Köln

xmas countdown

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Home is where the dom is

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Hi there,

die 533 Treppenstufen hinauf auf den Südturm kann man jederzeit nehmen. Um mit dem Außenaufzug am Nordturm über und unter die Dächer des Kölner Doms zu gelangen, muss man eine spezielle Tour buchen. Die eröffnet faszinierende Einblicke in den Innenraum der gewaltigen Kathedrale, auf die Dachkonstruktion, das bleigedeckte Dach und in die Werkstätten der Dombauhütte.

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Auf dem Weg dorthin geht man unter anderem hinter dem berühmten Richter-Fenster entlang. Großartig! Das von Gerhard Richter entworfene Fassadenfenster ist eines meiner persönlichen Highlights der Tour. Ich war gar nicht drauf gefasst, plötzlich hinter dem bunten Glas zu stehen. Umso stärker der Wow-Effekt. Der Kölner Künstler ließ über 11.000 farbige Glaskacheln per Zufallsgenerator auf der 106 Quadratmeter großen Fläche anordnen. Je nach Einfall der Sonnenstrahlen sorgen 72 verschiedene Farben seit 2007 für einen fast mystischen, farbenprächtigen Lichtzauber im Dom.

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Zum sensationellen Abschluss der Tour ging es über eine schmale Wendeltreppe hinauf auf den Vierungsturm. Als dann noch zwischen den beiden Domtürmen die Sonne über der Stadt versank, war der Gänsehaut-Moment perfekt. Halt „Home is where the dom is“.

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Blau machen für mehr Grün

Hi there,

die ersten Kölner Balkon-Gurken sind geerntet. Vom Samenkorn zum fertigen eßbaren Produkt. Selbst auf engstem Raum. Das finde ich immer wieder faszinierend. Mutter Natur, du Gute! Mein Leben ist derzeit gärtnergrün. Balkonien grünt und blüht. Vor unserem Haus habe ich eine Baumbeet Patenschaft übernommen und gärtnere dort mit zwei Nachbarinnen fleißig herum. Hätte nie gedacht, dass ich das mal machen würde, fand ich doch eigentlich immer einen Hauch spießig. Aber jetzt finde ich es großartig, meine direkte Umgebung ein wenig schöner und den Bienchen und Schmetterlingen einen klitzekleinen zusätzlichen Ort zu schaffen. „Urban Gardening“ gehört ja schließlich nicht erst seit gestern zum guten Ton. Wie, du hast Geranien auf dem Balkon? Die sind doch überhaupt nicht insektenfreundlich. Hopp, hopp zum Markt, Lavendel kaufen!

Meine Gärtner-Begeisterung geht gar so weit, dass ich kürzlich eine Lesung zum Thema besuchte. „Bin im Garten“ heißt das neue Buch von Meike Winnemuth. Genau. Die, die bei Günter Jauch 2011 eine halbe Million Euro abräumte, anschließend eine 12-monatige Weltreise unternahm und darüber ein Buch geschrieben hat. In „Das große Los“ erzählt sie über ihr Reisejahr. Das Buch bekam ich 2013 zum Abschied geschenkt und es verschwand als allerletztes Teil in unserem Überseecontainer. Eher skeptisch nahm ich, die „Roman-Leserin“, es irgendwann zur Hand. Es wurde zu einem meiner persönlichen Pageturner. Und das liegt nicht nur daran, dass Frau Winnemuth seit ihrer Weltreise ausschließlich blaue Klamotten trägt. Vielmehr schreibt sie mir so oft aus der Seele. Was aufbrechen, reisen und entdecken, ankommen und wieder weggehen, neugierig sein, sich auf Land und Leute einlassen und die Liebe zum Meer angeht. Dass sie einen Reise-Monat auf Hawaii verbracht und sich dort auf Spurensuche nach einem meiner Serienhelden der 80er Jahre, Privatdetektiv Magnum, begeben hat, war da nur noch das Sahnehäubchen obendrauf.

Und nun ein neues Projekt und ein neues Buch: „Bin im Garten –  Ein Jahr wachsen und wachsen lassen“. Nach der Weltreise suchte sie einen Ort zum Bleiben, steht im Klappentext. Der Moment, an dem sie die vage Idee von einer Heimat-Scholle bekam, ereignete sich fast 12.000 km entfernt vom heutigen Garten, auch auf Hawaii. Bei einem Morgenspaziergang am Strand sah sie einen Mann mit Hund, der still aufs Meer hinaus schaute. „Der geht hier jeden Tag her und anschließend frühstückt er. Der hat ein Leben und ich nicht“, dachte sie, die wie eine Nomadin durch die Welt reiste. „Ich will denselben Baum im Frühling, im Sommer, im Herbst und meinetwegen sogar im Winter sehen, dachte ich plötzlich, ich will den Wandel, aber am selben Ort, denn nur dort erlebt man ihn wirklich. Ich will irgendwo hingehören. Ich will endlich wieder ein Zuhause. Eine Heimat.“ Als sie diese Passage auf der Lesung vorlas, musste ich arg schlucken. Da war es wieder. Mit aller Wucht. Das Heimat-Thema. Das mich seit unserem Weggang in die USA und unserer Wiederkehr nach Deutschland so sehr beschäftigt.

Das Buch ist wie ein Tagebuch geschrieben und bei vielen Einträgen denke ich: ja ganz genau! Zum Beispiel, wenn Meike Winnemuth Sätze wie diesen schreibt: „Es geht darum herauszufinden, was einem persönlich wirklich wichtig und unverzichtbar ist. Der Rest kann weg.“ Einfache Weisheit? Von wegen. Wir sind nun fast ein Jahr wieder hier und der Prozess, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, hält an. Materiell, aber auch, und vor allem, immateriell. Wie sieht die große Aufgabe der Zukunft aus? Oder sind es viele kleine? Was verankert mich wieder fest im Kölner Boden? Wofür schlägt mein Herz am meisten? Worauf möchte ich mich fokussieren? Brauche ich jetzt etwa einen Garten? Eine Parzelle beim Kleingärtnerverein? Gar ein Häuschen auf dem Land? Hilfe, ich bin doch ein Stadtmädchen. Nicht so einfach, wieder Wurzeln zu schlagen, wenn man einmal entwurzelt war. Es wieder wachsen zu lassen, zu ernten. Vielleicht wühle ich deshalb gerade so gerne in der Erde. Auf unseren Balkonen und im Baumbeet vor der Tür.

Ein leichter Gartenvirus hatte mich schon in Michigan erfasst. Da habe ich vier Sommer lang Tomaten, Gurken, Salat, Kohlrabi, Zucchini und noch mehr Tomaten (mit so lustigen Namen wie Moonglow, Tommy Toe, German Lunchbox, Ukrainian Purple, Velvet Red oder Wisconsin Chief) angepflanzt. Es erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit, wenn man mit ein wenig Pflege, Wasser und gutem Zureden den kleinen Plätzchen zu großem Wachstum verhelfen kann und dann noch mit der leckeren Ernte für’s Abendbrot belohnt wird.

Detroit ist so etwas wie die Wiege des Urban Gardening. Und so wundert es sicherlich niemanden (#ilovedetroit), dass der Besuch einer urbanen Farm schon länger auf meiner „Bucket List“ stand. Im letzten Frühsommer habe ich mich dann endlich mit einer guten Freundin frühmorgens auf den Weg gemacht, um auf der „Earthworks Urban Farm“ zu helfen. Mit anderen Freiwilligen jäteten wir Unkraut zwischen den Kartoffelpflanzen und bekamen einen Einblick in die täglichen Abläufe eines landwirtschaftlichen Betriebes mitten in der Stadt.

In Detroit’s weitläufigem Stadtgebiet gibt es heute rund 1.600 Nutzgärten und Farmen, die Obst und Gemüse anbauen. Die Stadt verfügt über jede Menge freier Flächen. Seit den 90er Jahren werden auf diesen Brachen Nutzgärten angelegt, um die Versorgung der Stadt mit landwirtschaftlichen Produkten zu sichern. Mit dem massenhaften Wegzug der Menschen verließen auch die Supermärkte die Stadt. Was blieb, waren Tankstellen mit ihren angeschlossenen Convenience Läden, die aber kaum frisches Obst und Gemüse anbieten. Viele Farmen und Kooperativen verkaufen ihre Produkte mittlerweile auch auf den Wochenmärkten. Die non-profit Organisation „Keep Growing Detroit“ unterstützt die Farmen mit dem Ziel, den größten Teil des in Detroit benötigten Obst und Gemüse innerhalb der Stadtgrenzen zu produzieren.

Die „Earthworks Urban Farm“ hat ihre eigene Geschichte. Sie ist hervorgegangen aus der „Capuchin Soup Kitchen“, einer bereits 1929 gegründeten Organisation, die neben Nahrung auch Kleidung und Weiterbildungsprogramme für Bedürftige anbietet. Täglich werden 2000 Mahlzeiten serviert, es gibt ein Duschprogramm, eine Lebensmittelausgabe, Nachhilfe und Kunsttherapie für Kinder. 1997 ergänzte der Kapuzinermönch Rick Samyn die Suppenküche um einen Gemüsegarten. Seine Mission: die Gemeinschaft in der Nachbarschaft zu stärken, der jüngeren Generation zu zeigen, wie man gute Lebensmittel selbst erzeugen kann. Aus dem kleinen Garten wurde Stück für Stück die „Earthworks Urban Farm“ mit einer heutigen Fläche von über 10.000 Quadratmetern. Sie ist bio zertifiziert und hat mittlerweile Gewächshäuser, um auch in den Wintermonaten produzieren zu können. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden in der Suppenküche verwendet und an einem wöchentlichen Marktstand verkauft. Viele andere Gemeinschaftsgärten in Detroit beziehen Setzlinge von hier. Außerdem geben die Earthworks Farmer ihr Wissen an Schulen weiter. Übergeordnetes Ziel der Farm ist es, die Menschen der Stadt unabhängig von Supermärkten zu machen. Zur Capuchin Soup Kitchen gehört auch die „On the Rise Bakery“. Hier arbeiten Menschen, die nach einem Gefängnisaufenthalt oder nach Abschluss eines Drogenentzugs eine zweite Chance bekommen.

In deutschen Städten entstehen auch immer mehr Gemeinschaftsgärten. Die „Eßbare Stadt“ ist unübersehbarer Trend. Wäre es nicht toll, sich einen Teil der Mahlzeit einfach in der Nachbarschaft zu pflücken? Über’s Hochbeet hinweg einen kurzen Schwatz mit der netten Dame von nebenan zu halten. Mehr Gemeinschaft in der zum Teil anonymen Stadt. Mir gefällt dieser Gedanke gut und die Idee von der „Eßbaren Straße“ spukt nun in meinem Kopf. Gartenromantik direkt vor der eigenen Haustür. Ein wenig wie in Peter Alexanders Lied von der kleinen Kneipe. „… da, wo das Leben noch lebenswert ist. Dort in der Kneipe in unserer Straße. Da fragt dich keiner, was du hast oder bist.“ Hach. Genug geträumt. Ärmel hochkrempeln und hopp hopp an die Harke. Alles andere wächst dann sicherlich von ganz alleine.

So long, Ann Arbor

(Familienfotos und Portrait: Silke Masullo)

Hi there,

that’s it. Heute Nachmittag hebt der Lufthansa Kranich seine Nase gen Osten und fliegt uns über den Atlantik auf den alten Kontinent zurück. Five years gone by in the blink of an eye. Herkommen war einfacher. Mit dem Wissen darum, dass wir irgendwann zurückgehen würde. Jetzt fühlt es sich so viel endgültiger an. Und wie beende ich nun diesen „Relocation Countdown“? Ohne mich zu wiederholen. Vieles was mir wichtig war, habe ich schon an anderer Stellen gesagt. Aber meine kleine Therapie braucht einen Abschluss. Ich versuche es mal mit ein paar Antworten auf Fragen, die mir in den letzten Wochen gestellt wurden.

Hast du oft Heimweh gehabt?
Nein, nicht wirklich. Es war eher Wehmut … Köln zu Karneval, der Stadtwald um die Ecke, das Veedel („walkable urbanism is the highest luxury“ – hat eine amerikanische Bekannte über das Leben in deutschen Städten gesagt. Fand ich sehr treffend), unsere Straße, unser Haus (schnell mal zur Freundin auf einen Wein runter), die Kölner Lebensart, Berlin, Bella Italia … alles, was mir in der Heimat Europa lieb und teuer ist. Neben Familie und Freunden, die ich hier natürlich sehr vermisst habe. Aber „that goes without saying“, wie die Amerikaner es ausdrücken.

Was wirst du vermissen?
Der Blick auf das große Michigan „M“ am Stadion auf dem Weg in die Stadt. Die alten Nachbarschaften Ann Arbor’s mit ihren charmanten historischen Häusern und ihren altem Baumbeständen. Koriander immer frisch (und ausnahmsweise unverpackt) im Supermarkt. Die vielen himmelblauen, hellen Midwest Tage. Das glitzernde Winter Wonderland. Die unwirklichen Eiszapfen. Die kurzen und unkomplizierten Wege in small town Ann Arbor. Das immer präsente gelbe M auf blauem Grund. Michigan Craft Beer. Den Außen-Pool im Sportclub. Die freundliche, offene Art der Amerikaner. Der fantastisch bunte und lange Herbst. Der Blick auf unseren Wendehammer beim ersten Kaffee an einem sonnigen Morgen. Cruisen durch die Countryside mit ihren typischen roten Scheunen und Farmhäusern. Barn Sales. Detroit. So nah an einer der für mich spannendsten Städte der Welt zu leben.

Hat das Leben in Amerika dich persönlich verändert?
Diese Frage habe ich gestern Abend mit nein beantwortet. Aber heute morgen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Und dann fiel mir eine Zeile des Poetry Slammers Florian Cieslik ein. „Manchmal musst du weg gehn‘, um nach Hause zu kommen, um zu wachsen.“ Und vielleicht ist es das. Die Veränderung wird sich erst mit einem Abstand einstellen.

Was bringst du mit nach Deutschland?
Neben unendlich vielen Erinnerungen ungefähr 380 verschraubbare Gläser zum Einwecken und Einfrieren mit. Tupperware war gestern. Aber im Ernst. Die Erfahrung, einen fremden Ort zu einem wirklichen Zuhause machen zu können. Nicht nur mit einer schönen Wohnungseinrichtung. Sondern indem man sich auf das Leben, auf die andere Kultur einlässt. Neugierig ist. Alles entdecken möchte. Auch die kleinen lokalen Dinge. Der regelmässige Besuch des Farmers Markets, das Pancake Frühstück auf der kleinen Maple Syrup Farm ein paar Meilen außerhalb von Ann Arbor, das neue Cafe in Detroit’s West Village. Neue Freundschaften schließen. Ann Arbor hat ein Wort für Menschen, die hier seit langem lokal verwurzelt sind. Townie. So weit würde ich jetzt nicht gehen. Aber ich behaupte mal ganz frech, dass ich mir in den fünf Jahren ein paar Prozent „Townie“ erworben habe.

Hast du deine „Bucket List“ abgearbeitet?
Nein. Auch wenn ich gerade in diesem letzten Jahr noch ordentlich reingehauen habe. Egal wann man geht, man ist nie fertig. Aber dafür gibt es eine Million Gründe, zurückzukommen.

Welche Momente werden dir besonders in Erinnerung bleiben?
Der erste Schultag unseres Sohnes. Als ein mutiger 8-jähriger Junge ohne ein Wort Englisch in dem großen gelben Schulbus verschwand. Der letzter Schultag an der Grundschule. Unser erstes Football Spiel im Michigan Stadium. Die Sonnenuntergänge am Lake Michigan. Das Schlendern durch Downtown Ann Arbor, wenn die Sonne sich senkt und die roten Backstein-Häuser in ein goldenes Licht taucht. Die Blicke aus der Vogelperspektive im Flieger hinunter auf die Shoreline des Lake Michigan. Die ersten Schritte hinein in die Michigan Central Station. Viele große Momente, unzählige kleine.

Michigan & Ann Arbor werden für uns immer ein Stück Heimat bleiben. Den größten Anteil daran haben die unzähligen wunderbaren Menschen, deren Wege sich mit unseren hier gekreuzt haben. Viele sind zu wirklichen Freunden geworden und wir werden in enger Verbindung bleiben. Man geht halt niemals so ganz.

Ann Arbor – we will miss you so much. Aber es ist Zeit, nach Hause zu gehen. Ein neues Kapital aufzuschlagen. Wir werden uns wiedersehen. So oft wie möglich. Denken werden wir ohnehin jeden Tag an dich. Schon gleich am Morgen, wenn wir Radio Köln einschalten. 107,1. Die gleiche Welle, auf der Radio Ann Arbor funkt. Was für ein Zufall.

Wir gehen mit unendlicher Dankbarkeit. Darüber, dass wir so viel reicher geworden sind und so viele intensive Erfahrungen machen durften. Als Familie, und jeder von uns auf seine eigene Weise. Das wird uns niemand mehr nehmen können. Nie war mehr Anfang als jetzt. Nie waren wir mehr gespannt darauf, wie sich das Leben ab Morgen anfühlen wird. Hey Kölle, wir freuen uns tierisch op dich! Aber du musst nachsichtig mit uns sein. Unser Herz wird freudig hüpfen, wenn der ICE morgen früh über die Hohenzollernbrücke fährt und deine Domspitzen ins Bild kommen. Aber eine kleine Hintergrundmusik wird ab jetzt für immer „go blue“ spielen.

 

home for thanksgiving

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Hi there,

dieses Jahr haben wir zum amerikanischen Familien-Feiertag Thanksgiving mal das gemacht, was alle Amerikaner machen – wir sind nach Hause gereist. Zwar gab es in Deutschland keinen Truthahn, dafür aber andere lang vermisste Leckereien. Allen voran Gans mit Rotkohl und Klößchen. Ach, was hatte ich mich darauf gefreut. Und Feldsalat. Der wird hier einfach nicht angebaut. Auch zu Kasseler mit Sauerkraut und Kartoffelpüree (mashed potatoes können die Amis allerdings auch meist richtig gut) habe ich mich hinreißen lassen. Fehlten eigentlich nur noch Reibekuchen mit Apfelmus. Dafür hatte Glühwein Konjunktur und ich habe mich vom Lichter- und Sternenglanz auf den Kölner Weihnachtsmärkten verzaubern lassen. Ach, was viel schön!

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Ich war sehr gespannt, wie so ein kurzer, irgendwie spontan eingeschobener Heimaturlaub sich anfühlen würde. Es war extrem anstrengend und intensiv, aber auch wunderschön! Als wir Sonntag wieder im Flieger nach Detroit saßen, kam es mir fast vor, als hätte ich das alles nur geträumt. Mein Elfjähriger fragte mich dann irgendwann über dem Atlantik: „Mama, wie fand’s du es?“ Da fiel mir nur spontan die Zeile eines meiner BAP Lieblingslieder (Jradaduss) ein: „Et woor schoen, et woor joot, ahm Eng e bessje ze kort …“ (für Nicht-Kölner: „Es war schön, es war gut, am Ende ein wenig zu kurz“). Ob er BAP kenne, frage ich überflüssigerweise. „Was denkst du denn. Ich bin doch ein kölscher‘ Jung“. Na denn.

Seit das möglicherweise letzte Jahr für uns hier in Michigan angebrochen ist, werde ich bei einigen Sachen sehr wehmütig. Das fing am Ende des Sommers an, als ich am letzten Pool-Tag bis zum Ende blieb. Gleich am nächsten Tag folgte ein vielleicht letztes Mal „Back to school“, die möglicherweise letzte Michigan Football Saison hatte begonnen (nicht das ich ein Riesenfan dieses Sports bin, aber an Spieltagen herrscht eine ganz besondere Atmosphäre in der Stadt), die Blätter färbten sich eventuell ein letztes Mal so irre intensiv bunt, wie ich es bisher nicht kannte, Halloween, Christmas, … Ach herrje, wie wird es werden, das Zurückkehren in die eigentliche Heimat? Ich habe mich entschieden, nicht mehr zu viel darüber nachzudenken. „Go with the flow“ oder so ähnlich. Nicht im Sinne von passiv „treiben lassen“, vielmehr aktiv das gestalten und bewusst erleben, was sich ergibt. Ohne Fünfjahresplan. Ohne zwischen den beiden Welten diesseits und jenseits des Atlantiks hin- und hergerissen zu sein.

Genug herum philosophiert, zurück in die reale Ann Arbor Welt. It’s beginning to look a lot like Christmas. Als wir abgereisten, standen noch die Kürbisse vor den Türen und das ein oder andere Gruselelement war noch von Halloween übrig geblieben. Szenenwechsel: alles ist erleuchtet und blinkende Rehe und überdimensionale Blow-up Santas haben wieder das Terrain in unserer Hood übernommen. Da müssen wir noch dringend nachrüsten. Außerdem wird es Zeit, wieder ein paar Späße mit „Elf on the shelf“ zu treiben. Die lustige Elfe ist hier in vielen Familien eine vorweihnachtliche Tradition. Eine Art Adventskalender. Über Nacht kommt sie vom Nordpol zurück und sucht sich jeweils einen neuen Platz im Haus. Nach dem Aufwachen laufen die Kinder aufgeregt durch alle Zimmer und suchen nach dem rot-weißen Püppchen. Gefunden, darf sie nicht berührt werden, sonst verliert sie ihren Zauber. Tagsüber beobachtet sie, ob die Kids „naughty or nice“ sind und gibt Santa am Nordpol dann allabendlich Rapport.

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Mein kölscher Junge glaubt zwar nicht mehr an Santa, aber die Elfe wird trotzdem allmorgendlich erwartet. Wie war das mit dem Glauben an den Weihnachtsmann? „Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen,“ schreibt der Kolumnist der „New York Sun“, Francis P. Church, der achtjährigen Virginia aus New York. Sie hatte sich 1897 mit der Frage „Gibt es einen Weihnachtsmann?“ an die Tageszeitung gewandt. Der Briefwechsel wurde über ein halbes Jahrhundert – bis zur Einstellung der „Sun“ 1950 jedes Jahr zur Weihnachtszeit auf der Titelseite abgedruckt. Später hat die Welt am Sonntag diese Tradition übernommen. In diesem Sinne: feel the christmas spirit! Ach ja, und den Truthahn gibt es bei uns zur Bescherung.