About Britta Ullrich

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Posts by Britta Ullrich:

5 days to go … should I stay or should I go?

„You will never be completely at home again, because par of your heart will always be elsewhere. That is the price you pay for the richness of loving and knowing people in more than one place.“
Miriam Adeney

Hi there!

Es ist immer heiß, wenn Umzug bei uns passiert. Im Juli 2013 haben die Umzugsleute in Köln geschwitzt, als sie unsere Sachen vom dritten Stock hinuntergetragen haben. Als der Container dann im September hier in Ann Arbor ankam, war es ebenfalls sehr heiß und schwül. Und auch heute steht die Sonne hoch am Himmel und das Quecksilber zeigt 30 Grad. I know … verglichen mit den aktuellen Temperaturen in Deutschland ist es hier quasi kühl. Anfang September soll das Schiff in Rotterdam ankommen … ich gehe dann mal von einem wunderbaren September in Köln aus 😉

Heute wurde aber erst mal eingepackt. Nach und nach verschwanden unsere Sachen in Kisten. Nach und nach sieht das Haus weniger nach einem Zuhause aus. In den letzten zwei Wochen haben wir wie irre aussortiert, einen Garage Sale veranstaltet, vieles an Freunde und Nachbarn verschenkt, ein Auto voller Kisten zur Salvation Army gefahren. Eine hervorragende Entschlackungskur für unseren Hausstand. Der Versuch, möglichst nichts mitzunehmen, was wir nicht mehr brauchen. Ich befürchte, es werden trotzdem ein paar Dinge mit über den Atlantik schippern. Well.

Eine amerikanische Freundin, die viele Jahre in Deutschland und England gelebt hat, meinte letztlich „International moves make you realize, what is really important.“ Für sie waren das nicht irgendwelche teuren Geräte oder Möbel, sondern ihr Geschirr von Ikea. Sie lädt gerne zu Dinner-Parties ein. Auch wir sind hier in den Genuss zahlreicher köstlicher Abende bei ihr gekommen. „Diese schönen Abende mit Freunden sind es, die mir etwas bedeuten und an die ich mich später gerne erinnern möchte. Um auch am neuen Wohnort wieder für bleibende Erinnerungen zu sorgen, benötige ich mein Ikea Geschirr.“ Wie so oft sind es die kleinen Dinge, die wirklich zählen.

Jetzt am Abend türmen sich die Kisten im Haus. Neben dem üblichem Kram werden jede Menge USA, Michigan, Ann Arbor und Detroit Memorabilia ab Freitag ihren Weg nach Köln antreten. Aber die wirklichen Erinnerungen benötigen keine Umverpackung, die reisen in unseren Herzen mit. Und es ist viel, was sich da über die letzten fünf Jahre angesammelt hat. Our hearts are so full. Höre ich mich da gerade ein wenig amerikanisch-kitschig an? Grins. Hat wohl ein wenig abgefärbt. Ich spreche ja auch automatisch eine Oktave höher, wenn ich mich mit amerikanischen Freundinnen unterhalte. Aber das nur am Rande.

Heute Morgen hing nur noch ein einsamer Bierdeckel am Kühlschrank … Im Herzen Kölsch. In diesem kleinen Satz schwingt sehr viel Hoffnung mit, dass ich mich dort wieder genauso Zuhause fühlen werde, wie vor unserer Abreise. Auch wenn Michigan für immer seinen Platz in unseren Herzen (und in unseren Schränken ;-)) erobert hat.

 

7 days to go … last stop Michigan Central Station

(einige Fotos: Tino Ullrich)

Hi there!

„Ich persönlich träume von einer Gelegenheit, dieses wunderschöne Wahrzeichen von innen zu sehen.“ So endet mein Dezember Blog-Beitrag über die „Michigan Central Station“, den historischen Bahnhof von Detroit. Da war die Zukunft dieser seit drei Jahrzehnten leer stehenden Ruine noch ungewiss. Jetzt steht ihr eine glanzvolle Zukunft bevor. Und manchmal werden Träume tatsächlich wahr. Gestern haben sich die ansonsten streng bewachten Tore ins Innere des ehemaligen Bahnhofs für uns geöffnet. Ich kann immer noch noch glauben, dass ich tatsächlich da drin war. In der prachtvollen Wartehalle, im ehemaligen Restaurant- und Barbereich, und dort, wo 1988 das letzte Ticket verkauft wurde. Und … oder habe ich das heute Nacht eben doch nur geträumt? Auf dem Dach, 18 Stockwerke hoch über Detroit. Downtown geradeaus, die Ambassador Brücke (Bridge to Canada) über den Detroit River zur Rechten und links unten wie eine Miniatur-Filmkulisse der Stadtteil Corktown. Kann mich mal jemand kneifen?

Die Ford Motor Company hat die über 100 Jahre alte Michigan Central Station vor einigen Wochen gekauft. Sie wird das monumentale Gebäude zum Herzstück des neuen Ford Hi-Tech Campus machen. Von hier aus wird das Unternehmen seine Vision für die Zukunft von Transport und Mobilität weiter entwicklen. Neben Büroflächen für die Bereiche „autonomes Fahren“ und „Elektro-Fahrzeuge“ wird der historische Bahnhof im Erdgeschoß für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Dort, wo früher die Menschen auf die Abfahrt ihrer Züge warteten, wird es einen Mix aus Einzelhandel, Gastronomie und Community-Flächen geben.

Der Bahnhof liegt im ältesten Stadtteil Detroits, in Corktown. Ford hat bereits im letzten Jahr ein weiteres Gebäude in der Nachbarschaft bezogen. In einer ehemaligen Strickerei arbeitet heute das „Team Edison“. Hier tüfteln rund 200 Ingenieure, Designer und Softwareentwickler an zukünftigen Produkten und Konzepten rund um die persönliche Mobilität. Damit hat Ford wieder eine Präsenz in der Stadt, in der die Ford Motor Company 1903 gegründet wurde. Die heutige Konzernzentrale befindet sich im rund 15 Meilen entfernten Dearborn, der Geburtsstadt von Firmengründer Henry Ford. Für die Stadt Detroit wird der Kauf dieses Wahrzeichens mehr bedeuten, als „nur“ die Renovierung einer weiteren Ruine. Laut Ford sollen rund 2.500 Mitarbeiter bis 2022 hier arbeiten. Insgesamt wird es Raum für etwa 5000 Arbeitsplätze geben. Das wird wesentlichen Einfluß auf Wachstum und Entwicklung der Motorcity haben. Und der Bahnhof wird nach so langer Zeit der Ungewissheit wieder eine wesentliche Rolle in Sachen Transport und Mobilität spielen.

Ich habe es schön öfter im Zusammenhang mit den Ruinen von Detroit geschrieben. Aber nie hatte „a moment in time“ eine größere Bedeutung als gestern Abend. Schon bald werden die Renovierungsarbeiten beginnen. 2022 sollen sie abgeschlossen sein. Bis dahin halte ich die Michigan Central Station so in Erinnerung, wie sie sich mir gestern präsentiert hat. Das Beste von Detroit zum Schluß. Manchmal werden Träume eben wahr. Thank you, Ford.

 

10 days to go … Climate change is real


Hi there!

Der kleine Shuttle-Bus, der uns zum „Exit Glacier“ bringt, stoppt kurz. „Hier hätten wir im Jahre 1815 vor einer Wand aus Eis gestanden“, erklärt unsere Fahrerin. Das erste Jahres-Schild, das den Rückgang des Gletschers seit Ende der kleinen Eiszeit vor über 200 Jahren markiert. Ab einer kleinen Ranger-Station geht es zu Fuß weiter. Weitere Jahreszahlen-Schilder stehen als stumme Zeugen entlang des Weges bis zum Gletscher-Rand. In den letzten 15 Jahren schrumpfte des Exit Gletscher fast doppelt so schnell, als in über 100 Jahren zuvor zusammen. Der Klimawandel trägt dazu bei, dass auch die anderen Gletscher Alaskas immer schneller abschmelzen. Traurige Rekorde.

Der Exit Glacier wird vom „Harding Icefield“, dem größten der letzten vier Eisfelder der USA, gespeist. Seinen Namen erhielt er, weil er bei der ersten aufgezeichneten Überquerung des Harding Eisfeldes 1968 als Ausgang diente. Das 780 Quadratkilometer große Eisfeld liegt wie eine gigantische Decke aus Schnee und Eis über 40 Gletschern, die von dem Eisfeld in alle Richtungen abgehen und von ihm genährt werden. „Jeden Winter fällt zwar neuer Schnee auf das Feld. Aber leider schmilzt das Eis aufgrund der steigenden Temperaturen schneller, als der Schnee Nachschub liefern kann,“ erklärt uns der Park-Ranger.

Im Sommer 2015 besuchte Barack Obama die Region auf der Kenai Halbinsel und ließ sich auch zu den Gletschern im Kenai Fjord fahren. „Das ist spektakulär. Das müssen wir für unsere Enkel erhalten“, sagte er anläßlich seines Besuches. Das scheint Lichtjahre her. Erst im letzten Jahr ist die aktuelle US-Regierung aus dem Pariser Klimaschutz-Abkommen ausgestiegen. Gesetze zum Umweltschutz wurden aufgeweicht oder abgeschafft. Das „Der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen“-Geschrei versucht lauthals die eindeutigen Warnungen von Klimaforschern zu übertönen. Auch der Park-Ranger wird deutlich, nennt Fakten und Ursachen für die offensichtlichen Veränderungen. „The only good news is: we caused it, but we can do something against it. We can reduce our individual ecological footprints“, sagt er und nennt ein paar einfache Beispiele: „Use more often public transportation, travel with a refillable water bottle, carry your reusable bags to the store, and … vote for the right people.“ YES!!!

Zum ersten Mal Gletscher so hautnah zu erleben, gehörte zu den eindrucksvollsten Erlebnissen unserer Reise. Neben dem Exit Glacier (einer der wenigen, die man überhaupt zu Fuß erreichen kann) haben wir sogenannte Tidewater-Gletscher im Kenai Fjord und im Prince William Sound gesehen. Das Wetter war an diesem Tag noch nicht mal schön. Trotzdem stockte mir fast der Atem, als wir uns dem ersten großen Gletscher im Prince William Sound näherten. Die unwirklichen Farben (die bei bewölktem Wetter besonders intensiv erscheinen, wie uns eine alaskanische Fotografin aufklärte), die fantastischen Formen der Eisblöcke, die dramatische Art, wie er sich der Gletscher groß und mächtig direkt vor unseren Augen ins Wasser „ergießt“. Wir haben diese Tour mit einem kleinen Boot gemacht. Eine ganze Weile dümpelten wir in den ruhigen Gewässern vor dem „Surprise Glacier“ und lauschten andächtig dem Knacken des Eises. Mehrfach durften wir das spektakuläre Schauspiel eines kalbenden Gletschers erleben. Wahnsinn, wenn hunderte von Jahren alte Eis mit einem Krachen ins Wasser stürzt.

So fantastisch diese Wunder von Mutter Natur auch sind, so schockierend ist es, mit eigenen Augen ihre offensichtliche Zerstörung zu sehen. Da der Klimawandel nur global wirksam bekämpft werden kann, macht es einen umso wütender, dass viele wesentliche Entscheidungsträger so wenig achtsam mit unserem blauen Planeten umgehen.

 

 

12 days to go … All aboard!

Hi there,

„Traveling on the Alaska Railroad really captures the essence of Alaska.“ Erin Kirkland, Alaska Travel Expert

„Coming up to your right: the little town of Nenana“, ertönt eine freundliche Stimme. Sie gehört einem Student Tour Guide der Alaska Railroad, die in den Sommermonaten mit an Bord des Denali Star, Coastal Classic und Glacier Discovery Zuges geht. Die Guides informieren die Reisenden über Besonderheiten entlang der Strecke und halten nach Tieren Ausschau. Mit viel Begeisterung erzählen sie spannende Geschichten, die sich entlang der Schienen ranken. Zum Beispiel die, das sich in einem kleinen Dorf vor einigen Jahren zwei der meist gesuchtesten Männer der USA versteckt hielten. Das Reisen mit der Alaska Railroad ist ein ganz besonderes Erlebnis. Fast schon eine familiäre Angelegenheit. Gleich zu Anfang wird man eingeladen, im Zug umherzulaufen, die Freiluft-Wagen oder das Glaskuppel-Abteil, das einen 180 Grad Panoramablick auf die fantastische Landschaft bietet, zum Fotografieren und Staunen aufzusuchen. Das macht die Fahrt super kurzweilig. Auf einigen Abschnitten gerät man gar in Streß, so viele wunderbare Foto-Gelegenheiten gibt es. Ich bin quasi ständig in Bewegung gewesen, um die sich permanent ändernde Szenerie aufzusaugen. Hinter jeder Kurve ein neues fantastisches Natur-Bild. Wie ein nicht enden wollender Film zieht die grandiose Landschaft mit ihren Bergen, Canyons, Flüssen, Gletschern, Seen, satten Wiesen, Fjords, grünen Wäldern und Tälern an einem vorüber. Wir konnten Adler, Bären und Elche entlang der Zugstrecke beobachten.

Die Alaska Railroad wurde 1923 fertiggestellt. Sie läuft von Fairbanks im Norden bis nach Seward am Kenai Fjord im Süden. Genau den rund 800 km langen Weg haben wir mit dem Zug bereist, und dabei drei Zwischenstopps eingelegt: am Denali National Park, in der kleinen Stadt Talkeetna und in Anchorage. Vier Abschnitte, alle unterschiedlich, alle ein einzigartiges Erlebnis. Alaska Railroad bietet auf einem Abschnitt sogar „Flag Stops“ an. Mit einer weißen Tuch kann man den Zug überall entlang der Strecke anhalten, um Aufzuspringen. Ein Angebot für Einheimische, die im Hinterland leben. Aber auch für Besucher, die am Morgen irgendwo aussteigen, eine Weile wandern, und sich am Nachmittag wieder zum Ausgangsort zurückfahren lassen.

Auf einer unserer Reise-Abschnitte hielt der Zug in einer kleinen Ortschaft, um den Lokführer mit seiner Tochter aussteigen zu lassen. Schichtwechsel mitten im Nichts. Auf dem Weg nach Anchorage hatte der Zug zwei Stunden Verspätung. Einige Passagiere hätten ihren Flieger verpasst. Kein Problem. Irgendwo vor Anchorage wurde der Zug einfach gestoppt. Dort wartete bereits der vom freundlichen Zugpersonal organisierte Taxi-Transport zum Flughafen. Undenkbar bei der Deutschen Bahn. Aber auch wohl einzigartig für eine nordamerikanische Eisenbahngesellschaft.  Die Alaska Railroad gehört übrigens dem Staat Alaska und ist nicht mit einer anderen amerikanischen oder kanadischen Zuggesellschaft verbunden. Neben Passagieren werden auf allen Abschnitten auch Waren transportiert.

Lässt man sich dann doch mal in seinen Sitz fallen und genießt das langsame Reisen durch diese unendlichen Weiten, ist die Fahrt fast wie Meditation. Das sanfte Ruckeln des Zuges, das melodische „Tuuut, tuuut“ und die am Fenster vorbeiziehende atemberaubende Kulisse, die zu einem großen Teil nicht über den Landweg zugänglich ist. Zum ersten Mal macht „Der Weg ist das Ziel“ für mich wirklich Sinn. Und dann haben wir noch „Alaskan Kölsch“ im Wilderness Bord-Cafe entdeckt … „Besser wäre unerträglich“, um eine gute Freundin zu zitieren. Prost!

 

14 days to go … The joy of movement


Photograph provided by Nia Technique, www.nianow.com

Dance like nobody’s watching!

Hi there!

Komme gerade von „NIA“ zurück. Hä, was??? Genau, deswegen habe ich mich entschlossen, NIA (Nee-a) einen kleinen Beitrag zu widmen. Und weil ich so oft gefragt werde, was das eigentlich genau ist. Und weil einige meiner Kölner Freunde denken, ich würde Bauchtanz machen. Das habe ich tatsächlich auch mal ausprobiert, aber eher unfreiwillig. Sportlich experimentiert habe ich im ersten Jahr hier ohnehin eine ganze Menge … Yoga, Bollyfit, Pilates, Dance Fit, Total Body Conditioning, Extreme Jump & Pump – ach, wie die Kurse alle hießen. Aber wirklich hängengeblieben bin ich bei NIA. Das steht für „Neuromuscular Integrative Action“. Hört sich viel zu wissenschaftlich an, finde ich.

NIA eine einzigartige Kombination aus Tanz (Modern & Jazz Dance), Yoga, Kampfsport (Tai Chi) und sanften Bewegungs- und Entspannungstechniken wie Feldenkrais und Pilates. Ein ganzheitliches Fitness-Konzept, das mit 52 einfachen Bewegungen alle Muskelgruppen des Körpers, aber auch Geist und Seele anspricht. Und das ohne Drill. Trotzdem bekommt man ein intensives Kardio-Workout, die Muskulatur wird gestärkt und gedehnt, und am Ende der extrem vielseitigen Stunde gibt es eine angeleitete Entspannungsphase. Getanzt wird barfuß zu Musik. Pop, Klassik, Kabarett, Hip-Hop – jedes Programm hat seinen eigenen Mix. Das bringt gute Laune und macht riesigen Spaß. „The sweetest sweat on earth“, nennt eine meiner Trainerinnen es hier.


Photograph provided by Nia Technique, www.nianow.com

Die Amerikanerin Debbie Rosas und ihr Partner Carlos Aya Rosas haben die NIA Technik, die ausschließlich von lizensierten Trainern angeleitet wird, entwickelt. Debbie suchte Anfang der 80er Jahre nach mehreren Sportverletzungen eine alternative Trainingsmethode, die Ausdauer und Stärkung der Muskulatur verband. Aber nicht dem Motto „no pain, no gain“ folgte. Spaß machen sollte es, Freude sollte man bei dem Workout erleben. Alle Sinne sollten angesprochen werden. Eher heilend, nicht ermüdend.

Bei meiner ersten Stunde nahm mich eine Kursteilnehmerin zur Seite. „Es ist am Anfang etwas ungewöhnlich, aber nach einige Stunden wirst du es lieben“. Und genau so war es. Am Ende einer Stunde fühle ich mich im Gleichgewicht, Energie geladen und mental fit. Außerdem kommen mir, während ich tanze, immer neue Ideen für andere Dinge. Und der Tanz verstärkt oft meine Freude an den schönen Dingen des Lebens – eine anstehende Reise beispielsweise. „The joy of movement“ wirkt bei mir. Es ist zum Glück eine weltweite Bewegung und es soll auch Möglichkeiten in Köln geben. Und Mädels (no offense, aber für die meisten Männer ist das nix ;-): wer sich das immer noch nicht richtig vorstellen kann: let’s dance together!!

 

20 days to go … Ausgerechnet Alaska

„Certainly, a wilderness area, a little portion of our planet left alone … will furnish us with a number of very important uses. If we are wise, we will cherish what we have left of such places in our land.“

Olaus Murie – amerikanischer Naturschützer & Wildlife Biologe

Hi there!

Freitagabend: Touchdown Detroit. Zum letzten Mal, bevor wir Ende des Monats nach Deutschland zurückkehren. Frisur saß. Trotzdem komisches Gefühl. Der mittlerweile so vertraute Gang durch das „McNamara Terminal“ zur Gepäckausgabe. Vorbei an der illy Kaffeebar, unserem letzten Stop vor jedem Abflug. Das ist so zur Tradition geworden, dass ich Panik bekomme, wenn die Zeit vor Abflug knapp wird. Seit unserer Vorabreise im Juni 2013 trage ich auch auf jedem Flug die selbe Kette. Nennt man wohl Aberglaube. Aber zurück auf den Boden der greifbaren Tatsachen. Das besagte Terminal ist ein Drehkreuz von „Delta Airlines“ und das übersichtlichste, modernste und schönste (no kidding!!) Terminal, dass wir in den USA kennen. Wir haben es gemeinsam mit Delta richtiggehend lieb gewonnen. Von hier aus sind wir zu allen unseren Reisen innerhalb der USA aufgebrochen. Ein Stück Heimat. In 21 „lower 48“ – Staaten haben wir unsere Füße im Laufe Zeit gesetzt. Quiz-Frage: welche beiden Staaten gehören nicht zu den sogenannten „lower 48“? Exactly! Hawaii und Alaska. Beide wurden 1959 US-Bundesstatten. Alaska im Januar als Nr. 49, Hawaii im August als Nr. 50.

„Ausgerechnet Alaska“ (wer kennt die gleichnamige amerikanische TV-Show (Original-Titel „Northern Exposure“ aus den 90er Jahren? Dazu mehr in einem anderen Beitrag) ist auch für uns der letzte US-Bundesstaat, den wir bereisen. Und obwohl Alaska und Hawaii wie Feuer und Eis erscheinen, haben sie doch einige Gemeinsamkeiten. Ihre abgelegene Lage, mehrere Flugstunden vom amerikanischen Festland entfernt;  ihre sehr besondere Atmosphäre; ihre unglaublich interessanten und entspannten Bewohner. Alaska war von 1744 – 1867 russische Kolonie, bis die USA den heutigen Bundesstaat Russland für 7,2 Millionen US-Dollar abkauften und zunächst als US Territory führten.

Der nördlichste Staat der USA ist mehr als vier Mal so groß wie Deutschland. Hat aber mit rund 740.000 weniger Einwohner als meine Heimatstadt Köln. Mehr als die Hälfte davon leben im Großraum Anchorage. Das Straßennetz deckt nur einen relativ kleinen Teil des riesigen Staates ab. Es verbindet lediglich die Gebiete mit der höchsten Einwohnerdichte mit dem „Alaska Highway“, der Hauptverbindungsstraße zu Kanada. 70% sind nicht über den Landweg erreichbar. Sogar zur Hauptstadt Juneau führt keine Straße. Sie kann nur per Boot oder Flieger angesteuert werden. Kleine Flugzeuge sind daher ein beliebtes Verkehrsmittel, um auch die entlegensten Regionen zu erreichen. Viele Alaskaner haben einen Mini-Flieger im Garten stehen, wie wir unterwegs beobachten konnten. Gleich neben einer unserer Unterkünfte gab es einen kleinen Airstrip für die Flieger der Locals.

The last frontier. Wild, gewaltig und unberührt. Noch heute gibt es unglaublich große Flächen, auf die kaum ein Mensch je seinen Fuß gesetzt hat. Diese schiere Grenzenlosigkeit macht einen Teil der Faszination Alaskas aus. Auch wenn man bei einer Reise nur Bruchteile davon erkunden kann. Drei Millionen Seen, 14 große Bergketten, 90.000 Quadratkilometer Wald, 20 Nationalparks und die längste Küstenlinie der USA machen Alaska zu einem Staat der Superlative. Das indigene Volk der Aleuten gab ihm den Namen „Alyeska“ – „The Great Land“. Flora und Fauna sind im Überfluss vorhanden. Auf Alaska’s Boden steht der höchste Gipfel von Nordamerika, 6.190 Meter erhebt sich der ganzjährig schneebedeckte Denali (Mount McKinley) über den Meeresspiegel.

Es ist auch „Land of the Midnight Sun“ mit fast 24 Stunden Tageslicht im Juni und July. Wir sind abends um neun bei noch hoch am Himmel stehender Sonne in Fairbanks gelandet. Erstaunlicherweise haben wir die ersten beiden Nächte trotz Helligkeit sehr gut geschlafen. Unsere erste Erfahrung an einem so nördlichen Ort der Welt. Aber hoffentlich nicht die letzte. Alaska hat uns in seinen Bann gezogen, for sure! Heute, wo es kaum noch weiße, unerforschte Flecken auf der Landkarte gibt, ist die Wildnis von Alaska ein sehr besonderer Ort.

Ja, das Wetter ist launisch und unberechenbar. Und ändert sich oft von einer Minute auf die andere. Wir haben von Daunenjacke mit Mütze bis hin zum T-Shirt alles getragen. Dick eingemummelt bei wolkenverhangenen Himmel auf dem Boot während einer Gletscher-Tour. Abends mit kurzen Ärmeln bei strahlender Sonne beim Outdoor Abendbrot. Die Vorhersage stimmte fast nie. Glücklicherweise meist zu unseren Gunsten. Auf keiner Reise haben wir so viele interessante Menschen mit ihren spannenden Geschichten getroffen. Es gibt also noch viel zu erzählen … stay tuned! Ich gebe auf den letzten Metern mein Bestes 😉

Ach – und wenn wir Ende Juli nach Frankfurt fliegen, nehmen wir die gute alte Lufthansa. Die fliegt vom North Terminal, Detroit ab. Da gibt es keine Kaffeebar, die wir unbedingt ansteuern müssen. Aber meine Kette werde ich natürlich tragen. In diesem Sinne: safe summer travels everybody!

45 days to go … See America

„There is nothing so American as our national parks. The scenery and the wildlife are native. The fundamental idea behind the parks is native. It is, in brief, that the country belongs to the people, that it is in process of making for the enrichment of the lives of all of us. The parks stand as the outward symbol of the great human principle.“ – President Franklin D. Roosevelt

Wer den Blog über die letzten drei Jahre verfolgt hat, weiß, dass ich die Schönheiten der amerikanischen Nationalparks besonders in mein Herz geschlossen habe. Umso verstörender finde ich die Verstöße skrupelloser Geschäftsleute und Politiker, das Konzept der geschützten National Parks aufzubrechen. Die Flächen der großen Parks erstrecken sich oft über mehrere Bundesstaaten. So teilen sich beispielsweise Wyoming, Montana und Idaho den Yellowstone Nationalpark. Nur wenn der Park, wie von President Roosevelt seinerzeit verfügt, unter Bundesverwaltung steht, kann sein einzigartiges Ökosystem auch für zukünftige Generationen als Ganzes geschützt werden. Die über 2000 Bisons, die im Yellowstone Park leben, kennen keine Staatsgrenzen. Profitgeier hingegen schon. Sie gieren nach den wertvollen Bodenschätze, die tief in der Erde vieler Parks schlummern.

Die unendlichen Weiten der Landschaft und die faszinierenden Naturbilder dieser unglaublichen Schätze werden für immer zu meinen schönsten USA Reiseerinnerungen gehören. Von den National Lakeshores „Sleeping Bear Dunes“ und „Pictured Rock“ hier in Michigan über Yellowstone, Yosemite, Grand Teton, Joshua Tree, Grand Canyon bis hin zum Hawai’i Volcanoes National Park. Und ich werde nicht müde, Werbung für sie und das einmalige Konzept des 1919 gegründeten National Park Service zu machen. Da Worte nur bedingt Schönheit und Einzigartigkeit der Parks wiedergeben können, gibt es jetzt eine Fotostrecke mit wenig Text. Here we go …

Sleeping Bear Dunes, Michigan: 35 Meilen entlang des Lake Michigan im Norden der Lower Peninsula. Der Legende nach wartete Mama Bär am Ufer darauf, dass ihre Jungen über den See schwimmen.

Pictured Rocks, Michigan: 15 Meilen entlang des Lake Superior (Oberer See) auf der Upper Peninsula

Grand Canyon, Arizona: Der Colorado River hat diesen Canyon über 40 Millionen Jahre geformt.
„The Grand Canyon fills me with awe … Let this great wonder of nature remain as it now is .. You cannot improve on it. But what you can do is to keep it for your children, your children’s children, and all who come after you, as the one great sight which every American should see.“ President Roosevelt bei seinem Besuch 1903.

Yosemite, Kalifornien: Mit dem „Yosemite Grant“ stellte President Lincoln 1864 erstmalig Land zur Erhaltung und zur öffentlichen Nutzung unter Schutz, um eine Überweidung und die Abholzung der Wälder zu verhindern.

Joshua Tree, Kalifornien: Als die Mormonen die Wüste im 19. Jahrhundert durchquerten, sahen sie in den Bäumen das Bild des biblischen Propheten Joshua, der seine Hände in den Himmel ausstreckt.

Yellowstone, Wyoming/Montana/Idaho: Der älteste Nationalpark, 1872 gegründet. Der Geysir „Old Faithful“ zog schon früh Besucher an, weil er verlässlich alle 63 Minuten 32.999 Liter glühend heißes Wasser 45 Meter hoch in die Luft schießt. Der Park ist Heimat von Grizzly Bären, Elchen, Wölfen und der größten Bisonherde der USA.

Hawai’i Volcanoes: Die aktiven Vulkane Kilauea und Mauna Loa, zahllose erkaltete Krater sowie dampfende Erdspalten sind die Charakteristika dieses einmaligen Nationalparks auf Big Island.

Grand Teton, Wyoming: Zusammen mit seinem „großen Bruder“ Yellowstone“ bildet der Park mit seiner mächtigen Bergkette, den felsigen Canyons und Bergseen das größte intakte Ökosystem der Erde in der gemäßigten Klimazone.

Morgen beginnt unser Alaska Abenteuer, mit einem weiteren großen Park, dem „Denali National Park and Preserve“. Benannt nach dem höchsten Gipfel der USA: Denali (vormals „Mount McKinley“). Drückt uns die Daumen, dass wir ihn, the „high one“, auch zu sehen bekommen! Bis in drei Wochen dann, verabschiede ich mich leise den Woody Guthrie Song summend …  „This land is your land, this land is my land. From the California to the New York island. From the Redwood Forest, to the gulf stream waters. This land was made for you and me“.

 

48 days to go … something in the air all day

Hi there!

Eigentlich entlockt mir ein blauer Pool, der glitzernd in der Sonne liegt, nur Freudentränen. Aber hier tränen mir oft die Augen. Nicht vor Abschiedsschmerz, sondern weil halb Amerika auf Sonnencreme in Sprühflasche schwört. Augen zu und sprüüüüüüüüh. Die Hände bleiben sauber. Dafür bekommen alle anderen auch etwas von den noch nicht mal gut duftenden Chemiewolken ab. Ein Großteil landet auch nicht auf den zu schützenden Körperteilen, sondern in der Luft. Prima für alle, die am Sonnenschutz verdienen. Eigentlich kann man sich das Eincremen fast sparen. Man hat kaum sein Handtuch auf eine Liege gelegt, schon kommt von rechst oder links der erste Sprühnebel. Am Eröffnungswochenende tummelten sich ob des grandiosen Wetters Ende Mai viele Menschen am Pool, und ich bekam den Geruch gar nicht mehr aus der Nase heraus. Verschwindet die eine Flasche gerade wieder in der Badetasche, geht es bei den nächsten los. Ich persönliche sprühe nicht, sondern creme noch. Mit der guten importierten deutschen Sonnencreme vom dm.

Wenn nicht gesprüht wird, wird Feinstaub in Form von Kohlenmonoxid in die Luft gepustet. Auf Parkplätzen, in Hauseinfahrten, vor Schulen, überall dort, wo man warten muss. Im Sommer, weil die Klimaanlage kühlt und im Winter, damit man es schön warm hat. Gerne aber auch in den Jahreszeiten dazwischen. Sehr beliebt ist auch das halbstündige Laufenlassen des Motors, bevor man losfährt. Damit die Temperatur schon angenehm ist, wenn man einsteigt. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich das aufregt. Vor allem wenn es herrlich, sprich‘ weder zu kalt noch zu warm, draußen ist. My car is my castle. An der ehemaligen Grundschule meines Sohnes habe ich letztlich Schilder gesehen. „Idle Free Zone. Children breathing here.“ Endlich hat mal jemand kapiert, dass es nicht richtig ist, die eigenen Kinder zu vergiften.

Kommt der Wind nicht aus Sprühflasche oder Auspuff, wird die Luft per Klimaanlage oder Ventilator umgewälzt. Was mir persönlich eher unangenehm ist, sorgt bei Amerikanern für Wohlbefinden – ständige Luftbewegung. Und das, obwohl es in Michigan ohnehin oft windig ist – sommers wie winters. Das werde ich definitiv nicht vermissen. Den Pool schon … 😉

 

52 days to go … a farewell forever

Hi there!

Wie so oft rücken manche Ereignisse die eigenen Befindlichkeiten in die richtige Perspektive. Während ich hier so manches Abschiedstränchen weine, haben Menschen Abschiede ganz anderer Art zu bewältigen. Seit Anfang Mai spukt einer der aktivsten Vulkane der Welt, der Kilauea auf Big Island, Hawaii, Lava aus seinem Krater und aus Erdspalten. Wie alle anderen Naturkatastrophen erleben wir diese Ereignisse quasi live über die verschiedensten Kanäle mit. Die betroffenen Menschen tun uns über die Entfernung leid. Kurze Zeit später überschatten jedoch meist die nächsten Katastrophen das Ereignis, und ohne eine persönliche Betroffenheit bleiben die Dinge sehr abstrakt. Anders, wenn man Ort oder Menschen persönlich kennt.

Von den Auswirkungen des Vulkanausbruchs war und ist hauptsächlich die Nachbarschaft „Leilani Estates“ in der Region Puna im Osten von Big Island betroffen. Und genau in dieser Neighborhood haben wir während unserer Hawaii Reise vor 2 Jahren einige Nächte in dem Bed & Breakfast „Hale Moana“ verbracht. Die deutsche Besitzerin wurde mit ihren zwei Kindern evakuiert und lebt seitdem in einer Ferienwohnung weit genug weg von Lavaflüssen und giftigen Dämpfen, die aus den aufbrechenden Erdspalten austreten. Bis zuletzt hatte die allein erziehende Mutter und ihre zwei Teenager gehofft, das ihr Haus verschont und sie irgendwann dorthin zurückkehren könnten. Diese Hoffnung wurde am vorletzten Montag zunichte gemacht. Das Haus fing aufgrund der entweichenden Methangase Feuer und brannte komplett nieder. Es war nicht wie erwartet die Lava, die auch mittlerweile die Straße erreicht hatte, wo bis vor kurzem das gemütliche Bed & Breakfast mit seinem herrlich grünen und exotisch blühenden Garten Gäste aus aller Welt empfing.

Sie habe noch Glück gehabt, sagt Petra, die aus ihrem persönlichen Paradies, das 20 Jahre lang ihr Zuhause war, vertrieben wurde. Sie konnte fast alle ihre persönlichen Dinge aus dem Haus retten, bevor das Feuer kam. Sie ist mit ihren Kindern an einem sicheren Ort, an dem sie vorerst bleiben kann.

Noch am 19. Mai hatte sie hoffnungsvoll den Rasen gemäht. Eine Woche später war sie wieder im Haus, um die noch verbleibenden Sachen zu holen. „It felt like it’s spirit und soul had left already, it was merely a shell. 12 hours later all was gone,“ schreibt sie in einem ihrer regelmäßigen Updates. Sie habe mit diesem Lebensabschnitt abgeschlossen und schaue nun, trotz aller Trauer über das Verlorene, nach vorne. Im Vertrauen darauf, dass sich neue Türen öffnen und neue Chancen ergeben werden. Wow. Ich bin sehr beeindruckt von dieser Stärke. Das Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse fällt mir ein. „… Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginn, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. …“

Wenn das mal nur so einfach wäre. Wir erinnern uns trotz der vielen Regenstunden dieser Tage besonders gerne an unseren Aufenthalt im „Hale Moana“. An die singenden Frösche im Garten, die persönliche Atmosphäre, die köstlichen Bananen-Pancakes zum Frühstück, die Gastfreundschaft der Familie, die wertvollen Tipps für die Erkundung der Region. Petra hat eine Crowdfunding Seite eingerichtet, über die sie viel Unterstützung von Freunden und Gästen erfährt.

„We will be ok“, schreibt sie voller Zuversicht in ihrem letzten Update. Der vielzitierte „Aloha Spirit“ ist ihr, die in der Region bleiben möchte, wohl nicht verloren gegangen. „Aloha“ sagt man auf Hawaii nicht nur zur Begrüßung, auch zum Abschied.

 

56 days to go … „Home state“ Texas

Hi there!

Als ich das erste Mal in die USA flog, war ich 18 Jahre alt, hatte gerade mein Abi in der Tasche und wollte „große weite Welt“ Luft schnuppern. Und so landete ich im Juni 1986 als Au-Pair in Houston, Texas. Damals wusste ich noch nicht, dass mich mit meiner Gastfamilie eine lebenslange Freundschaft verbinden würde. Meine Gastgeschwister waren bei meiner Ankunft 5, 7 und 10 Jahre alt. Heute haben sie eigene Familien und im Laufe der Jahre haben meine Gasteltern 8 Enkelkinder bekommen. Das achte und vermutlich letzte wurde Anfang diesen Jahres geboren.

Vor über 30 Jahren als junge Erwachsene hatte ich so manches Mal Heimweh, vor allem nach meiner Familie und meinen Freunden. Man konnte ja nicht mal eben per FaceTime anrufen oder schnell eine whats app versenden. Telefonieren war irre teuer. Bei 50 Dollar wöchentlichem Taschengeld überlegt man sich genau, was man in den wenigen teuren Telefonminuten sagen möchte. Zum Glück gab es R-Gespräche 😉 Und natürlich old school snail mail. Um die Mittagszeit, wenn ich das Postauto seine Runde machte, ging mein Blick sehnsüchtig zur Mailbox. Es war immer ein kleines Fest, wenn ein Brief, eine Postkarte oder gar ein kleines Päckchen an mich adressiert in der Box lag. Ich habe damals alle bunten Karten und Umschläge wie einen kleinen Schatz in einem liebevoll beklebten Schuhkarton gesammelt. Wahrscheinlich ein Grund, warum ich immer noch so gerne richtige Post bekomme und auch gerne welche verschicke. Vor einigen Jahren habe ich mit einer kanadischen Freundin eine Brieffreundschaft begonnen. So richtig mit Papier und Stift.

In diesem Jahr Houston habe ich nicht nur Englisch gelernt, sondern auch meine erste Erfahrungen mit dem American way of life gemacht. Das morgendliches Pancake flippen wurde genauso zur Routine wie das „überall mit dem Auto“ hinfahren und das ständige Frieren in Einkaufszentren oder Restaurants. Meine Beine habe ich zum ersten Mal in Houston rasiert, weil das bereits jedes amerikanische Mädchen so macht. Ich habe täglich Cola in Dosen getrunken, weil ich es cool fand. Dazu Unmengen Eistee (klar mit Unmengen Eis), bis mir klar wurde, dass mein schlechter Schlaf irgendetwas damit zu tun haben könnte. Ich bin staunend und mit großen Augen und nie nachlassender Begeisterung die Gänge der amerikanischen Drugstores und Targets abgelaufen. Wie Alice im Wunderland … Britta im Lone Star State. Ich konnte nicht fassen, wie viele Highways diese Stadt durchliefen. Oder, wieviel Land es gab. Meine Gastfamilie besitzt außerhalb von Houston eine Ranch. Als sie mich dorthin zum ersten Mal mitnahmen, war ich überwältigt. Ich dachte, das Dorf, in dem ich in Deutschland aufgewachsen bin, passt locker auf diese gigantische Fläche. Das war natürlich nicht so, aber gefühlt konnte ich kaum glauben, dass eine Familie so viel Land (mit einem Fluß drauf) einfach nur so besitzt. Schon, es gibt dort ein paar Kühe und ein Maisfeld, aber sie ernährt niemanden.

Die fünf Jahre Michigan haben uns vergleichsweise nah an Texas herangebracht, 3 Flugstunden von Detroit. Wir haben zwei Weihnachtsfeste mit der großen Familie dort gefeiert und verschiedene anderer Gelegenheiten zum Besuch genutzt. Meine Gasteltern haben uns einige Male in Michigan besucht. Unser vorerst letzter Besuch liegt keine vier Wochen zurück. Abschied nehmen war das. Zumindest bis auf weiteres. Besonders mit meiner Gastmutter und Gastschwester bin ich sehr eng. Auch unser Sohn fühlt sich in Houston zuhause. Mit fünf haben wir ihn zum ersten Mal mitgenommen. Im Kreise der Enkelkinder ist er der Cousin aus Deutschland. Ich bin dankbar für diese lange transatlantische Freundschaft. Und entsprechend tränenreich war der Abschied am Flughafen. Der erste von vielen weiteren, die folgen werden. I guess that’s part of the process.