Detroit

black & white

„What living around black people for the last decade has taught me is less about what it means to be black and more about what ist means to be white.“
Drew Philp, Autor „A 500 Dollar House in Detroit“

Hi there!

Färbt man einen Stadtplan vom Großraum Detroit nach der Hautfarbe ihrer Bewohner, ergibt sich ein brutales Bild. Das Bild der am stärksten segregierten Stadt der USA. Die berühmte „8 Mile Road“, die eine waagerechte 20 Meilen lange Linie zwischen dem inneren Stadtgebiet Detroits und den angrenzenden nördlichen Vororten zieht, trennt die schwarze Bevölkerung räumlich von der mit weißer Hautfarbe. Während der Anteil der Menschen mit schwarzer Hautfarbe in den USA rund 14% beträgt, haben in Detroit südlich der 8 Mile Road rund 85% der Menschen einen afroamerikanischen Hintergrund. Gründe für dieses Ungleichgewicht sind neben dem massiven Wegzug der weißen Bevölkerung aus dem innerstädtischen Bereich, diskriminierende Praktiken in der Wohnungspolitik. Weiße Familien wurden mit subventionierten Krediten in die grünen Vororte gelockt, schwarze Hauskäufer bekamen keine Hypothek. Auch Baugesellschaften erhielten billige Kredite, wenn sie sich verpflichteten, ihre Objekte nicht an schwarze Bürger zu verkaufen. Der Wegzug der weißen Bewohner führte zu einem Absinken der Immobilienpreise in der Stadt. Parallel verschwanden Arbeitsplätze und die Steuereinnahmen sanken. Ein Teufelskreis, der sich über die Jahre desaströs auf die Infrastruktur Detroits ausgewirkt hat.

Über die „8 Mile Wall“, die eine visuelle Grenze zwischen weißen und schwarzen Neighborhoods im Norden der Stadt zieht, habe ich vor einiger Zeit hier im Blog berichtet. Dann hörte ich von einer weiteren „Grenzlinie“. Eine, die das schwarze, schmuddelige und kriminelle (so zumindest die weitläufige Meinung vieler) Detroit von den weißen, wohlhabenden Gemeinden im Osten der Stadt trennen soll. Dort wo der Detroit River in den Lake St. Clair mündet, beginnen die von altem Geld dominierten „Grosse Pointe“ Gemeinden. Hier wurde die dominierende Hautfarbe zwischen 1945 und 1960 über ein Punkte-System bestimmt. Potentielle Hauskäufer mussten eine bestimmte Punktzahl erreichen, um Eigentum erwerben zu dürfen. Die Immobilienfirmen beauftragten private Ermittler, die die Bewerber nach Dunkelheit ihrer Hautfarbe, Akzent, Religion, Ausbildung, Kleidung und Lebensweise (z.B. hatte man vornehmlich weiße Freunde) beurteilte. Das diskriminierende System wirkt auch über 50 Jahre nach Abschaffung der legalen Rassentrennung in den USA nach. Weniger als 10% der Grosse Pointe Bewohner sind schwarz.

„Grosse Point Park“ ist die erste der fünf Gemeinden, die sich an das Stadtgebiet von Detroit anschließt. Über die Kercheval Avenue fährt man von Detroit direkt hinein nach Grosse Pointe Park. An einem kalten Februartag sind wir ihr durch die östlich von Downtown liegenden Stadtteile gefolgt. Wir parken auf der Detroit Seite und überqueren die „Grenze“ zwischen Detroit und Grosse Point Park zu Fuß. Der Kontrast könnte nicht krasser ausfallen. Bröckelnde Fassaden, leer stehende Geschäfte, Seitenstraßen mit verlassenen, teils niederbrannten Wohnhäusern und verwaisten Grundstücken auf der einen Seite. Hat man den Kreisverkehr durchschritten, betritt man eine komplett andere Welt. Die vor uns liegende schicke Geschäftsstraße wird mit dezenter Musik beschallt. Bänke, hochwertige Straßenlaternen, hübsche Fassaden, riesige Standuhren und  Kunstobjekte säumen die gepflegten Bürgersteige. Boutique, Bakery, Craft Beer Brauerei mit Biergarten – alles da, alles tippi toppi. Auch ein Blick in die angrenzenden Wohnstraßen verrät: hier ist das durchschnittliche Haushaltseinkommen um ein Vielfaches höher als einen Steinwurf entfernt in Detroit. In der einst wohlhabendsten Stadt der USA leben heute mehr als die Hälfte der Menschen in bitterer Armut. Während in Detroit die Straßenbeleuchtung in vielen Nachbarschaften aus Geldmangel abgeschaltet wurde, verschlingt die Weihnachtsbeleuchtung der Grosse Pointe Villen sicherlich so manche Kilowatt Stunde Strom. Während Detroiter Familien das Wasser abgestellt wird, plätschern hier im Sommer Springbrunnen munter vor gigantischen Villen mit weißen Säulen. 2016 hatte in Detroit einer von sechs Haushalten keinen Zugang zu Frischwasser. Die Vereinten Nationen haben das massenhafte Abschalten von Wasser in Detroit eine „violation of human rights“ genannt. Vier der fünf „Großen Seen“, das größte Frischwasser-Reservoir der Erde, umspülen Michigan. Just saying. Mit Wasser gespart wird bestimmt nicht, wenn es um die penibel manikürten Rasenflächen der Grosse Pointe Villen geht. Ich weiß: das ist auch ein wenig „schwarz-weiß“ beschrieben … aber nirgendwo sonst habe ich hier einen so extrem offensichtlichen Wechsel der Szenerie erlebt. Die Krise in Detroit – und die damit einhergegangene Trennung in fast ausschließlich schwarze und weiße Stadteile – ist zudem nicht durch mangelnde persönliche Verantwortung Einzelner, sondern unter anderem durch eine gezielte (politisch motivierte) Steuerung von außen entstanden.

Um in der schönen, heilen Welt von Grosse Pointe unter sich zu bleiben, hat man sich so einiges einfallen lassen. Es begann im Winter 2014, als von Detroit kommende Autofahrer sich plötzlich einer riesigen Schneewand auf der Kercheval Avenue gegenüber sahen. Genau an der Stelle, wo sich heute der Kreisverkehr befindet. Angeblich wusste man in diesem extrem schneereichen Winter nicht mehr, wohin mit dem weißen Zeug. Klar, dann türmt man es mitten auf einer viel genutzten Verkehrsader auf. Der Schnee schmolz, der einspurige Kreisverkehr wurde errichtet. Es folgte ein Farmers Market mit fest installierten Buden, deren geschlossene Rückwände wie eine Blockade Richtung Detroit wirkte. Nach heftigen Protesten wurden die Buden wieder entfernt. Einen weiteren Versuch, eine visuelle Grenzlinie zu ziehen, erfolgte mit Weihnachtsbäumen. Im Sommer 2015 wurde der Kreisel dann mit 15 überdimensionalen Blumentöpfen bestückt. Seitdem streiten sich die Geister, ob dies eine weitere diskriminierende „keep Detroiters out“- Blockade ist, oder die Kombination aus Kreisverkehr und Riesen-Pötte der Verkehrsberuhigung und Verschönerung dienen. Im letzten Sommer wurde das Ensemble um die Skulptur „Sails of Two Cities“ ergänzt. Die Künstler und Brüder Israel und Eric Nordin haben sich dabei von der Lage am Wasser, die Detroit und Grosse Pointe gemeinsam haben, leiten lassen. Zwei Boote, die harmonisch miteinander segeln. Ob die Skulptur die offenen Wunden heilt? Sicherlich nicht. Aber vielleicht ist sie ein versöhnliches Angebot, miteinander im Dialog weiterzukommen. Black & white. Gemeinsam.

 

changing lives through art

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Hi there!

Tyree Guyton wuchs in der „McDougall-Hunt“ Neighborhood im Osten Detroits auf. Als er 1986 in die Straße seiner Kindheit zurückkehrte, war er schockiert über das Ausmaß des Verfalls. Gemeinsam mit seinem Großvater begann er, verlassene Grundstücke aufzuräumen. Mit den Fundstücken verwandelte er die Heidelberg Street in einen öffentlichen Kunstraum. Leere Grundstücke wurden zur Ausstellungsfläche für seine kreativen Installationen aus Schuhen, Stofftieren, Autoteilen, Türen. Verlassene Häuser bemalte er mit leuchtenden bunten Punkten oder riesigen Ziffern und nannte sie „Polka Dot House“ oder „Number House“. Punkt für Punkt wurde so im Laufe der nächsten Jahre aus einem trostlosen Straßenblock das bunte, international beachtete Outdoor Kunstmuseum „The Heidelberg Project“. Pinsel und Besen statt Waffen und Drogen. Er bezog vor allem Kinder aus der Nachbarschaft mit ein, und führte Workshops in Schulen durch. Seine Mission: Das Leben der Menschen verändern, ihnen eine neue, positive Perspektive eröffnen, in dem sie ihre künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten nutzen. Veränderungen sehr direkt in einem begrenzten Raum angehen – ein Konzept, das man aktuell in Detroit in vielen Bereichen und Nachbarschaften beobachten kann. Viele kleine Lösungen statt einiger weniger großer, die die Menschen nicht mit einbeziehen. Dahinter steckt die Idee von einer Gemeinschaft, die eine eigene Dynamik entwickelt, sich aus eigener Kraft neu erfindet und dann in der Lage ist, sich selbst zu erhalten.

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Der Gedanke „The next big thing will be a lot of small things“ des belgischen Designers Thomas Lommée kommt mir in dem Zusammenhang in den Kopf. Tyree Guyton hat vor 30 Jahren einfach angefangen, die Welt in seinem überschaubaren Lebensumfeld ein wenig besser, ein wenig bunter, ein wenig hoffnungsvoller zu machen. Das Projekt ist – wie Detroit selbst – seit dem ersten Pinselstrich durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Aber es hat sich immer wieder in irgendeiner Form verändert und weiterentwickelt. Selbst nachdem zwischen 2013 und 2016 einige Häuser der Brandstiftung zum Opfer fielen, hat Guyton sich nicht entmutigen lassen. Es sind die Ideen, Visionen und Prinzipien, die den Künstler und sein Team immer wieder antreiben. Nicht so sehr die einzelnen Objekte. „Things can be replaced, so we are not so much attached to these things as much as we are attached to the principle of pushing forward“, formuliert seine Frau und Projekt-Partnerin, Jenenne Whitfield, es. Das Heidelberg Projekt hat in drei Jahrzehnten Diskussionen in Detroit angeregt, auf vergessene Nachbarschaften aufmerksam gemacht und vieles in Bewegung gebracht.

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Jetzt ist es Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Tyree Guyton nennt diese nächste Stufe „Heidelberg 3.0“. Erklärtes Ziel: das Projekt zu einem Musterbeispiel dafür zu machen, wie urbane Gemeinschaften sich aus eigener Kraft transformieren können. Er möchte einen neuen Weg beschreiten, Visionen und Hoffnung in Stadtteile wie den der McDougall-Hunt Neighborhood zu tragen. Die Gestaltung eines Kunstwerkes ist ihm zu wenig. Er möchte inklusive Gemeinschaften formen. Auf der Heidelberg Street sollen Ateliers entstehen, in denen Künstler eine Weile arbeiten können. Im Gegenzug leisten sie einen Beitrag zur Heidelberg Mission und bieten beispielsweise Workshops für Nachbarn an. Ein weiterer „Heidelberg 3.0“ Baustein ist die Gründung der „Heidelberg Arts Leadership Academy“ – ein Nachmittagsprogramm für Schüler der vierten bis zwölften Klasse, das die Kinder und Jugendlichen zu sogenannten „Change Agents“ für ihre eigenen Gemeinden ausbilden soll.

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Ich war im August 2013 zum ersten Mal in der Heidelberg Street. Damals standen noch alle Häuser. Ich habe auf den Stufen des „Soul Houses“, das über und über mit Schallplatten bestückt war, gesessen. Bis heute bin ich unzählige Male dort gewesen, meist mit Besuch aus Deutschland. Es war nie langweilig, denn bei jedem Besuch präsentierte sich das Heidelberg Projekt anders. Und trotzdem finden sich in dieser lebendigen Outdoor Kunstgalerie einige Symbole, Gegenstände und Leitideen immer wieder. Uhren und die Zeit sind so ein Beispiel. „Alles dreht sich um die Zeit. Alles ist im Fluß. Die Zeit verändert die Dinge ständig. Zeit kann man nicht abschalten“, hat Tyree Guyton eine seiner Leitideen beschrieben, als ich ihn gemeinsam mit einer Freundin im letzten Jahr persönlich kennenlernen durfte. Da hatte er gerade öffentlich gemacht, welche Veränderungen er für das Projekt in den nächsten Jahren angestrebt.

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Ein Vorhaben, das Hoffnung macht. Hoffnung auf neue Chancen für die Menschen der McDougall-Hunt Nachbarschaft. Die Not in dem Viertel ist groß, 40% der Bewohner leben unterhalb der Armutsgrenze. Eines von fünf Häusern steht leer. Es ist eine große Herausforderung, die Interessen der Bewohner und die der Macher und mittlerweile jährlich 200.000 Besucher dieses öffentlichen Kunstraumes in Einklang zu bringen. Das alles passiert, während weniger als drei Meilen südwestlich gigantische Bauprojekte wie die neue Hockey Arena, Luxushotels und schicke Bürogebäude hochgezogen werden. Die große Aufgabe der Zukunft für Detroit bleibt. Einen guten Weg für Stadtteile wie diesen zu finden. Einen, der die langjährigen Bewohner mit einbezieht. Einen, der zwischen einer sozialen Umstrukturierung von außen und dem kompletten Vergessen der vielen Stadtteile jenseits von Downtown liegt. One step at a time.

Neulich im Museum …

Hi there,

Detroit verbindet jeder mit der Automobilindustrie. Klar, die Motor City. Dieser Tage zeigt die automobile Welt auf der „North American International Auto Show“ wieder ihre neuesten Modelle und Technologien. Das Auto ist so verwoben mit der Geschichte und dem Schicksal der Stadt wie kaum etwas anderes. Ein ganz besonderer Ort in Detroit vermag es, Teile dieses Erbes zu erklären. Er befindet sich im „Detroit Institute of Arts“, dem prachtvollen Kunstmuseum der Stadt.
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Was? Wir gehen in ein großes Kunstmuseum und schauen uns „nur“ einen Raum an? Genau, das machen wir! Denn selbst wenn es an Zeit oder Kunstinteresse für das gesamte Museum fehlt, lohnt sich ein Besuch im „Diego Rivera Court“. Der mexikanische Wandmaler Diego Rivera hat hier zwischen April 1932 und März 1933 ein fantastisches Fresko („The Detroit Industry Murals“) als Hommage an die Automobilindustrie und ihre Arbeiter geschaffen. Finanziert hat das aus 27 Einzel-Tafeln bestehende Wandbild Edsel Ford. Der Sohn von Firmengründer Henry Ford stand damals der Kunst-Kommission des Museums vor. Die Idee zum Industrie-Fresko hatte William Valentine, der deutschstämmige Direktor des DIA. Model stand die „River Rouge Factory“ der Ford Motor Company. Rivera kam gemeinsam mit seiner Frau Frida Kahlo nach Detroit. Es war hier, wo auch ihre Karriere als Künstlerin in Bewegung kam. Vor zwei Jahren hat das Museum dem ungleichen Künstlerpaar eine fantastische Ausstellung über ihre Zeit in Detroit gewidmet.

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Bevor der Künstler seine Arbeit im Innenhof des Museums begann, studierte er einen Monat lang intensiv die Prozesse in der Autofabrik und fertigte unzählige Skizzen an. Ich habe während meiner zahlreichen Besuche im Rivera Court mehrfach dem Audio-Führer und den Erklärungen verschiedener ehrenamtlicher Museumshelfer gelauscht. Außerdem liegt hier ein Buch aus dem Museums-Shop, das alle Details des riesigen Wandbildes erläutert. Genug Material, um darüber zu schreiben. Und dann lese ich letzte Woche zufällig, wie Drew Philp in seinem Buch „The 500 Dollar House in Detroit“ einer Freundin den Rivera Court nahebringt. Bang! Der Text fasst die Darstellungen auf den 27 Tafeln des Wandbildes so wunderbar zusammen und bringt sie überdies in einen größeren Zusammenhang, dass ich ihn hier gerne (im Original und in der deutschen Übersetzung) zitieren möchte.

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„Up ahead was Rivera Court, where the master himself had spent a summer convincing the world of the beauty of the working man along the walls of one of America’s greatest museums. He worked just blocks from where mass manufacturing was born, when the middle class had been brought to life on five dollars a day, and where the struggle of building objects with one’s hands became honorable and noble. He painted the workers larger than the king. We stepped inside. Completed in 1933, the frescoes depict life inside Ford’s auto factories and the endless nobility of man. The twenty-seven panels portray advancements in science and technology, the fruits of the earth, the feminine and life-giving in relation to the masculine, hope, cooperation, and the totality of the human spirit, the interconnectedness of humankind, industry and the soul. Nowhere in the community of Detroit, and everywhere like it, better portrayed than in what is likely the finest example of Mexican mural art in the United States. This is where generations of artists have come to dip into the well of inspiration, the church of creativity, the warm embrace of the imagination clasping hands with reality. I explain all this to Cecilia as we hold hands together alone in the empty museum.

I tell her: It took an outsider, a Mexican Communist, to show our heroism to ourselves. He showed us that what is inside us here is inside all of us, everywhere, man’s legacy to the word. The figures are huge and all work together, different colors of men working and struggling and pushing toward one goal. Sand, rubber, and iron went in one end – and only but through the hands of man – a car came out the other. This is Detroit’s history, the heroism of the forge and crucible on display, a reminder of who we are as men and women and citizens of this planet. A gift to the city of Detroit, the fresco offers a choice: panels depicting poison gas and bombing planes mirror panels depicting vaccinations and aircraft of exploration.

They are not just offering us a choice of good or evil, forward or backward. They offer the choice between creativity and destruction. Rivera begs us to choose to create, to bring new life into this world, to make not just products but a brand-new heroic world of brother- and sisterhood, of nobility and honor. It could have been my grandfather or my father or anyone in my family depicted up there, and maybe yours. He’s asking all of us to do this. You. Create something every day. Despite what they may tell you, you artists, you mothers, you misfits of creativity, the world depends on what you can dream up. The ice caps aren’t getting bigger. The bombs are still being produced. The cities never stopped being torn apart with inequality and suffering. Practice. Practice creating that new world. our very survival depends on what you can create. You. Not someone else. You.“ – from „The 500 Dollar House in Detroit“ – Rebuilding an Abandoned home and an American City“ by Drew Philp, 2017 (Scribner) 

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„Vor uns lag der Rivera Court, in dem der Meister selbst einen Sommer lang verbracht hatte, um die Welt entlang der Wände eines der großartigsten Museen Amerikas‘ von der Schönheit der Arbeiterklasse zu überzeugen. Er arbeitete ein paar Straßenecken entfernt von dem Ort, an dem die Massenfertigung erfunden und die amerikanische Mittelklasse geboren wurde. Dort, wo es ehrenhaft und nobel wurde, Dinge mit der eigenen Hände Arbeit herzustellen. Er malte die Arbeiter größer als den König. Wir traten ein. 1933 fertiggestellt, beschreiben die Fresken das Leben innerhalb Ford’s Autofabriken und die grenzenlose Überlegenheit des Mannes. Die 27 Tafeln zeigen die Errungenschaften in Wissenschaft und Technik, die Früchte der Erde, die Leben gebende Weiblichkeit im Vergleich zur Männlichkeit, Hoffnung, Gemeinschaft, und die Einheit des menschlichen Daseins. Das Zusammenspiel von Menschheit, Industrie und Seele. Nirgends in Detroit oder in den Vereinigten Staaten ist dies besser dargestellt als in diesem wahrscheinlich großartigsten Beispiel mexikanischer Wandmalerei. Hierher pilgern Generationen von Künstlern, um sich inspirieren zu lassen. Es ist eine Kirche der Kreativität. Eine warme Umarmung der Idee, die Wirklichkeit fest in die eigenen Hände zu nehmen. Ich erzähle all‘ dies Cecilia, während wir uns – alleine im leeren Museum – an den Händen halten. 

Ich sage zu ihr: Es musste erst jemand von außen, ein mexikanischer Kommunist, kommen, um uns unser eigenes Heldentum vor Augen zu führen. Er hat uns gezeigt, was in uns allen steckt, hier in Detroit und überall sonst: es ist das Vermächtnis der Menschheit an die Welt. Seine Figuren sind groß und arbeiten alle zusammen, Männer unterschiedlicher Hautfarben arbeiten gemeinsam hart für ein Ziel. Sand, Gummi und Eisen fließen an einer Seite hinein, und nur durch die Arbeit der Männer, entsteht am anderen Ende ein Auto. Hier wird die Geschichte von Detroit ausgestellt: die Heldentaten am Schmelztiegel sind eine Erinnerung daran, wer wir als Männer und Frauen und als Bürger der Erde sind. Als Geschenk an die Stadt Detroit bietet das Fresko die Wahl: Tafeln, die Giftgas und Bomben werfende Flugzeuge zeigen, stehen Abbildungen gegenüber, auf denen Impfungen und Passagiermaschinen zu sehen sind. 

Sie bieten uns nicht nur die Wahl zwischen Gut und Böse, zwischen rückwärtsgewandt oder fortschrittlich. Sie bieten die Wahl zwischen Kreativität und Zerstörung. Rivera fleht uns an, die Kreativität zu wählen, neues Leben in die Welt zu bringen, nicht nur Produkte zu machen, sondern auch eine neue Welt der Brüderlichkeit zu schaffen, nobel und ehrenhaft. Es hätte mein Großvater oder mein Vater, oder jeder andere meiner Familie sein können, der hier dargestellt ist. Oder vielleicht auch Deiner. Er bittet uns alle, dies zu tun. Dich. Schaffe etwas, jeden Tag. Gegen alle Widerstände. Ihr Künstler, Ihr Mütter, Ihr kreative Außenseiter, die Welt hängt von dem ab, was Ihr hervorbringen könnt. Die Polkappen schmelzen weiter. Es werden immer noch Bomben hergestellt. In den Städten herrscht nach wie vor Ungleichheit und Leid. Übt. Übt, diese neue Welt zu schaffen. Unser eigenes Überleben hängt davon ab, was Du erschaffen kannst. Du. Nicht jemand anderes. Du.“ 

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Damals wie heute sind in der „Ford River Rouge Factory“ Besucher willkommen. Hier realisierte Henry Ford bereits 1928 seine Vision, die gesamte Produktionskette an einem Ort zusammenzuführen. Material und fertige Fahrzeuge werden über eigene Docks am River Rouge und per Bahn an- und abtransportiert. Auf den Gelände befinden sich ein Stahlwerk und eine eigene Stromproduktion. Mehr als 100.000 Arbeiter waren 1930 in der Rouge Factory beschäftigt. Schmelzöfen und Docks wurden mittlerweile an andere Unternehmen verkauft, das gesamte Areal in den 90er Jahren umfassend modernisiert. Heute laufen in der „Dearborn Truck Plant“, die nun Teil des Industrieparks „Ford Rouge Center“ ist, täglich 1200 F-150 Pick-up Trucks vom Band. Bei einer Tour durch die Autofabrik kann man auch eines der weltweit größten „Living Roofs“ bestaunen. 454.000 qm Dachfläche wurde mit dürreresistenten Bodendenkern bepflanzt, die Regenwasser sammeln und filtern. Es isoliert die Fabrikhalle im Sommer wie im Winter und reduziert damit den Energieverbrauch signifikant. Außerdem finden hier – mitten in einem Industriekomplex – Vögel und Insekten einen Lebensraum.

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William Clay „Bill“ Ford, Jr. (Urenkel von Henry Ford) und Vorstandsvorsitzender der Ford Motor Company hat sich maßgeblich für die Realisierung des grünen Daches eingesetzt. Er gilt innerhalb des Konzerns als energischer Anwalt für die Themen Umwelt, Nachhaltigkeit und alternative Mobilitätskonzepte. Ein traditionelles Industrieunternehmen Ressourcen schonend und nachhaltig in die Zukunft führen, das ist die Herausforderung von heute. Die Botschaft, die Diego Rivera Detroit und der Welt vor fast 100 Jahren hinterlassen hat, scheint aktueller denn je.

 

Countdown to Christmas …

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Art Deco in Detroit

Detroit stieg in den 1920er Jahren zu einem beispiellos reichen weltweiten Industrie- und Handelsstandort auf. Zeugen dieser Zeit sind wunderschöne Art Deco Gebäude in der Stadt. Zwei von ihnen stechen besonders hervor. Ich weiß noch, als wir das erste Mal, eher zufällig, ins Guardian Building hinein gingen. Im Winter 2014. Draußen war es eisig kalt, grau, trostlos. Drinnen ein plötzlicher Glanz, wir haben unseren Augen kaum getraut. Vor allem hatten wir das in Detroit irgendwie nicht erwartet.

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Das Guardian Building, auch als Detroit’s „Cathedral of Finance“ bekannt, wurde 1929 in der Innenstadt eröffnet. Schon die Fassade des 36 Stockwerke hohen Gebäudes ist unglaublich schön. Die glasierten Kacheln, deren leuchtende Farben sich auch im Inneren wiederfinden, stammen aus der Pewabic Pottery in Detroit. Innen wird es noch prächtiger. Ein riesiges buntes Wandmosaik mit Blattgold Einlegearbeiten nimmt die eine Stirnseite ein. Es zeigt Szenen aus der Industrie-, Handels- und Agrargeschichte Michigans. Das Guardian Building wurde ausschließlich mit Menschen aus dem eigenen Staat realisiert. Architekt, Handwerker und Künstler – alles Michigander.

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Das Fisher Building, 1928 fertig gestellt, war ein Geschenk der wohlhabenden Fisher Brüder (das Unternehmen „Fisher Body“ baute Karosserien für verschiedene Automobilhersteller, bevor General Motors die Firma übernahm) an die Stadt Detroit. Architekt Albert Kahn erhielt von ihnen den Auftrag, das schönste Gebäude der Welt zu bauen. Nicht weit von Downtown entstand gemeinsam mit der General Motors Zentrale gegenüber das „New Center“. Das Fisher Building beherbergte neben der Fisher Firmenzentrale luxuriöse Einzelhandelsgeschäfte, Restaurants und das prachtvolle Fisher Theater. Die Fassade beeindruckt, aber die wahre Schönheit des Gebäudes findet man in seinem opulenten Inneren. Vierzig verschieden Arten Marmor wurden hier verbaut, die prächtigen Deckengewölbe sind in leuchtenden Farben bemalt. Viel Glanz, viel Gold, ein rauschendes Fest für die Augen.

Countdown to Christmas …

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Für mich ist sie die schönste Ruine Detroits – die Michigan Central Station. Mächtig und alleine steht sie mit ihrem prächtigen Eingangsportal an der Michigan Avenue, eine der Hauptzufahrtsstraßen nach Downtown Detroit. Das ist gleichzeitig mein favorisierter Weg hinein in die Stadt. Am liebsten fahre ich sogar ein paar Ausfahrten früher vom Highway ab, um mich dem Zentrum entlang der Michigan Avenue langsam zu nähern. Auf diesem Weg sieht man Detroit in seinen unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Zunächst zeigt die Michigan Avenue genau jenes Gesicht, das die meisten von Detroit im Kopf haben: leer stehende Häuser, zum Teil mit Holzbrettern notdürftig zugenagelt, schmuddelige Geschäfte, herunter gekommene Tankstellen, billige Fastfood Läden, jugendliche Crack-Dealer, Trostlosigkeit. Mit dem plötzlich auftauchenden monumentalen Bau des ehemaligen Bahnhofs wandelt sich das Bild. Hier beginnt „Corktown“, das älteste Viertel Detroits. Ein Stadtteil, der sich in den letzten Jahren rasant entwickelt hat. Mich erinnert er mit seiner lebendigen Szene an Kreuzberg.

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Im Winter 2014 noch ohne Fenster

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Fast 30 Jahre ist es her, dass der letzte Zug die Michigan Central Station verlassen hat. 1914 öffnete sie, gebaut im klassischen „Beaux-Arts“ Stil von den Architekten, die auch New York’s Grand Central Station entwarfen. Damals war sie das größte Bahnhofsgebäude der Welt, 200 Züge verließen täglich Detroit. Niemand hatte die wachsende Bedeutung der persönlichen Mobilität vorhergesehen. Im zweiten Weltkrieg noch stark durch das amerikanische Militär genutzt, wurde es nach dem Krieg ruhiger um die Central Station. Die Menschen begannen auf das Auto umzusteigen.

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Unzählige alternative Nutzungsmöglichkeiten wurden in den letzten drei Jahrzehnten diskutiert – vom Polizei Hauptquartier, über ein Casino bis hin zu einem Zoll-Handelszentrum. 2009 wurde sogar der Abriß beschlossen, obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Im selben Jahr fand es einen Käufer, der mit der Renovierung im Inneren begann. 2015 wird der Fortschritt auch außen sichtbar, über 1000 neue Fenster wurden eingesetzt. Trotzdem gibt es bisher keinen konkreten Plan für die Zukunft dieses immer noch prachtvollen Gebäudes. Es ist das bekannteste und augenfälligste Symbol für Aufstieg und Fall der Stadt Detroit. Ich persönlich träume von einer Gelegenheit, dieses wunderschöne Wahrzeichen von innen zu sehen. Oder gar aufs‘ Dach zu gelangen. Um eines der coolen Fotos zu schießen, die man im Netz findet, und die gemacht wurden, bevor das Gebäude komplett abgeriegelt wurde.

Countdown to Christmas …

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Schon so oft habe ich es vom Freeway aus glitzern gesehen. Im Januar war ich mit einer Freundin aus Deutschland endlich dort. Im „African Bead Museum“ in Detroit. Zehn Jahre lang hat der Afroamerikaner Olayami Dabls beim „Charles H. Wright Museum of African American History“ als Kurator und Künstler gearbeitet. Die Zeit dort inspirierte ihn vor 16 Jahren zur Gründung des African Bead Museums, das auch ein Ort der Begegnung ist und Verständnis für die Bedeutung der afrikanischen Kultur stärken soll. Wesentlich in einer Stadt, in der über 80% der Menschen schwarz sind. Im Shop gibt es eine riesige Auswahl an Perlen, einige von ihnen sind mehr als 400 Jahre alt. Außerdem Bücher, Gemälde und Skulpturen von lokalen afroamerikanischen Künstlern. Die Außenfassade des Hauptgebäudes ist ein Gesamtkunstwerk aus Spiegeln, Glasstücken, farbenfrohen Mustern und afrikanischen Motiven.

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Das Areal mit 18 Outdoor Installationen nimmt fast einen gesamten Block ein. Dabls hat hier eine außergewöhnliche Phantasiewelt aus Eisen, Stein, Holz Spiegeln und vielen anderen Fundstücken geschaffen. Sie stammen allesamt aus niedergebrannten oder verlassenen Häusern. Dabls hat sie recycelt und nun führen sie ein zweites, schönes Dasein und erzählen Geschichten aus der afrikanischen Kultur. Eine „Phoenix aus der Asche-Erfolgsgeschichte“, wie so viele in Detroit.

 

Countdown to Christmas …

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„I had come to a hotel downtown for a live auction of properties in Detroit. Starting bid was $500, less than the price of a decent television … We were a long way from „Yes we can.“ But there was one place people did. One place of except. That was Detroit.“

Anfang und Ende des Prologs im Buch „A $ 500 House in Detroit“. Der Autor Drew Philp hat sein Buch vor einigen Wochen in der Bibliothek Ann Arbor vorgestellt. Er hat mich tief beeindruckt (und natürlich mit signiertem Buch in der Tasche) zurückgelassen. Noch als Student der „University of Michigan“ hier in Ann Arbor hat er mit 23 Jahren seine komfortable Campus-Unterkunft gegen eine unbewohnbare Hausruine in Detroit getauscht. Ein seit Jahren verlassenes Haus, gefüllt mit Müll, ohne Fenster, Wasser, Strom oder dichtes Dach. Im Buch beschreibt Philp den schrittweisen Wiederaufbau, den er fast ausschließlich mit seinen eigenen Händen und der Hilfe von Familie und Freunden bewerkstelligt hat. Raum für Raum. Es erzählt davon, wie die Gemeinschaft im Stadtteil funktioniert, und wie er sich als neuer Nachbar eingebracht hat.

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Das Buch geht jedoch über seine persönliche Geschichte hinaus. Es beschreibt auch die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklung Detroits in den letzten zehn Jahren. Philp skizziert seine eigene Vision, wie die Zukunft in einer Stadt, in der Armut, eine hohe Kriminalität und die Rassenproblematik immer noch die drängendsten Themen sind, aussehen könnte. Und da spielen das persönliche Engagement jedes einzelnen Bewohners und die kleinen Lösungen die größten Rollen. Mit jedem wieder aufgebauten Haus, jedem urbanen Garten, jeder Bürgerinitiative wächst das neue Detroit ein Stückchen mehr.

„As we rebuild this ashen city, we’re deciding on an epic scale what we value as Americans in the 21st century. The American Dream is alive in Detroit, even if it flickers.“ Drew Philip

 

Countdown to Christmas …

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Disney in Detroit

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Fast komplett vom Großraums Detroit eingeschlossen, liegt die Stadt Hamtramck. Polnische Einwanderer kamen Anfang des 19. Jahrhunderts in die Stadt und fanden Arbeit in der Autofabrik der Dodge Brüder. Noch heute sind die polnische Bäckereien (sie liefern am Fat Tuesday die köstlichen „Paczkis“ kistenweise nach Ann Arbor) und Metzgereien über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Demographie hat sich jedoch verändert. Heute ist Hamtramck ein bunter Mix der Kulturen. Menschen aus Albanien, Bosnien, Armenien, dem Libanon, Jemen und  Bangladesh fanden hier eine neue Heimat.

Auch Dmytro Sylak kam als Einwanderer. Er wuchs in der Ukraine auf und immigrierte in den 1950er Jahren mit seiner Frau nach Hamtramck. 30 Jahre lang arbeitete er bei General Motors. Als er Mitte der 1980er Jahre in Rente ging und ein Hobby suchte, begann er, Teile seines Wohnhauses in eine Kunstinstallation zu verwanden. Über 30 Jahre ist das riesige Konstrukt organisch gewachsen. Sylak hat es ohne vorherigen Plan Stück für Stück mit selbst gefertigten und gefundenen Objekten errichtet und immer wieder verändert. Das ungewöhnliche Kunstobjekt sitzt zwischen den beiden Garagen des Hauses. Überall ragen bewegliche Skulpturen in die Luft, bewegen sich im Wind, leuchten teilweise im Dunklen auf. Die Garagen sind Galeriefläche für eine bunte Mischung aus amerikanischen Abbildungen und Erinnerungen an Szylak’s europäische Vergangenheit.  2015 verstarb der Künstler im Alter von 92 Jahren. Die Zukunft des Hamtramck Disneyland war zunächst ungewiss. Dann hat eine Gruppe von Bewohnern und Künstlern den Erhalt dieser ungewöhnlichen Outdoor-Installation übernommen. Als Dmytro Sylak noch lebte, gab er persönliche Touren durch seine farbenfrohe Phantasiewelt aus Mickey Mouse, Schaukelpferd, Reklameschildern und Spielzeugfiguren. 2006 hat das Modell Kate Moss hier sogar ein Foto-Shooting veranstaltet. Habt ihr Santa entdeckt?

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Countdown to Christmas …

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Freunde der Architektur!

Detroit überrascht oft mit Vierteln, die man so nicht erwarten würde. Östlich an Downtown angrenzend liegt gut versteckt in einer grünen, urbanen Oase der historische Distrikt „Lafayette Park“. Kein Geringerer als der in Aachen geborene und 1939 in die USA ausgewanderte Bauhaus Architekt „Ludwig Mies van der Rohe“ hat sie zwischen 1956 – 1959 gebaut. Sie ist die weltweit größte Wohnanlage van der Rohes und ein einmaliges Beispiel der Idee Bauhaus. Der Lafayette Park umfasst 186 Einfamilien-Häuser, 3 Apartmenthäuser, eine Schule, einige Einzelhandelsgeschäfte und eine Grünfläche. Das Viertel ist im „National Register of Historic Places“ gelistet und seit 2015 als „National Historic Landmark“ des United States National Park Service. Es soll Menschen geben, die aus Kalifornien nach Detroit ziehen, nur um in einem Mies van der Rohe Haus zu leben. In einigen Teilen der Stadt kann man noch Häuser ab 500 Dollar kaufen. Für eine Mies Einheit werden jedoch aktuell um eine halbe Million Dollar für ca. 140 Quadratmeter aufgerufen.

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Packard – the next shift

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Hi there!

Polizeichef Captain Renault fährt in „Casablanca“ damit vor. In „Der Pate“ kommen gleich mehrere zum Einsatz. Präsident Roosevelt nutzte ihn als Dienstlimousine. Automobile der „Packard Motor Car Company“ zählten in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zum Feinsten, was die amerikanische Autoindustrie zu bieten hatte. Die ursprünglich aus Ohio stammenden Packard Brüder lassen sich 1904 am East Grand Boulevard nieder. Dort, wo zuvor deutsche Einwanderer ihre Farmen betrieben, entsteht die erste Autofabrik aus Stahlbeton. Auf 16 Hektar Land baut der legendäre Architekt Albert Kahn einen Komplex mit 325.000 Quadratmetern Gebäudeflächen. Die Packard Plant ist Teil des gewaltigen industriellen Aufschwungs im Mittleren Westen der USA und beschäftigt zu ihren Hochzeiten fast 40.000 Menschen. Der Zweite Weltkrieg bringt die Produktion zum Erliegen. Packard produziert während der Kriegsjahre Flugzeugmotoren für Rolls Royce. Nach Kriegsende passieren wieder luxuriöse Automobile die Werkstore. Jedoch kämpft das Unternehmen gegen die mächtige Konkurrenz der „Big Three“ Ford, General Motors und Chrysler. In einem Versuch, die Produktionskosten zu senken, fusioniert Packard 1954 mit dem kleineren Wettbewerber Studebaker. Das letzte reine Packard Model läuft 1956 am East Grand Boulevard vom Band. Die neue Unternehmensführung hat die Schließung der Packard Plant beschlossen. Über die nächsten 60 Jahre wird sie zur größten Industrieruine der Welt. 

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Teilbereiche der Fabrik werden in den folgenden Jahrzehnten zunächst durch verschiedene Firmen belegt, der Rest beginnt zu verfallen. Nach und nach ziehen Mieter aus, 2006 verlässt das letzte Unternehmen die Packard Plant. Das gigantische Areal ist nun endgültig dem Verfall ausgesetzt. Wo einst luxuriöse Fahrzeuge zusammengeschraubt wurden, riskieren nun „scraper“ (Metalldiebe) für schnellen Cash Gesundheit und Leben. Sie flexen Stahl und Eisen aus den Gebäuden heraus. Holz wird in ihren Häusern verfeuert. Eine tote Autofabrik wird demontiert, um das eigene Überleben zu sichern. Es brennt oft tagelang. Schmelzende Eisenträger sorgen für weitere Zerstörung. Andere nutzen die riesige Ruine zu ihrem Vergnügen und veranstalten in den Trümmern Paintball-Schlachten und Techno-Partys. Graffiti Künstler machen die Wände der ehemaligen Autofabrik zu ihrer Leinwand. Fotografen und Neugierige aus aller Welt sind fasziniert von der bizarren, desolaten Schönheit der Ruine. 2010 wird sogar ein Wandbild des anonymen britischen Künstlers Banksy entdeckt. Zahlreiche Filme wie Transformers und Batman vs Superman werden hier gedreht. Die Natur erobert sich im Laufe der Jahre große Teile zurück. Bäume wurzeln im Inneren und auf den Dächern, giftige Pilze sprießen aus den Holzböden.

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Auch mich hat die Packard Plant wie andere „lost places“ in Detroit immer wieder magisch angezogen. Ich war sprachlos ob der Größe und der Zerstörung des verlassenen Komplexes, der sich über fast einen Kilometer quer durch den Stadtteil zieht. Wir haben die Industrieruine gerne unserem Besuch aus Deutschland gezeigt. Um Vergangenheit und Gegenwart der Stadt zu verstehen. Die Packard Plant als Teil der glanzvollen industriellen Erfolgsgeschichte von Detroit, des Mittleren Westen, der gesamten USA. Gleichzeitig als trauriger Zeuge des beispiellosen Niedergangs der Stadt und einer ganzen Region. Lässt man sich darauf ein, kann man trotzdem nachfühlen, dass hier einmal geschäftiges Leben herrschte. Als tausende Mitarbeiter durch Werkstore und Bürotüren ein- und ausgingen und glänzende Karossen die Rampen verließen. Dann haben die Menschen den Ort verlassen. Das macht wohl einen großen Teil der Faszination aus. Was passiert, wenn Menschen Großartiges schaffen und es dann sich selbst und den Elementen überlassen.

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2013 schreibt die Stadt Detroit die Packard Plant zur Versteigerung aus. Trotz der massiven Zerstörung sind große Teile der Baustruktur noch sehr robust. „Wenn das die Zukunft repräsentiert, dann ist das hier „nichts“. Wir brauchen jemanden, der aus „nichts“ etwas macht“, sagt eine Bewohnerin aus der angrenzenden Nachbarschaft in der von „Detroit Free Press“ Fotograf Brian Kaufmann 2014 gedrehten Dokumentation „Packard: The Last Shift“. Der Entwickler und Investor Fernando Palazuelo aus Peru hat Großes mit der Packard Plant vor. Er ersteigert sie 2013 für 405.000 US Dollar. Sein Ziel: Den total heruntergekommene Komplex über einen Zeitraum von 10 – 15 Jahren und einem Budget von über 300 Million Dollar in einen lebendigen Stadtteil mit vielfältigen Möglichkeiten zu entwickeln. Es ist nicht das erste Revitualisierungs-Projekt, das Palazuelo mit seiner Firma „Arte Express“ anpackt. Seit 35 Jahren renoviert und entwickelt der gebürtige Spanier weltweit historische Bauten und Stadtteile. Seine Projekte aus der jüngsten Vergangenheit umfassen mehr als 100 Gebäude in den historischen Altstädten von Lima, Palma de Mallorca, Barcelona und Madrid. Und nun die Packard Plant, Detroit – das größte industrielle Modernisierungsprojekt in den USA.

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„Die Packard Plant ist nur noch eine Hülle. Ich glaube nicht, dass es Hoffnung für einen Wiederaufbau gibt. Auf der anderen Seite war sie Teil einer industriellen Revolution“, sagt Stadthistoriker Jim Balfour im Film. Sie wird es hoffentlich wieder. Teil einer neuen, anderen Erfolgsgeschichte für Detroit. Im Herbst 2019 soll der erste Gebäuderiegel bezugsfertig sein. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der „Packard Motor Car Company“ werden acht Unternehmen, u.a. eine Beratungsfirma, ein Ingenieurbüro, ein Barber-Shop, eine Galerie einziehen. In einem anderen Gebäude  wird ein Steakhaus mit Event-Räumen eröffnen. Ein Museum über die wechselvolle Geschichte der Packard Plant in geplant. Außerdem wird ein Trainingszentrum gegründet, in dem Menschen aus dem lokalen Umfeld für Jobs, die sich zukünftig hier ergeben, ausgebildet werden. Arte Express hat weiteres Land um die Packard Plant herum erworben, um die zukünftige Entwicklung des gesamten Viertels positiv mit zu gestalten. Sie haben aber auch das Versprechen abgegeben, niemanden aus seinem Haus „heraus zu kaufen“. Im Gegenteil: sie beziehen die Menschen mit ein, halten regelmäßige Treffen mit den Bewohnern der Nachbarschaft ab.

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Das gigantische Renovierungsprojekt ist unfassbar ehrgeizig. Die Original-Struktur soll so weit wie möglich erhalten bleiben. Möglichst viele vorhandene Materialien sollen Verwendung finden. Auch Graffitis sollen, wo immer es geht, in das neuen Konzept integriert werden. „Living around art“, dafür steht „Arte Express“. Allein die Aufräumarbeiten verschlingen Millionen. In den letzten vier Jahren wurden fast ausschließlich baufällige Teile niedergerissen, kontaminierte Erde gereinigt und unglaubliche Mengen an Trümmern beseitigt. Dabei helfen auch Menschen aus der angrenzenden Nachbarschaft, die von Arte Express eingestellt wurden. Die Suche nach Investoren und zukünftigen Mietern wie kleinen Manufakturen geht weiter. Man braucht eine enorme Vorstellungskraft und muss absurd optimistisch sein, um sich statt dieser Hülle voll mit Schrott einen dynamischen Stadtteil vorzustellen. Aber man möchte so gerne an eine positive Zukunft glauben. Eine, die auch Happy Endings für diejenigen hat, die die letzten Jahre und Jahrzehnte kaum Chancen im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld von Detroit hatten.