausrangierten Eisenbahnwagons, auf den Bauerhof, ins Safari-Dorf oder zu den Feuerwehrhäusern. Sogar ein ausgemustertes Flugzeug (war schon in Vietnam und Korea) dient als originelle (?) Unterkunft für Teenager.

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So lernen wir auf dem Weg zur zugewiesenen Camp-Location einen Teil des riesigen Geländes kennen. Das Areal war in seinem früheren Leben eine Fischzucht mit mehreren Teichen. Wo vor 1969 Fische in aller Ruhe heranwuchsen, befindet sich jetzt ein gigantischer Outdoor Spielplatz für amerikanische Mittelstandskinder. Erinnert sich noch jemand an „Spiel ohne Grenzen“? Genau!

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Ich muss sagen, ich bin total überwältigt und hatte mir das alles etwas anders vorgestellt. Nicht so extrem professionell, nicht so organisiert … mehr handgemacht, mehr Zeltplatz-Romantik. Naive deutsche Mutti. Stattdessen Kletterwände, Kanu-Stationen, Wassertrampolin, Ziplining, Water Rope Parcoure, Wasserrutschen, Bogenschießen, Reiten, Paintball, Wasserski, Streichelzoo für die Kleinen … und, und, und.

Noch einmal fällt mir die Kinnlade runter, als ich die Kisten für die Camper-Post sehe. Unsere fünf normalen Briefumschläge (Karte, Mini-Süßigkeit) passen locker in meine Handtasche. Eltern schleppen da aber ganze Pakete und Überraschungstüten an. Da wird die Enttäuschung für einen deutschen Jungen groß sein, wenn die Post nach dem Abendessen ausgeteilt wird. Zum Glück gibt es den Merchandise Store, da kann er sich zum Trost ein T-Shirt oder eine Trinkflasche (mit Camp-Branding versteht sich) kaufen. Jetzt weiß ich auch, wofür die 30 Dollar, die am Ende des online Anmeldeverfahrens zur Gesamtsumme addiert wurden, sind. Das ist quasi die prepaid Kreditkarte für das moderne Summer Camp Kid.

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Aber eines ist auch sicher: safety first! In den fast täglichen Mails zwei Wochen vor Camp-Beginn wird ausführlichst beschrieben, wie die Betreuer ausgewählt und geschult werden … außerdem gibt es natürlich eine Schar von Lifeguards an den Teichen, Arzt vor Ort und einen Helikopter Landeplatz.

L1170541Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, mit welchen Geschichten und Erinnerungen mein kleiner Camper nach Hause kommt. Neben Mückenstichen, aufgeschrammten Knien und neuen Freundschaften … aber bestimmt hundemüde und überglücklich. Während ich diesen Beitrag schreibe, wurden in Michigan’s Norden die ersten Fotos auf die Camp-Webseite geladen. Mir lacht ein Happy Camper (mit Schwimmweste versteht sich) beim Sprung von einem Blob (eine Art Trampolin auf dem Wasser) entgegen. Keep calm and camp on.

 

 

Ann Arbor – how are you?

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„When I arrived in 1934, at the bottom of the Depression, I fell in love with the place, as groggy as I was from the bus ride, because I was out of the warehouse at last and at least formally part of a beautiful town, the college town of Ann Arbor.“ (Arthur Miller)

Hi there!

Wie versprochen: Ann Arbor! Für den Schriftsteller Arthur Miller, der als Student der University of Michigan einige Jahre in Ann Arbor lebte, war es Liebe auf den ersten Blick. Für mich eher eine auf den zweiten oder dritten Blick. Letzte Woche vor genau drei Jahren fand meine erste Begegnung mit Ann Arbor statt, und es sah erst mal nicht danach aus, als würden wir beide gute Freunde werden. Es war heiß und schwül. Ich mochte das Hotel nicht. Die Klimaanlage war furchtbar laut. Ein Zimmerwechsel machte es nur unwesentlich besser. Also erst mal nach Downtown, soll ja so hübsch sein. An diesem Ankunftstag hätte es mir die malerischste Innenstadt wohl nicht recht machen können. Neun Stunden Flug, Jetlag, Hitze. Fast so schlimm wie Hunger, Pippi, Durst. Und „on top“ die permanente Frage: „How. are. you. doing?“. Schlecht!! Ich sah mein Leben gerade für ein paar Jahre im „fast forward“ Mode an mir vorüber rasen. Meinen 8-Jährigen vom Kind zum Teenager mutieren. Und plötzlich war ich mir alles andere als sicher, ob ich bei der „Mission Michigan“ noch mitmachen wollte. Ganz unglücklich nippte ich auf der belebten Main Street an meinem Getränk. Um uns herum tobte das Leben, Ann Arbor feierte den Sommer. Ein Setting, das ich heute ganz wunderbar finde. Aber an jenem ersten Michigan-Tag war ich kurz davor, dem nächsten, der mir ein „How are you“ entgegen schmetterte, an die Gurgel zu gehen. Umso größer war meine Überraschung, als ich mich einige Monate später „Fine. How are you?“ antworten hörte. Da war ich wohl angekommen. Im Land des zwanglosen Small Talks, in dem es den Fragenden nicht wirklich interessiert, wie es einem geht. Hauptsache, man hat mal drüber gesprochen. Die Steigerung von „how are you?“ ist übrigens „how is your day going so far?“. Gerne zwischen Schinken abschneiden und über die Theke reichen untergebracht. Meine gute Erziehung verbietet mir die Gegenfrage: „was zum Teufel geht dich das denn an?“.

How is Ann Arbor? Ann Arbor ist liberal und weltoffen. Ein bunter Mix verschiedener Kulturen und Nationalitäten. Politisch betrachtet ist Ann Arbor eine demokratische Insel im republikanischen Michigan. Eine Insel, hinter deren Stadtgrenzen erst die amerikanische Wirklichkeit zu beginnen scheint. Fallen in der Stadt die Bernie Sanders Plakate in den Vorgärten ins Auge, weht einige Meilen außerhalb, wo es gleich deutlich ländlicher zugeht, die ein oder andere Südstaaten Flagge. Ann Arbor ist grün, bunt, ein wenig Hippie, viel Yuppie. Die Kleinstadt Oase landet regelmässig auf den vorderen Plätzen, wenn es um Orte mit hoher Lebensqualität und Familienfreundlichkeit geht. Die Innenstadt ist ein gewachsenes Zentrum mit vielen schönen alten Backsteinhäusern, einer lebendigen Gastronomie- und Einzelhandelsszene. Einige Mikrobrauereien brauen hier leckere Biere, auch für verwöhnte deutsche Gaumen. In den Cafés sitzen Studenten mit ihren Laptops. Die kleine Stadt ist an vielen Ecken Großstadt. Und in vielerlei Hinsicht nicht Amerika.

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Gegründet wurde Ann Arbor 1824. Die beiden Gründer benannten Ann Arbor nach ihren Ehefrauen, die beide Ann hießen, und nach den Eichenbaum-Alleen, die auf ihrem neu erworbenen Land standen. Die vielen baumgesäumten Straßen in und rund um Downtown geben Ann Arbor heute den Beinamen „Tree Town“. Außerdem gibt es viele Parks und Grünflächen, Gärten und das bewaldete Ufer entlang des Huron River. Von den 120.000 Einwohnern („Ann Aborites“) sind rund 40.000 Studenten der University of Michigan. Downtown und der zentrale Campus entwickelten sich parallel, so dass es keine direkte Trennung zwischen der Innenstadt und dem Gelände der Universität gibt. Das macht Ann Arbor heute sehr jung und lebendig. Leute, die hier aufgewachsen sind oder schon sehr lange hier leben, nennen sich „townies“. Domino’s Pizza wurde hier gegründet, die Konzernzentrale befindet sich auch heute noch hier. Bob Seger und Iggy Pop wuchsen in Ann Arbor auf. Madonna hat an der University of Michigan studiert, heute ist ihre Tochter hier eingeschrieben. Ann Arbor hat den persönlichen Konsum von Marijuana legalisiert. Seit 1972 findet jeden April das „Hash Bash“ Festival auf dem Gelände der Uni statt. Google’s hoch profitables Programm „AdWords“ sitzt in Ann Arbor. Bei der lokalen Institution „Zingerman’s“, die weit über Ann Arbor für ihr unglaublich leckeren Sandwiches bekannt ist, hat schon President Obama 2014 ein Reuben Sandwich verspeist. Soweit ein paar Ann Arbor „(fun) facts“.

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Die kleine Stadt Ann Arbor und ich –  wir sind heute ganz dicke. Auch wenn es mir nach drei Jahren immer noch so manches Mal unwirklich erscheint, wenn kurz vor dem Abzweig in unsere Neighborhood das Schild „Ramp to Detroit“ in Sicht kommt. Heimatgefühl stellt sich dafür ein, wenn mich der junge Mann am Marktstand meines Vertrauens mit „wie geht es“ begrüsst, oder die Dame an der Supermarktkasse sich nach unserem letzten Urlaub erkundigt. Das ist dann etwas mehr als das allgegenwärtige „how are you“. Aber letztlich, da bin ich einer Telefonstimme voll auf den Leim gegangen, und habe auf die Standardfrage mit einem zwar knappen, aber gutgläubigen „good“ geantwortet. Nach einer unnatürlichen Pause ging das übliche Verkaufsgeblubber vom Band los … reingefallen!

I hope everybody is having a wonderful Sunday! And a fun and safe summer! Wherever you read this!

 

Cereal City

Hi there!

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Wer A sagt, muss auch B sagen. Und weil mir C wie „Cereal“ dazwischen gekommen ist, sage ich nun erst mal B wie „Battle Creek“, bevor es mit A wie „Ann Arbor“ weitergeht. Hä? Also, dann mal der Reihe nach. Ich war letzte Woche (eher zufällig) in Battle Creek, Michigan – das ist 80 Meilen westlich von Ann Arbor. In dieser adretten, aber unscheinbaren Kleinstadt, die an der Bahnlinie zwischen Detroit und Chicago liegt, hat William Keith Kellogg 1894 die berühmten Kellogg’s Corn Flakes erfunden. Vom Kellogg Company Headquarter werden heute über 100 unterschiedliche Kelloggs Produkte in mehr als 180 Länder verkauft. Ich war schon im letzten Jahr auf die Geschichte der Cornflakes aufmerksam geworden, als ich T.C. Boyle’s Roman „Willkommen in Wellville“ las. Sie spielt in Battle Creek und erzählt vom „Battle Creek Sanitarium“(„The San“), dass von dem exzentrischen Dr. James Harvey Kellogg geleitet wurde. Kellogg führte die Klinik für Ernährung nach den Prinzipien der Glaubensgemeinschaft „Seventh-day Adventist“, die eine rein vegetarische Diät und ein striktes Verbot von Alkohol und Tabak propagieren. In dem luxuriösen medizinischen Zentrum wurden die Patienten mit teils skurrilen Methoden auf eine gesündere Ernährungs- und Lebensweise umgestellt. Dr. Kellogg setzte dabei auf Gemüse, Früchte, Nüsse und Getreide, viel frische Luft, Sonne, Bewegung und Entspannung. Der Roman von T.C. Boyle ist zwar Fiktion, ihm liegen jedoch historische Fakten zugrunde. Die Vorgänge im Sanitarium und der Gesundheitswahn von Dr. Kellogg werden von dem amerikanischen Autor wunderbar satirisch beschrieben. Ein empfehlenswertes Buch übrigens.

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Und weil Unmengen von Eiern mit Speck das gängige Frühstück der amerikanischen Oberschicht dieser Zeit war, wurde im Sanitarium ständig an der Entwicklung von neuen, gesünderen Alternativen gearbeitet. Hier tritt der späterer Cornflakes-Erfinder, William Keith Kellogg, in die Geschichte. Dr. Kellogg stellte seinen Bruder William Keith 1880 als Buchhalter und Geschäftsführer ein. Neben diesen Tätigkeiten half er bei zahlreichen Lebensmittelexperimenten unter der Federführung von Ella Eaton Kellogg, Dr. Kellogg’s Frau. Über 80 Getreide- und Nuss-Gerichte wurden so entwickelt, u.a. verschiedene Frühstücksflocken und die heute in keinem guten amerikanischen Haushalt fehlende Erdnussbutter. Bei dem Versuch, ein neues Müsli zu kreieren, ließen die Kelloggs Brüder eines Abends versehentlich gekochte Weizenkörner im Wasserbad zurück. Am nächsten Morgen rollten sie diese über eine Walze, ließen sie trocknen und erhielten so perfekt geformte Weizenflocken. 1895 meldet Dr. Kellogg ein Patent für diese Art der Flocken an, und listetet neben Weizen auch Mais und andere Getreide.

W.K. Kellogg experimentierte anschließend so lange, bis es ihm gelang, auch Maiskörner in Flocken zu verwandeln. Die Geburtsstunde der Cornflakes. Die Flocken sollten etwas später die amerikanischen Frühstücksgewohnheiten für immer verändern. Bis dahin war jegliche Form von Müsli trocken verzehrt worden. W.K. sah in der Kombination des Cereals mit Milch eine schnelle, nahrhafte Frühstücksalternative. Um Patienten des San auch nach ihrem Aufenthalt mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen, gründeten die Brüder die „Sanitas Food Company“. Während Dr. Kellogg dies nur zum Wohle der Gesundheit seiner Patienten tat und nicht an einer kommerziellen Vermarktung interessiert war, wurde W.K. Kellog mit seiner 1902 gegründeten Firma „Battle Creek Toasted Corn Flake Company“ und späteren Kellogg Company ein Pioneer in der Massenvermarktung eines Produktes. Aus seiner kleinen Firma wurde der weltweit größte Cereal Hersteller. Die Erfindung der Kellogg Brüder rief um die Jahrhundertwende über hundert Firmen auf den Plan, die in Battle Creek ihr Glück mit dem Frühstücksgeschäft versuchten. Damit Kunden zwischen Original und Kopie unterscheiden konnten, ließ W.K. Kellogg seine Unterschrift mit dem Hinweis „The Original“ auf jede Schachtel drucken. Und so ist es bis heute geblieben.

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Während ich den Roman las, habe ich mir das Sanitarium als ein beeindruckendes Gebäude vorgestellt, als eine Art amerikanischen „Zauberberg“. Und tatsächlich: gut erhalten und eindrucksvoll thront es auf einer leichten Anhöhe und überblickt Battle Creek. Es beherbergt heute ein Regierungsgebäude. In den Lobbies sind Artefakte der Klinik und persönliche Gegenstände von Dr. Kellogg ausgestellt. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges logierten dort 1.250 meist gut betuchte Patienten, die von 1.800 Angestellten umsorgt wurden. Zu den Gästen gehörten u.a. Berühmtheiten wie President William Howard Taft, Henry Ford, Thomas Edison, Eleanor Roosevelt, Bernhard Shaw und Amelia Earhart. Insgesamt besuchten über 400.000 Gäste aus aller Welt den schicken Gesundheitstempel.

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Der heutige Firmensitz der Kellogg Company ist auch ein dominantes Gebäude in der Stadt, in dessen Lobby stolz die Geschichte der Cornflakes bebildert ist. Auf der Internetseite der Kellogg Company liest man heute folgendes: „Today — We’re proudly upholding the values W.K. Kellogg instilled more than 100 years ago — but now we’re doing it in 180 countries across the world. We still provide you and your family with better breakfasts that lead to better days, and we flake corn the same way W.K. Kellogg did back in 1898. It just tastes better that way.“ 

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Was als gesunde Frühstücksalternative erfunden wurde, ist heute eine industrielle Massenware mit ordentlich Zucker und Kalorien. Da halte ich mich lieber an „Overnight-Oat“ und Chiapudding mit Früchten. Und sonntags gibt’s dann Rührei mit Speck. Yum! Aber erzählt es Dr. Kellogg bitte nicht weiter. 😉

Was immer morgens auf Euren Frühstücksteller landet: lasst‘ es euch schmecken!

 

Michigan – The Great Lakes State

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Hi there!

Erst mal was zur Orientierung. Dank Internet TV informieren uns Marietta, Klaus, Gundula & Co. auch regelmässig im amerikanischen Wohnzimmer über das Weltgeschehen. Nach einigen Wochen „heute journal“ gucken gab es beim Hintergrundbild eines Abends plötzlich ein großes „Wow, guck mal“. Mitten in der riesigen hellblauen Landfläche der USA hatten wir die großen dunkelblauen Stellen entdeckt – die Großen Seen. Seit wir im „Great Lakes State“ Michigan wohnen, hat Wasser eine neue Dimension angenommen. Die fünf Großen Seen verdienen ihren Namen nämlich tatsächlich. Lake Michigan, Lake Huron, Lake Erie, Lake Ontario und Lake Superior vereinen über 20 % des weltweiten Süßwasser-Vorkommens auf sich. Michigan verfügt über 3,126 Meilen Küstenlinie, der zweitlängsten in den USA, nach Alaska. Gefühlt sind die Großen Seen weite Meere – halt nur „unsalted“.

So, und jetzt genau hingeschaut: links vom Blitzschatten sind sie zu sehen, die Großen Seen von Amerika. Das, was mittendrin hellblau wie ein linker Fäustling (Michigan wird auch „Mitten-State“ genannt) aussieht, ist die „Lower Peninsula“ von Michigan. Am unteren Ende des Daumens links wohne ich mit meiner Familie. In Ann Arbor, Michigan, rund 60 Kilometer westlich von Detroit. Ich bin ganz schön „Smitten with the Mitten“ („smitten“ musste ich auch nachschlagen 😉 … „hingerissen sein von“), mit Lake Michigan sowieso.